Wenn B-Elf nicht gleich B-Elf ist / Junuzovic: „Nicht in die Hose machen“

Improvisation contra Rotation

„Genießen heißt: Leidenschaft zeigen.“ Und Zlatko Junuzovic will sein erstes Spiel gegen Bayern München zu einem Genusserlebnis machen. ·

Bremen - Mit einem Satz ist für Tim Wiese alles gesagt. „Guck dir doch mal unsere Situation an“ – das ist sein Beitrag zu einer Diskussion, die seiner Meinung nach nicht geführt werden müsste.

Sie dreht sich um dies: Wen schickt Bayern München am Samstag gegen Werder Bremen aufs Feld? Oder besser: Wen nicht? Schont Trainer Jupp Heynckes seine Top-Stars für das vier Tage später anstehende Halbfinal-Rückspiel in der Champions League bei Real Madrid? Und wenn ja, wie viele?

Werder-Keeper Tim Wiese schnaubt, wenn er die Fragen hört. „Ich gehe von einer Rotation aus“, grummelt er und lenkt dann den Blick auf das eigene Team. Da gibt es keine Rotation, da gibt es nur die blanke Not. Das Mittelfeld fällt fast komplett aus (Bargfrede, Marin, Ekici), die Viererkette ist um Sokratis, Florian Hartherz, Clemens Fritz und dessen Vertreter Sebastian Boenisch dezimiert. Sebastian Prödl ist zwar – wie auch Aaron Hunt und Marko Arnautovic – auf dem Weg zurück, die Zeit bis Samstag wird aber knapp. So viele Ausfälle – da schüttelt es Wiese: „Das habe ich in sieben Jahren bei Werder noch nicht erlebt. Keine Ahnung, woher das kommt.“

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Die Bremer müssen schwer improvisieren, die Bayern machen es vermutlich freiwillig. Denkbar ist, dass Mario Gomez, Franck Ribery, Arjen Robben, Luiz Gustavo und/oder Toni Kroos sowie Philipp Lahm allesamt auf die Bank oder die Tribüne wandern. Die zweite Reihe – bestehend aus Thomas Müller, Rafinha, Anatoli Timoschtschuk, Diego Contento und Takashi Usami – würde nachrücken. Ein Vorteil für Werder? Mitnichten, meint Mittelfeldspieler Zlatko Junuzovic: „Die Reservisten wollen sich dann beweisen und werden noch mehr geben als alle anderen.“

Das muss dann ja auch für die Bremer „Ergänzungsspieler“ gelten. Florian Trinks, Felix Kroos und Leon Balogun werden gewiss kein Motivationsproblem haben, wenn sie spielen sollten. Doch kommen sie allesamt aus Liga drei und sind keine A-Nationalspieler mit teils großer internationaler Erfahrung wie die meisten Bayern-Bankdrücker. Deshalb will Tim Wiese sich auch nicht an Spekulationen über das Pro und Contra der möglichen Bayern-Rotation auslassen. Seine Meinung: Der Vorteil bleibt bei den Bayern. Weil B-Elf nicht gleich B-Elf ist.

Dennoch übt sich Wiese als Motivator. Allerdings hört es sich eher pflichtschuldig und wenig überzeugt an, wenn er von der möglichen Überraschung („die kann es immer geben“) und von der immer noch vorhandenen Möglichkeit auf den Einzug in die Europa League spricht. „So lange rechnerisch alles möglich ist, werden wir alles geben – egal, wer bei uns auf dem Platz steht.“ Es sind Standardsätze ohne Strahlkraft.

Enthusiasmus pur dagegen bei Junuzovic. Vor seinem ersten Duell mit den Bayern („Für mich ein Highlight“) versprüht der kleine Österreicher Kampfeslust, wie sie sein sollte. Seine Forderungen an die Mannschaft und seine jungen Mittelfeldkollegen: „Wir dürfen uns nicht in die Hose machen. Wir müssen mutig drauflos spielen. Wir müssen so ein Spiel genießen – und genießen heißt: Leidenschaft zeigen.“ · csa

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