Immer wieder Pizarro

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Last-Minute-Held gegen neun Herthaner: Nur der Torjäger macht Werder zum Bayern-Jäger

Bremen - Als die letzte Ecke in den Berliner Strafraum segelte, war da nur noch Hoffnung. Die Bremer Fans unter den 40.760 Zuschauern im ausverkauften Weserstadion beteten zum Fußball-Gott: Hoffentlich geht der rein. Er ging rein. In der dritten Minute der Nachspielzeit eines wieder mal aufreibenden Spiels köpfte Claudio Pizarro nicht nur sein zweites Tor an diesem Tag, sondern Werder Bremen auch zum 2:1 (1:1)-Erfolg über Hertha BSC. Aus Bangen wurde Begeisterung, die Arena bebte.

Zuvor hatte Werder seine Anhängerschaft auf eine Geduldsprobe der ganz besonderen Art gestellt. Gegen einen Gegner, der sich durch Platzverweise für Christian Lell (57.) und Adrian Ramos (63./jeweils Gelb-Rot) geschwächt hatte, brachten die Bremer lange keine vernünftigen Aktionen zustande, geschweige denn Chancen.

Werder Bremen siegt in letzter Minute

Werder siegt gegen Hertha BSC

Eine halbe Stunde in doppelter Überzahl – und trotzdem stand da ein 1:1. „Wir haben es wirklich nicht clever gemacht“, monierte Geschäftsführer Klaus Allofs. Konkreter sagte es Trainer Thomas Schaaf: „Wir haben genau das gemacht, was der Gegner braucht: Zu viele Zweikämpfe geführt, zu langsam den Ball laufen lassen, zu viele Bälle verloren.“ So ging‘s nicht. Und wäre es trotz der personellen Übermacht beim Unentschieden geblieben, hätte es Kritik gehagelt. Das Wort vom „Bayern-Jäger“ hätte zudem wohl niemand mehr in den Mund genommen. Aber weil Last-Minute-Held Pizarro nach Eckball Marko Marin und Kopfballverlängerung Markus Rosenberg um Millimeter nicht im Abseits, sondern genau am rechten Fleck stand, bleibt Werder Zweiter und somit erster Verfolger von Tabellenführer Bayern München.

Der Dank an Pizarro kann dabei gar nicht groß genug sein. Denn auch das 1:1 nach der frühen Hertha-Führung durch den Kolumbianer Ramos (3.) ging auf sein Konto (23.). Mit dem Doppelpack verlängerte er eine Serie, die mit imposant nur unzureichend beschrieben ist. An den letzten sechs Bremer Toren war der 32-Jährige direkt beteiligt – viermal als Torschütze, zweimal als Vorbereiter. Was einmal mehr verdeutlicht: Pizarro ist Bremens Lebensversicherung. „Das kann man so sagen“, bestätigte Clemens Fritz. Pizarro ist auch der Bayern-Jäger schlechthin. Ohne seine Tore würde Werder nur im Mittelfeld herumdümpeln. „Er ist für uns einfach unbezahlbar“, meinte Sebastian Mielitz.

Die Einzelkritik

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Für die Gegner ist Pizarro dagegen der Schrecken schlechthin – allerdings fanden die tapfer verteidigenden Berliner gestern auch noch einen zweiten Verantwortlichen für ihre erste Auswärtsniederlage seit dem 5. Dezember 2010 (0:1 bei 1860 München): Schiedsrichter Dr. Felix Brych aus München. „Er hatte heute ganz klar eine Hauptrolle“, schimpfte der Ex-Bremer Peter Niemeyer. Allerdings zielte er nicht auf die Platzverweise ab. Die waren sowohl für Lell (rüdes Foul gegen Andreas Wolf am Bremer Strafraum) als auch für Ramos (wegen Ballwegschlagens nach eigenem Foulspiel) glasklar und an Dummheit kaum zu überbieten. Das sahen auch Niemeyer („Da haben wir uns nicht ganz glücklich angestellt“) als auch Trainer Markus Babbel so: „Das ging in Ordnung.“

Streitpunkte gab es dennoch reichlich. Zum Beispiel den Bremer Ausgleich. Pizarro fuhr gegen Levan Kobiashvili zwar den Arm aus, doch gedrückt habe er nicht, verteidigte sich der Peruaner: „Der Kobiashvili springt ja gar nicht mit hoch.“ Hertha motzte trotzdem. Auch über die Szene in Minute 65. Trotz zweifacher Unterzahl konterten die Berliner – oder genauer: Raffael konterte. Und zwar so gut, dass Lukas Schmitz an der Strafraumgrenze den Arm ausfahren musste, um ihn zu stoppen. Freistoß oder Elfmeter? Weder noch. Brych ließ weiterspielen. Und Babbel quittierte es mit Zynismus: „Dass wir nicht bevorteilt werden, sind wir ja schon gewohnt.“

Es ging aber auch anders herum. Denn als sich Pizarro in der 82. Minute gegen Roman Hubnik durchsetzte und per Kopf traf, entschied der Unparteiische auf Foul gegen den Bremer. Dabei hatten beide kräftig gedrückt und gezogen. Erst der Berliner, meinten die Bremer. Erst Pizarro, meinte Brych. Schaaf tobte deshalb an der Seitenlinie und wurde auf die Tribüne geschickt. Auch ein Grund, warum er später ganz süffisant bilanzierte: „Langweilig war‘s heute nicht.“ · csa

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