Ingolstadts Morales über Kumpel Johannsson 

„Aron soll bloß nicht in meine Nähe kommen...“

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Den Ball und den nächsten Auswärtssieg fest im Blick: Ingolstadts Mittelfeldmann Alfredo Morales.

Ingolstadt - Von Claudio Pizarro spricht er voller Ehrfurcht, Aron Johannsson zählt er zu seinen Freunden – doch wenn Alfredo Morales, Mittelfeldspieler des FC Ingolstadt, heute mit dem Aufsteiger zum ersten Mal in der Geschichte bei Werder Bremen antritt, will er nur eins: den dritten Auswärtssieg im dritten Auswärtsspiel.

Im Interview spricht der in Berlin geborene US-Nationalspieler mit peruanischem Vater und deutscher Mutter über den gelungenen Saisonstart der „Schanzer“, über Werder und einen möglicherweise komplizierten Trikottausch nach dem Spiel.

Sieben Punkte nach vier Spielen – nicht schlecht für einen Aufsteiger und absoluten Bundesliga-Neuling. Wie zufrieden sind Sie mit dieser Ausbeute zum Auftakt?

Alfredo Morales (25): Auf jeden Fall sehr zufrieden. Bisher haben wir nur gegen Dortmund verloren (0:4 zu Hause, d. Red.), doch jeder weiß, dass Dortmund derzeit überragend spielt. Beim 0:0 gegen Wolfsburg haben wir am vergangenen Wochenende aber gezeigt, dass wir ein sehr unangenehmer Gegner sind.

Das bestätigen auch die 1:0-Auswärtssiege in Mainz und in Augsburg. Resultate, die ein bisschen nach Mauertaktik klingen.

Morales: Natürlich wollen wir hinten immer sicher stehen. Das heißt aber nicht, dass wir nur auf Konter lauern. Grundsätzlich versuchen wir, aggressiv vorne drauf zu gehen, so das Aufbauspiel des Gegners zu unterbinden und früh zu Ballgewinnen zu kommen. Das ist unser Plan, und den ziehen wir auch durch.

Wie sehr lebt die Mannschaft aktuell noch von der Anfangseuphorie eines Liga-Neulings?

Morales: Die Euphorie ist ein Teil unserer Qualität, und wir versuchen auch, sie solange wie möglich beizubehalten. Aber wir haben auch noch mehr zu bieten.

Zum Beispiel?

Morales: Wir sind sein sehr gut eingespieltes Team. Und unser Teamgeist ist überragend. Ich weiß, dass man das von jeder Mannschaft hört und liest, aber bei uns ist es echt extrem.

Elf Freunde im Bundesliga-Wunderland?

Morales: Wir verstehen uns einfach gut, sind auch privat viel zusammen. Bei uns gibt es keine Grüppchenbildung.

Was erwarten Sie in Bremen? Nach zwei Auswärtssiegen sind die Hoffnungen auf den dritten sicher sehr groß.

Morales: Wir werden natürlich alles dafür tun, auch aus Bremen etwas Zählbares mitzunehmen. Wir haben in dem Spiel aber nichts zu verlieren.

Klären Sie uns bitte auf, wie Sie als Sohn eines Peruaners und einer Deutschen Nationalspieler der USA werden konnten.

Morales: Mein Vater hat als junger Mann Peru verlassen, um im US-Militär zu dienen. Deshalb die Verbindung zu den USA. Dann hat er meine Mutter kennengelernt, ist mit ihr nach Berlin gegangen. Als ich 17 Jahre alt war, habe ich eine Einladung zur U20-Auswahl der USA erhalten. Damals habe ich gesagt: Okay, das mache ich. Und dabei ist es geblieben, obwohl der DFB auch mal angefragt hatte. Aber ich wollte nicht wechseln, wollte kein hin und her.

Werder-Neuzugang Aron Johannsson ist als Isländer zum US-Nationalstürmer geworden. Wie gut kennen Sie sich?

Morales: Sehr gut. Aron und ich sind bei der Nationalmannschaft Zimmerpartner, sind dann also Tag und Nacht zusammen und gehen uns gegenseitig auf den Geist (lacht). Nein, wir verstehen uns prima und sind auch sonst in Kontakt mit-einander. Es freut mich für ihn, dass er in die Bundesliga gekommen ist. Ich denke, für ihn ist es der richtige Schritt. Und Werder ist mit ihm eine gute Verpflichtung gelungen. Er ist ein sehr gefährlicher Stürmer, unberechenbar.

Heute ist es auch Ihre Aufgabe, ihn zu stoppen.

Morales: Ich habe ihm neulich bei der Nationalmannschaft schon gesagt, dass er bloß nicht in meine Nähe kommen soll, sonst gibt es Ärger. Aber das natürlich im Spaß. Auf dem Platz wollen wir beide gewinnen, danach ist wieder alles in Ordnung.

Sind Sie als Halb-Peruaner eigentlich automatisch Pizarro-Fan?

Morales: Ja, schon, aber kein Hardcore-Fan. Ich war noch ein Kind, als Pizarro das erste Mal zu Werder kam (1999, Morales war neun Jahre alt, d. Red.). Mein Vater hat damals mit anderen Südamerikanern in Berlin Fußball gespielt, Pizarro war für alle ein Star und immer einer meiner Lieblingsspieler. Ich bin ihm schon einmal mit Hertha BSC begegnet. Aber jetzt als Stammspieler eines Bundesligisten auf ihn zu treffen, ist schon eine coole Sache für mich. Ich freue mich, dass Pizarro wieder in Bremen ist – das ist seine ganz eigene Love-Story.

Johannsson oder Pizarro – mit wem werden Sie nach dem Spiel Ihr Trikot tauschen?

Morales: Gute Frage. Eigentlich habe ich mit Aron schon den Tausch verabredet. Aber vielleicht bekomme ich ja noch ein zweites Trikot dazu…

csa

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