Stürmer wirbt für Organspende

Klasnic: „Ich kann nur immer wieder Danke sagen“

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Ivan Klasnic erholt sich derzeit von seiner dritten Nierentransplantation - die gute Laune ist aber schon zurück.

Zagreb/Bremen - Für ihn wäre im Stadion Maksimir immer ein Platz frei gewesen. Und liebend gerne hätte sich Ivan Klasnic am Mittwochabend auch unter die kroatischen Fans gemischt.

Doch als das Playoff-Hinspiel in der WM-Qualifikation zwischen Kroatien und Griechenland angepfiffen wurde, blieb Klasnic doch nur das Fernsehen und die Couch seiner Eltern. Etwas mehr als drei Wochen nach der erfolgreichen Nierentransplantation ist der 37-Jährige zwar auf einem guten Weg, aber eben noch nicht soweit, dass er sich unbeschwert in der Öffentlichkeit bewegen könnte.

Gute Laune ist bei Klasnic zurück

„Ich muss immer noch aufpassen, dass ich mir keine Infektion einfange“, sagt der ehemalige Werder-Profi und 41-fache kroatische Nationalspieler. Deshalb trägt er aktuell, wenn er Besuch bekommt, noch eine Atemmaske, meidet Außenkontakte. Aber Spaziergänge sind möglich, körperlich fühlt er sich sehr gut: „Es ist okay. Ich kann wirklich nicht klagen.“

Dennoch war die Meldung, dass der 37-Jährige am 5. Januar in Oldenburg mit der Werder-Traditionsmannschaft an einem Hallenturnier teilnimmt, etwas sehr optimistisch. „Spielen kann ich dann bestimmt nicht. Vielleicht stelle ich mich aber als Trainer an den Rand“, sagt Klasnic, der für die Zukunft gleichwohl geplant hat, wieder zu kicken. Just for fun natürlich. Oder? „Ich habe gehört, Werder braucht noch einen, der Tore schießen kann. Wieso nicht ich?“, witzelt der Double-Sieger von 2004, und es zeigt sich, dass die gute Laune bei ihm zurück ist.

„Eine fremde Person hat mir ein Leben geschenkt“

Ivan Klasnic ist klar, welch großes Glück die Nierentransplantation, die dritte seines Lebens, für ihn ist. Und er weiß, dass er jetzt mit dem Organ eines Toten lebt. Nach dem Gefühl gefragt, das er dabei hat, kommt eines als erstes: „Dankbarkeit. Eine fremde Person hat mir ein Leben geschenkt. Da kann ich nur immer wieder Danke sagen“, erklärt der Ex-Profi.

Schon vor längerer Zeit habe er sich in Kroatien, dem Herkunftsland seiner Eltern, auf die Warteliste setzen lassen. Und anders als in Deutschland, wo er sechs, vielleicht sieben Jahre auf eine positive Nachricht hätte warten müssen, kam schon nach einigen Monaten der Anruf aus Zagreb. Noch am gleichen Abend wurde Klasnic operiert.

Ivan Klasnic hat wieder Lust aufs Fußballspielen - muss sich damit aber noch eine Weile gedulden.

Mit dem Ergebnis, dass er jetzt wieder eine Chance auf „ein ganz normales Leben“ hat: „Das Gefühl ist einfach nur schön. Ich werde wieder das machen können, was ich möchte.“ Zum Beispiel Reisen unternehmen, ohne sich vorher nach Dialysemöglichkeiten vor Ort erkundigen zu müssen. Oder so viel trinken, wie er mag. Als Dialysepatient durfte er pro Tag maximal eineinhalb Liter Flüssigkeit zu sich nehmen.

Aktuell wartet Klasnic darauf, dass ihn die kroatischen Ärzte die Heimreise nach Hamburg erlauben. Nach nur acht Tagen im Krankenhaus ist er bei seinen Eltern in einem Dorf nahe Zagreb untergekommen. Mutter und Vater, die ihrem Sohn vor sieben Jahren jeweils schon eine Niere gespendet hatten, leben teils in Kroatien, teils in Hamburg.

Organspende-Bereitschaft in Deutschland niedrig

Derzeit sind sie natürlich in Zagreb, um Klasnic zu unterstützen. „Die Ärzte“, sagt er, „wollen mich im Moment noch unter Kontrolle haben.“ Zweimal pro Woche muss er deshalb zur Untersuchung in die Klinik. Aber vielleicht geht es in der kommenden Woche, wenn die Fäden gezogen und alle Tests weiter positiv sind, zurück nach Hause. Ivan Klasnic freut sich schon drauf.

Er wird dann sicher auch von sich hören lassen. Nicht, um mit seiner Prominenz Fußballveranstaltungen jeglicher Art zu schmücken, sondern um Werbung für mehr Organspenden zu machen. Klasnic: „In Deutschland warten mehr als 10.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Es ist schade, dass die Spendenwilligkeit hier so niedrig ist, viel niedriger als in Kroatien“, sagt er und ergänzt mit Blick auf seine eigene Geschichte: „Es klingt blöd, aber die Organe eines toten Menschen können fünf anderen Menschen wieder ein normales Leben ermöglichen.“

Zum Nachlesen: Die Chronologie im Fall Ivan Klasnic

Quelle: DeichStube

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