Andreas Wolf sieht sich als Führungsspieler, bewundert Naldo, hat keine Angst vor Gelben Karten – und trägt einen ganz speziellen Glücksbringer

„Ich will hier vorangehen wie in Nürnberg“

In Augsburg trug Werders Andreas Wolf einen weißen Tapeverband am linken Handgelenk – seither nie wieder. ·

Bremen - Von Malte RehnertDie neue Heimat gefällt Andreas Wolf und seiner Familie richtig gut. „Wir waren schon auf dem Weihnachtsmarkt – sehr schön. Und auch die Bremer Innenstadt mag ich. Sie ist übersichtlich, da kann man sich nicht verirren“, sagt der 29-Jährige, der im Sommer vom 1. FC Nürnberg gekommen war.

 Bei Werder hat sich der Innenverteidiger gleich einen Stammplatz erkämpft. Doch das reicht ihm nicht: Wolf will „immer spielen“ und noch mehr in eine Führungsrolle hineinwachsen, wie er im Interview betont.

Herr Wolf, Sportchef Klaus Allofs hat Werder gerade als zu brav bezeichnet und mehr Cleverness im Zweikampf angemahnt. Wie sehen Sie das als Kämpfertyp?

Andreas Wolf:Ich wünsche mir auch, dass wir in der einen oder anderen Situation mal ein taktisches Foul mehr begehen. Aber die Mannschaft macht noch einen Lernprozess durch. Wir sind im Moment in der Phase, in der die Mannschaft mehr und mehr zusammenwächst. Man sieht, dass wir eine sehr hohe Qualität haben, wenn alles funktioniert. Und dass wir jeden Gegner schlagen können, wenn sich alle einbringen. Wenn sich ein paar rausnehmen, wird’s allerdings schwer.

Sie stehen mit vier Gelben Karten kurz vor einer Sperre. Wie groß ist die Sorge, dann Ihren Platz wieder zu verlieren?

Andreas Wolf:Meine Sorgen sind nie sehr groß, weil ich immer versuche, positiv zu denken. Wenn man die Gefahr im Hinterkopf hat, geht man vielleicht nicht so in die Zweikämpfe. Ich bin ein Typ, der auf dem Platz sehr aggressiv ist – das macht mein Spiel aus. Wenn ich dann eine Karte bekomme, setze ich eben ein Spiel aus.

Oder doch länger, falls ein anderer diese Chance nutzt. Nach einem groben Patzer in Augsburg waren sie schon mal raus – und kamen erst wieder rein, als Naldo in Gladbach fehlte.

Andreas Wolf:Ich denke, bis Augsburg hatte ich meine Sache ordentlich gemacht. Dass ich dann draußen saß, hat mir zu denken gegeben. Ich konnte alles hinterfragen und bin nach dieser Pause gestärkt zurückgekommen, habe meine klare Linie wiedergefunden. Vor allem das Spiel gegen Stuttgart war ordentlich, da habe ich meine Chance genutzt. Jetzt will ich natürlich meinen Platz behalten.

Aber Sebastian Prödl hat ‘was dagegen. Der Zweikampf um den Posten neben Naldo scheint sehr eng zu sein, oder?

Andreas Wolf:Ich spreche lieber von dem gesunden Konkurrenzkampf, der für alle wichtig ist. Auch für mich, da ich ihn in Nürnberg nicht immer so hatte. Deshalb bin ich froh, dass es jetzt so ist.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Konkurrent Prödl?

Andreas Wolf:Gut – aber nicht nur zu ,Basti‘, das gilt auch für alle anderen Spieler. Ich bin eben ein umgänglicher Typ (lacht).

Und schon Stammspieler. Wie wichtig sind Sie nach knapp einem halben Jahr für Werder?

Andreas Wolf:Ich habe zwölf Spiele von Anfang an gemacht, insgesamt 13 von 15 in der Bundesliga. Da kann man auf den ersten Blick durchaus zufrieden sein. Aber das reicht mir noch nicht. Ich will das Optimum, ich will alle Spiele machen.

