Marcelo Moreno hofft auf mehr Einsätze in Bremen, damit er nicht zurück nach Donezk muss

„Ich will ein Werder-Spieler werden“

Auch wenn’s sportlich für Marcelo Moreno bei Werder noch nicht rund läuft, fühlt sich der Bolivianer in Bremen sehr wohl.

Werder-Bremen - Von Björn Knips · Zwei Millionen Euro hat sich Werder Bremen die Ausleihe von Marcelo Moreno kosten lassen. Doch bislang enttäuschte der Stürmer von Schachtjor Donezk. Lediglich achtmal kam er in den drei Wettbewerben zum Einsatz, und das meist nur als „Joker“.

Seine einzigen beiden Treffer erzielte der 22-Jährige im DFB-Pokal gegen Zweitligist Union Berlin. So ist es mehr als ungewiss, ob Werder im Sommer weitere acht Millionen Euro in die Ukraine überweist, um den Bolivianer zu verpflichten. Doch Moreno macht sich noch keinen Kopf, ist beim Interview-Termin bestens gelaunt. Dem freundlichen „Guten Tag“ lässt er eine überraschende Frage folgen: „Sollen wir Deutsch reden?“ Da stutzt selbst Dolmetscher Roland Martinez, dessen Dienste dann allerdings doch noch gefragt sind.

?Herr Moreno, wo Sie schon beinahe das ganze Interview auf Deutsch führen wollten: Wie läuft’s denn mit unserer Sprache?

!(ohne Übersetzung) Ich spreche Deutsch – ein bisschen. (lacht, und setzt auf Spanisch fort) Ich lerne langsam, aber sicher. Ich habe zweimal die Woche Unterricht. Wenn wir allerdings viele Spiele haben, dann klappt es oft nur einmal. Aber ich verstehe schon alles, was ich gelernt habe. Und ich schnappe ja auch viel auf.

?Sind Sie glücklich in Bremen?

!Ja, Bremen gefällt mir sehr gut, ich fühle mich wohl hier. Ich spüre die Zuneigung der Menschen, alle behandeln mich sehr gut. Das gibt mir Kraft und Motivation.

?Aber sportlich lief’s nicht so gut, Sie haben lediglich im DFB-Pokal zweimal in der Startelf gestanden – warum?

!Das kann ich nicht beantworten. Die Entscheidungen trifft Trainer Thomas Schaaf, und das muss ich akzeptieren. Mesut Özil, Aaron Hunt, Marko Marin, Claudio Pizarro und Hugo Almeida sind alle sehr gut drauf. Ich warte auf meine Chance, um zu zeigen, warum ich verpflichtet worden bin. Mehr kann ich nicht machen. Ich hatte ja zuletzt meine Chance im Pokal gegen Kaiserslautern, leider habe ich mich da verletzt.

?Wie geht’s Ihnen nach dem Jochbeinbruch?

!Schon viel besser. Gott sei Dank musste ich nicht operiert werden. Die Verletzung behindert mich kaum noch. Und der Arzt hat mir erlaubt, ab heute wieder mit der Mannschaft zu trainieren. Jetzt beginnt für mich der Kampf von vorne, ich will unbedingt in die Mannschaft.

?Ist Ihre aktuelle Situation mit der Vorsaison in Donezk vergleichbar, wo Sie auch nur selten zum Einsatz kamen?

!Solche Vergleiche gefallen mir nicht. Donezk war meine erste Station in Europa, da hatte ich Schwierigkeiten mit der Kälte und der Ernährung. In der Ukraine ist es wirklich nicht leicht, wenn man das erste Mal richtig aus Südamerkia weg ist. In Bremen habe ich mich dagegen viel schneller eingewöhnt. Mit dem Essen gibt es keine Probleme, ich finde fast alles, was es auch bei uns in Bolivien gibt. Deshalb bin ich überzeugt, dass es besser laufen wird als in Donezk. Aber ich muss Geduld haben und darf mich nicht zu sehr unter Druck setzen.

?Gibt es trotzdem Schwierigkeiten in Bremen?

!Bis jetzt nicht – obwohl: Nun kommt der Winter. In der Ukraine haben wir bei minus 20 Grad trainiert. So kalt wird’s hier doch nicht, oder?

?Eigentlich nicht. Die Winter in Norddeutschland sind eher milder. Aber minus fünf oder zehn Grad kann’s schon mal werden.

!(schluckt) Na gut, das bin ich ja jetzt aus der Ukraine gewohnt. Das werde ich schon wegstecken.

?Sie brauchen offenbar Wärme, um gute Leistungen zu zeigen. Oder warum haben Sie mit Bolivien wesentlich besser gespielt als bei Werder?

!Nein, das hat einen anderen Grund. In der Nationalmannschaft bin ich Stammspieler, dadurch bekomme ich meinen Rhythmus und kann gute Leistungen zeigen. Wie gesagt: Ich respektiere die Entscheidungen von Thomas Schaaf. Wenn ich auch bei Werder in den Rhytmus komme, über mehrere Einsatzzeiten in aufeinanderfolgenden Spielen, dann wird es auch hier besser.

?Machen Sie sich selbst keine Vorwürfe, im Training und bei ihren Einsätzen vielleicht zu wenig gezeigt zu haben?

!Nein, ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ich kann nur weiter hart trainieren und auf längere Einsatzzeiten warten. Und bitte keine Verletzungen mehr, denn ich will ein Werder-Spieler werden und kein Donezk-Spieler mehr sein.

?Werder-Boss Klaus Allofs hat zuletzt – bei aller Geduld mit Ihnen – angedeutet, dass bald mehr kommen muss, damit Bremen Sie im Sommer verpflichtet. Haben Sie Angst, dass Sie wieder zurück nach Donezk müssen?

!Nein, denn das wird nicht passieren. Also denke ich auch gar nicht daran. Außerdem bin ich Profi, und deshalb muss ich jeden Tag mein Bestes geben. In meiner Situation hilft nur Leistung.

?Tore wären auch nicht schlecht, möglichst in wichtigen Spielen. Denn wer Werder zu einem Titel schießt, wird bestimmt nicht weggeschickt.

!Das hoffe ich auch. (lacht) Am besten treffe ich im Europa-League-Finale gegen Donezk, dann könnte ich sicher nicht dorthin zurück und dürfte in Bremen bleiben.

?Dürfen wir Ihnen noch ein kleines Versprechen abringen?

!Kommt darauf an, um welches es sich handelt.

?Wo Sie doch schon ganz gut Deutsch sprechen: Sollte Werder einen Titel holen und auf dem Rathausbalkon feiern, dann schnappen Sie sich das Mikro und sagen auf Deutsch etwas zu den Fans.

!Na klar, so etwas kurzes wie „Ich mag Bremen“ kann ich ja jetzt schon. Und bis dahin habe ich ja noch etwas Zeit, noch mehr zu lernen.

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