Ein Rückblick auf 99 Bundesliga-Nordderbys

Innig gelebte Feindschaft

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Da kochte Hamburg: Werders Tim Wiese tritt Ivica Olic um.

Hamburg - Von Petra Philippsen. Etwas ganz Spezielles sind die Nordderbys zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV seit jeher, jenes am Samstag wird als 100. in die Bundesliga-Historie eingehen.

1983 – das waren noch Zeiten: Rudi Völler (l.) köpft unbedrängt, Frank Neubarth sieht zu, HSV-Keeper Uli Stein streckt sich.

Es ist die gelebte Feindschaft schlechthin zwischen zwei Clubs, zwei Städten, die sich so gut riechen können wie Willi Lemke und Uli Hoeneß. „Ihr seid das Tor zur Welt – aber wir haben den Schlüssel“, höhnten die Bremer Fans einst, die Hamburger konterten: „Für ein Tor brauchen wir keinen Schlüssel.“ Das sind noch die harmloseren Scharmützel, doch längst geht es nicht nur auf, sondern auch neben dem Rasen oft handfest zu. Trauriger Tiefpunkt war der Tod des 16-jährigen Werder-Fans Adrian Maleika im Oktober 1982. Vor einem DFB-Pokalspiel hatten Hamburger Hooligans ihn angegriffen.

In der Bundesliga lieferten sich die beiden Teams in den 99 Aufeinandertreffen oft hitzige, spannende und entscheidende Duelle. Meistens ging es dabei nicht (wie jetzt) um den Klassenerhalt, sondern um Meisterschalen und Champions-League-Plätze – besonders diese fünf Nordderbys blieben haften:

Der 27. November 1971 war einer der trübsten Werder-Tage. Schlimm genug, dass die Bremer mit 1:2 in Hamburg verloren. Und das, obwohl die legendäre „Millionenelf“, mit Hilfe potenter Bremer Geschäftsleute und der Stadt so teuer wie nie zuvor zusammengekauft, eigentlich den Meistertitel holen sollte. Doch die Mannschaft wurde zum Symbol des hanseatischen Größenwahns und ein Bekenntnis, dass Werder sich verkauft hatte. Erstmals seit 1965 traten sie nicht traditionell in Grün-Weiß, sondern in Anlehnung an die Speckflagge in rot-weißen Trikots mit dem Bremer Schlüssel an. Statt „Werder“ stand hinten auf den Jerseys „Bremen“. So passte es auch, dass Werder die zweite Halbzeit des Derbys in den blauen HSV-Trikots absolvieren musste. Schiedsrichter Walter Eschweiler ähnelten die Bremer Hemden zu sehr jenen der Hamburger, die Gäste hatten jedoch keine Ersatztrikots dabei und mussten die verhasste HSV-Raute überstreifen. Schlimmer hätte die Demütigung nicht sein können.

Genugtuung bekamen die Werderaner dafür am 29. Januar 1983. Seit einem Jahr waren die Hamburger ungeschlagen (20 Siege, 16 Unentschieden) – diesen „Rekord für die Ewigkeit“ vermochten erst die Bayern im November 2013 zu toppen. Doch die Bremer stoppten den furiosen Lauf des HSV im eigenen Stadion mit 3:1. Deutscher Meister wurde der Rivale dennoch.

Das Nordderby sechs Jahre später verloren die Bremer im Hamburger Stadion zwar mit 0:4, doch der 20. September 1989 wurde für Ditmar Jakobs zum Schicksalstag. Der HSV-Verteidiger rutschte bei einem Rettungsversuch ins Tor und verfing sich an einem Karabinerhaken der Netzverankerung. Es dauerte 20 Minuten, bis Jakobs befreit werden konnte. Er musste seine Karriere beenden und leidet noch heute unter den Folgen der Rückenverletzung.

Schlimmeres hätte auch Ivica Olic am Abend des 7. Mai 2008 in Hamburg passieren können. Denn Werders Keeper Tim Wiese war dem kroatischen Stürmer entgegengerannt, an der Strafraumgrenze mit gestrecktem Bein abgesprungen und hatte ihn voll erwischt. Olic behielt seinen Kopf wohl nur auf den Schultern, weil er ihn reflexartig weggedreht hatte. Er zog sich dennoch schmerzhafte Prellungen zu, und TV-Experte Franz Beckenbauer sprach hinterher gar von einem „Mordversuch“. Wiese sah nur die Gelbe Karte und entging einer Sperre, die Hamburger Volksseele kochte.

Versöhnlich war es zwischen den Rivalen schon am letzten Spieltag der Saison 2005/2006 nicht mehr gewesen. Es ging um die direkte Champions-League-Qualifikation. Dem HSV hätte ein Remis gereicht, doch Werder versalzte ihnen gehörig die Suppe, gewann mit 2:1 im Volkspark und wurde Vizemeister. Bedanken konnten sich beide Seiten bei Ailton: Der einstige Bremer, der gerade beim HSV angeheuert hatte, schoss freistehend über das leere Tor.

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