Wie schwierig war der Neustart in Bremen?

Andreas Wolf:Ich muss mich erst mal zurechtfinden und denke, dass bei mir deshalb noch diese Schwankungen da sind. Ich will das, was von mir verlangt wird, umsetzen. Teilweise gelingt es mir sehr gut, teilweise auch mal nicht. Daran arbeite ich. Ich versuche zu dirigieren, die Mannschaft zu ordnen – und ich bin sicher, dass ich es schaffen werde. Ich will hier genauso vorangehen wie in Nürnberg.

In der Vorbereitung Sokratis, dann Per Mertesacker, Sebastian Prödl, nun Naldo. Wie anstrengend ist es, sich ständig auf neue Nebenleute einzustellen?

Andreas Wolf:Es ist sicher nicht einfach. Anfangs, als Naldo noch verletzt fehlte, war ich links. Und dann, als er zurückkam, musste ich nach rechts, wo ich früher schon gespielt habe. Die linke ist Naldos Seite – und ich bin jetzt eben gerne wieder rechts. Das ist meine Seite. Das Zusammenspiel wird immer besser. Und ich kann versprechen, dass es noch besser wird.

Was sagen Sie zu Naldos Comeback?

Andreas Wolf:Ich bewundere ihn. Nach so einer langen Verletzung so schnell wieder solche Leistungen abzurufen – davor habe ich Riesenrespekt. Er hilft der Mannschaft ungemein, ist sehr, sehr wichtig.

Wer ist lauter, wer redet mehr: Naldo oder Sie?

Andreas Wolf:Das kann man nicht sagen. Naldo dirigiert genauso wie ich, weil es von uns erwartet wird, weil wir die letzte Reihe sind und das Spiel vor uns haben. Wir müssen dafür sorgen, dass die Jungs vor uns ihre Ordnung beibehalten. Wenn wir das schaffen, haben wir einen großen Teil unserer Arbeit erledigt.

Was ist der größte Unterschied zwischen Nürnberg und Werder?

Andreas Wolf:Hier wird ganz anderer Fußball gespielt, es ist eine ganz andere Mentalität in der Mannschaft.

Wie meinen Sie das?

Andreas Wolf:In Nürnberg hattest du nur eine Chance, wenn du sehr kompakt standest, kampf- und laufstark warst. Wir waren immer eine sehr stark zusammengewachsene Mannschaft. Jeder musste immer über seine Grenzen gehen, sonst hättest du in der Liga kaum eine Chance gehabt. Hier haben wir Spieler mit sehr hoher Qualität, die auch mal ein Spiel entscheiden können. Wenn wir es noch mehr schaffen, alles herauszuholen, sich jeder für den anderen aufopfert, dann haben wir eine sehr, sehr starke Mannschaft. Mit noch mehr Konstanz werden wir eine sehr erfolgreiche Saison spielen.

Wie erfolgreich? Wo gehört Werder den nun hin?

Andreas Wolf:Dahin, wo wir jetzt stehen (Platz fünf, Anm. d. Red.). Man muss nicht drumherum reden, wir wollen ins internationale Geschäft. Aber wenn wir so spielen wir in Gladbach oder München, reicht es nicht.

Bei Spielen tragen Sie am linken Handgelenk stets einen grünen oder weißen Tapeverband. Warum?

Andreas Wolf:Meine kleine Tochter Mila hat mir ein lila Armband geschenkt, eine Art Glücksbringer. Das muss ich abdecken, damit sich da keiner drin verfängt. Nicht, dass ich nach Hause komme und das Band ist weg – dann kriege ich Ärger von meiner Tochter.

Und die Farbwahl ist zufällig?

Andreas Wolf:Oh, nein. Es war nur ein Mal weiß – in Augsburg, da ist mir dann dieser Fehler unterlaufen. Seitdem trage ich nur noch grün – und es läuft wieder ganz gut . . .

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