Innenverteidiger wünscht sich Durchbruch in Dänemark

Von EM zu EM: Vestergaards neues Ziel heißt Frankreich

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Gut erholt und körperlich fit sieht irgendwie anders aus. Jannik Vestergaard musste beim ersten Training nach dem Urlaub auch leiden.

Bremen - Da ist er wieder. Braun gebrannt, sichtlich erholt und gut gelaunt. Jannik Vestergaard ist gestern als letzter Werder-Profi in die Vorbereitung auf die neue Saison eingestiegen. Nach einem Extra-Urlaub wegen der Teilnahme an der U21-EM sei er „topmotiviert und voller Energie“, sagt der Däne, der für sich und für Werder Bremen klare Ziele absteckt.

Was er mit Werder erreichen will, klingt vernünftig. Vestergaard baut kein Luftschloss, auf dem Europa League steht. Er spricht lediglich von einer „komplett stabilen Runde“, die die Mannschaft absolvieren soll – und davon „dass wir das Ganze nicht wieder mit einer mirakulösen Rückrunde retten müssen.“

Mirakulös – also wundersam – war es tatsächlich, was sich nach dem Jahreswechsel bei den Grün-Weißen zugetragen hatte. In Windeseile kletterte das Team aus dem Tabellenkeller – auch, weil Jannik Vestergaard als Winter-Neuzugang voll einschlug. „Ich will einfach so weitermachen und gute Leistungen bringen“, sagt der Innenverteidiger nun.

Aber das ist nur die Grundlage für seine eigentlichen Vorhaben. Denn nachdem er mit der dänischen U21 das EM-Halbfinale erreicht hatte, will er im kommenden Sommer mit der A-Nationalelf zur Europameisterschaft nach Frankreich reisen. „Das ist mein Ziel“, bestätigt Vestergaard, der weiß, dass er seine Chancen auf einen Platz im Auswahlkader von Nationaltrainer Morten Olsen im letzten halben Jahr deutlich verbessert hat.

Stammplatz in Bremen statt Ersatzbank in Hoffenheim, dazu die erfolgreiche EM – mittlerweile kenne man ihn in Dänemark, meint der 1,99m-Hüne, der bereits kurz vor seinem 18. Geburtstag aus der Jugend von Bröndby Kopenhagen nach Hoffenheim gewechselt war. „Ich kann zwar immer noch ganz normal durch Kopenhagen gehen“, meint er. Aber das Interesse der dänischen Medien an ihm sei während der U21-EM „von null auf hundert“ geschossen: „Ich habe mich in Dänemark ein bisschen mehr in den Vordergrund gebracht.“

Morten Olsen hatte den Werder-Profi freilich schon vor der EM auf dem Zettel. Im Testspiel der A-Auswahl gegen Montenegro unmittelbar vor dem Nachwuchsturnier in Tschechien kam Vestergaard zu seinem dritten Länderspieleinsatz, gab auch dort seine Visitenkarte ab. Olsen über die Perspektive des 22-Jährigen im Nationalteam: „Jannik hat eine tolle U21-EM gespielt. Aber auf seiner Position muss er sich gegen starke Konkurrenten durchsetzen.“ Die prominentesten Mitbewerber in der Innenverteidigung sind Daniel Agger (30/früher FC Liverpool, jetzt Bröndy) sowie Simon Kjaer (26/früher VfL Wolfsburg, jetzt Fenerbahce Istanbul).

Vestergaard drängt aber nach und kann die Berufung ins All-Star-Team der U21-EM („Das werde ich nie vergessen“) als Bewerbung vor sich hertragen. „Ganz ordentlich“ sei seine Turnier-Performance gewesen, meint er. Besonders seine Rolle als Kapitän habe ihm gefallen: „Ich habe mich wohlgefühlt, derjenige zu sein, der Verantwortung übernimmt, die Richtung vorgibt und den anderen hilft.“ Wie es bei den Kollegen ankam? „Meiner Meinung nach ganz gut.“

Di Santo muss aussetzen, Vestergaard trainiert

Liebend gerne hätte er als dänischer Kapitän auch die Siegertrophäe in Empfang genommen. Doch die Schweden hatten was dagegen. 3:1 gewann der spätere Champion das Halbfinale, und Jannik Vestergaard ahnt, dass er dieses Spiel immer in der Schublade „Schlechte Erfahrungen“ mit sich herumtragen wird. „Wir haben nicht gegen einen besseren Gegner, sondern durch eigene Fehler verloren. Das nervt mich, und wird mich immer nerven.“ Die Chance, mit Dänemark ein Finale zu spielen, wird schließlich so häufig nicht kommen.

Den Ärger hat Vestergaard in seinem Zwei-Etappen-Urlaub aber gut verarbeitet. Erst war er mit seiner Freundin auf Kreta, dann schlug er – nur 13 Tage nach dem EM-Aus – wieder in Bremen auf. Nach dem Foto-Termin mit der Mannschaft schickte das Trainerteam den 22-Jährigen aber direkt wieder weg. Kofferpacken, ab nach Spanien zur ebenfalls urlaubenden Familie. „Die zusätzliche Woche“, sagt Jannik Vestergaard, „hat gutgetan. Jetzt bin ich wieder richtig frei im Kopf.“ Und körperlich sieht er sich auch auf einem guten Stand: „Ich habe nur etwas mehr als eine Woche gar nichts gemacht, war danach Laufen und im Kraftraum.“ Der Rückstand auf den Rest der Truppe sei eher klein. Die Lust auf Fußball aber richtig groß: „Ich habe in den letzten Tagen an nichts anderes mehr denken können.“ csa

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