Weil Rene Adler passen muss: Keeper Tim Wiese könnte für die WM doch noch die Nummer eins werden

„Ist das jetzt meine Chance?“

Kreiszeitung Syke

Werder-Bremen - Von Carsten Sander · Er saß schon im Auto, war quasi schon weg, als es an der Scheibe klopfte. „Hey, Tim, schon gehört? Rene Adler fällt für die WM aus.“ Die Nachricht, die Tim Wiese ganz neue Chancen für das Turnier in Südafrika eröffnet, hätte bei dem Torhüter von Werder Bremen eigentlich wie eine Bombe einschlagen müssen. Tat sie aber nicht.

Klar, überrascht war er schon. Mitfühlend auch. „Das tut mir echt leid für Rene. Ich wusste ja von nichts.“ Wie auch? Während Wiese nach dem Vormittagstraining, das gestern nur aus einem Laktattest bestanden hatte, unter der Dusche stand, wurde es kundgetan: Rene Adler, die offizielle Nummer eins der deutschen Nationalmannschaft, muss wegen seiner Rippenverletzung operiert werden und deshalb auf die WM verzichten (siehe nächste Seite). Deutschland sucht nun einen neuen Schlussmann für Südafrika. „Und das ist jetzt meine Chance, oder was?“, fragte Wiese aus dem Seitenfenster seines schwarzen Touareg. Ja, Tim, das ist die Chance.

Zwischen ihm und Schalkes Manuel Neuer muss sich Bundestrainer Joachim Löw nun entscheiden. Es ist ein offener Wettbewerb – sollte man jedenfalls meinen. Denn als sich Löw Anfang März auf Adler als Nummer eins festgelegt hatte und Wiese sowie Neuer hinter dem Leverkusener einordnete, benannte er keine Nummer zwei, keine Nummer drei. Soll heißen: Die beiden Nachrücker sind offiziell gleichauf.

Gleichwohl galt Tim Wiese bislang in der öffentlichen Wahrnehmung als dritter Mann im Nationalteam, weil er bei den Länderspiel-Nominierungen oft hinter Adler und Neuer zurückstehen musste. Möglicherweise ist das der Grund, weshalb er gestern verhalten reagierte. „Ich weiß nicht, ob ich jetzt die Nummer eins bin“, sagte er, „denn ich weiß nicht, wie der Trainer denkt.“ Da geht es ihm wie vielen anderen in diesen Tagen.

Aber eines ist dem 28-jährigen Werder-Keeper absolut klar: Mit großen Sprüchen wird er sich auf Löws Liste nicht nach vorne schieben. Also beließ er es dabei, seine Ansprüche nur anzudeuten, indem er auf sein Können verwies: „Meine Leistungen sprechen für mich. Ich habe immer Leistung gezeigt – auch in der Nationalmannschaft.“

Letzteres ist jedoch kein sonderlich tragfähiges Argument. Denn Wiese durfte erst zweimal für Deutschland ran – jeweils eine Halbzeit in Testspielen gegen England (im November 2008) und die Elfenbeinküste (im November 2009). Manuel Neuer, sein vier Jahre jüngerer Konkurrent, verfügt nur über unwesentlich mehr Erfahrung im DFB-Tor: 90 Minuten gegen die Vereinigten Arabischen Emirate, 45 gegen die Elfenbeinküste. Das als Plus für den Schalker zu werten, wäre jedoch verwegen.

In der Pole Position fühlt sich der U 21-Europameister jedenfalls nicht. „Wer die Nummer eins ist, wird der Bundestrainer entscheiden. Wenn ich im Tor stehen sollte, werde ich alles geben. Ich habe aber noch keine Informationen“, erklärte Neuer gestern, nachdem der erste Schock über Adlers WM-Aus verdaut war: „Man wartet ja als Spieler nicht darauf, dass sich ein anderer verletzt. Es ist für mich ein bisschen komisch, damit umzugehen.“

Im Faktencheck der in der Liga gezeigten Leistungen (siehe Einblocker) verfügt Neuer in den meisten Kategorien über die besseren Leistungswerte als Wiese. In Erinnerung sind aber auch noch seine Fehler beim Schalker 2:4 in Hannover und sein Patzer beim 3:1 über Mönchengladbach. Tim Wiese ist seit Monaten frei von dicken Patzern und hat zudem etwas, das seinem Mitstreiter noch fehlt: Umfassende internationale Erfahrung. Seit Jahren spielt er mit Werder in der Champions oder Europa League. Neuer mit Schalke nicht.

Also Vorteil Wiese? Michael Kraft, Torwarttrainer bei Werder, sieht es so: „Tim ist kurz vor dem Ziel. Er hat in den vergangenen Monaten sehr konstant gespielt. Er ist für mich auch ein Turnier-Torhüter – einer, der ein Team weit bringen kann mit seinen Emotionen. Er kann auch mal einen Elfmeter halten. Vom Typ her geht er in Richtung Toni Schumacher.“ Und der wurde 1982 sowie 1986 zweimal Vize-Weltmeister.

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