Frings prüft Angebote, auch aus der Bundesliga – und nächstes Jahr arbeitet er wieder für Werder

Torsten Frings: „Ich will noch eine Saison spielen“

Tränenreicher Abschied: Torsten Frings und Physiotherapeut Holger Berger. ·

Bremen - von Arne Flügge. Der Kapitän muss von Bord. Torsten Frings erhält bei Werder Bremen keinen neuen Vertrag. Im Interview blickt der 34-Jährige auf seine Zeit an der Weser zurück, spricht über seine Pläne und erzählt, warum er nicht mehr sauer auf Bundestrainer Joachim Löw ist.

Herr Frings, wann wurde Ihnen mitgeteilt, dass Sie bei Werder keinen neuen Vertrag erhalten?

Frings:Zwei Tage nach dem Dortmund-Spiel. Klaus Allofs hat mir gesagt, dass sie gerne mit mir weitermachen würden, dass dafür aber keine finanziellen Mittel vorhanden sind. Außerdem wollen sie einen Neuanfang starten. Der muss auch dringend gemacht werden, die letzte Saison war ein Warnschuss.

Hätten Sie lieber schon vor der Partie gegen Dortmund gewusst, woran Sie sind?

Frings:Ja, ich hätte gerne vorher Klarheit gehabt. Denn trotz aller Probleme, die wir hatten, muss ein Spieler wissen, woran er ist. Es wäre zudem schön gewesen, mich von meinen Fans im eigenen Stadion zu verabschieden.

Elf Jahre bei Werder Bremen – und dann ist plötzlich Schluss. Wie schwer ist es, so eine Entscheidung zu verarbeiten?

Frings:Ich habe viele Briefe von Fans bekommen, die traurig sind. Aber ganz ehrlich: Es geht mir gut. Ich habe mich in Bremen sehr wohlgefühlt und hier auch einen guten Job gemacht. Ich weiß, dass ich kein einfacher Typ war und auch oft angeeckt bin. Aber ich wollte immer Erfolg haben und jedes Spiel gewinnen.

Sind Sie kein bisschen traurig?

Frings:Im Moment bin ich wirklich entspannt. Ich muss das Ganze jetzt erstmal sacken lassen. Und wenn ich dann an meine Zeit hier zurückdenke, wird sicherlich auch Wehmut aufkommen. Werder, die Stadt, die Leute – das wird mir schon fehlen. Werder gehört mein Herz. Ich hätte gern noch ein Jahr in Bremen gespielt, das wäre auch gut für die Mannschaft gewesen. Aber es ist nunmal so entschieden worden.

Mit welchen Gefühlen sind Sie dann in das letzte Spiel in Kaiserslautern gegangen?

Frings:Ich hatte keinen Klos im Hals. Aber es war für mich schon sehr emotional. Ich wollte mich von den Fans mit einer guten Leistung verabschieden –  und das ist mir auch gelungen.

Welche Bedeutung hatte die tränenreiche Umarmung nach dem Abpfiff mit Physiotherapeut Holger Berger?

Frings:Da sind dann doch mal die Emotionen bei mir herausgebrochen. Er wusste ja Bescheid, und wir haben seit Jahren ein super Verhältnis.

Trainer Thomas Schaaf hat bei Ihnen in den vergangenen Monaten eine innere Unruhe festgestellt: Erst der Rücktritt, dann der Rücktritt vom Rücktritt.

Frings:Ich hatte lange Zeit den Spaß verloren, dann habe ich ihn wiedergefunden. Natürlich war ich hin- und hergerissen, wie es weitergehen soll. Und wenn man dann nicht weiß, ob und wie der Verein mit einem noch plant, dann ist das hart. Aber ich habe mich zusammengerissen, das Persönliche hintangestellt und war ganz auf den Abstiegskampf fokussiert. Ich denke, das hat man auch gesehen.

Klaus Allofs hat erzählt, das Gespräch mit Ihnen habe nicht sehr lange gedauert.

Frings:Da gab’s ja auch nicht mehr viel zu diskutieren. Das war kurz und knapp. Ich war irgendwie ja auch ein stückweit darauf eingestellt. Aber ich bin jetzt keineswegs sauer oder angefressen. Ich muss die Entscheidung respektieren. Ich hatte eine tolle Zeit und habe hier auch eine Menge Geld verdient. Da muss man auch mal dankbar sein.

Hat Sie das sehr kurze Gespräch ein wenig an das Treffen mit Bundestrainer Löw erinnert, der Ihnen im Parkhotel innerhalb von fünf Minuten erklärt hatte, dass Sie nicht mehr zur Nationalmannschaft gehören?

Frings:Nein, das war eine ganz andere Geschichte, und ich möchte da auch keine Vergleiche ziehen. Von Löws Verhalten damals war ich geschockt, diesmal musste man ja damit rechnen, ich war vorbereiteter.

Sind Sie immer noch sauer auf Joachim Löw?

Frings:Es hat mich damals sehr getroffen, weil die Art und Weise, wie er mich aus der Nationalmannschaft ausgebootet hat, schäbig war. Doch Schwamm drüber, die Sache ist vergessen. Ich hege auch keinen Groll mehr gegen Jogi. Ich habe ja auch sehr viel Unterstützung von ihm bekommen.

Wie geht’s für Sie nun weiter?

Frings:Ich weiß es noch nicht. Ich muss jetzt erstmal zur Ruhe kommen und mir Gedanken machen. Ich will nichts überstürzen. Fest steht, dass ich noch Lust auf Fußball habe. Ich möchte noch ein Jahr spielen und dann das Angebot bei Werder annehmen, meine Trainerausbildung zu machen. Das ist der Plan.

Gibt’s schon Angebote von Clubs?

Frings:Natürlich fragen die Vereine jetzt an, aber ich werde mir bei der Entscheidung Zeit lassen. Mein Wunsch ist es, noch einmal im Ausland zu spielen. Das favorisiere ich. Ich werde sehen, was kommt.

Haben Sie auch Anfragen aus der Bundesliga?

Frings:Ja, aber ich frage mich, ob ich überhaupt noch einmal innnerhalb der Bundesliga wechseln möchte.

Und wenn’s mit einem neuen Club nicht klappen sollte?

Frings:Dann freuen sich meine Kinder, weil ich jetzt schon mehr Zeit für sie habe. Im Ernst: Dann werde ich meine Trainerausbildung beginnen. Ich freue mich jetzt auf eine neue Zukunft. Ein Teil meines Lebens ist vorbei, jetzt beginnt ein neuer Abschnitt. Ich bin gespannt darauf. Und ich werde wieder genauso die Ärmel hochkrempeln, wie ich es auch als Spieler getan habe.

Was nehmen Sie mit in den möglichen „Ruhestand“?

Frings:Ich hatte eine tolle Karriere, in der ich unheimlich viel erreicht habe. Über 400 Bundesligaspiele, Meisterschaft, Pokalsiege, 79 Länderspiele – das nimmt nicht jeder mit. Ich hätte gern noch ein WM- oder EM-Finale gewonnen. Wenn man schon im Endspiel ist, will man auch den Pott, ganz klar. Ich denke aber, dass ich sehr stolz auf mich sein kann.

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