Arnautovic: „Ich will hier glücklich werden“

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Marko Arnautovic hat bislang einen guten Eindruck hinterlassen, will sich aber noch steigern und zum Saisonstart bei 100 Prozent sein.

Donaueschingen - Sein Einstand ins zweite Trainingslager in Donaueschingen war extrem unglücklich. Am Dienstagmorgen kollidierte Marko Arnautovic auf dem Fahrrad mit einem Golfkart und trug leichte Blessuren davon.

Gestern ging’s dem neuen Bremer Stürmer allerdings schon wieder viel besser. Auf der Terrasse des noblen „Öschberghofs“ gab der 21-jährige Österreicher sein erstes Werder-Interview – offen und direkt, wie es nach eigener Aussage seine Art ist. Dabei sprach er über seine Ziele, die Bundesliga, José Mourinho und den Bentley von Samuel Eto’o.

Wie geht’s Ihnen nach dem schweren Fahrradunfall?

!(Arnautovic zeigt seinen linken Arm mit der dicken Schürfwunde) Es ist alles getrocknet, zieht aber etwas. Es ist noch ein bisschen schmerzhaft.

Wie genau ist der Zusammenstoß mit dem Golfkart, das aus einem Feldweg kam, passiert?

!Ich habe auf den Boden geschaut, weil ich dachte, es ist was mit der Kette. Dann hat der Herr im Golfwagen geschrien, ich habe aufgeschaut – und bin ihm reingefahren. Zuerst habe ich nur Dreck gesehen, dann die Wunde.

Das ist Marko Arnautovic

Das ist Marko Arnautovic

Sind Sie kein geübter Radfahrer?

!Doch. Ich habe drei Jahre in Holland gelebt, da fährt man nur Fahrrad.

?Sie waren zuletzt von Twente Enschede an Inter Mailand ausgeliehen. Dort wurde Ihnen nachgesagt, ein schwieriger Charakter zu sein. Zurecht?

!Die Leute reden nur immer davon, sehen aber leider selten meinen guten Charakter. Nur wer mich gut kennt, kann über mich urteilen. Ich bin ein offener, direkter Typ – auch gegenüber den Mitspielern. Da will ich jetzt Freundschaften bilden. Mein schwieriger Charakter kommt nur raus, wenn mir jemand ‘was Schlechtes will. Da kann es sein, dass ich auch mal unhöflich bin. In Mailand haben einige behauptet, dass ich schwierig bin, weil ich mit Mourinho (Ex-Inter-Trainer José Mourinho, Anm. d. Red.) Probleme hatte. Aber ich hatte gar keine Probleme mit ihm.

Wirklich nicht?

!Gut, ich habe ein paar Sachen gemacht, die ich als Profi nicht hätte tun sollen.

Was denn?

!Man kann ein Mal pro Woche fortgehen, aber ich war eine zeitlang fünf, sechs Mal unterwegs. Nicht immer in Discos, aber eben raus. Ich war zwei Monate am Fuß verletzt, die Mannschaft weg in Los Angeles, ich alleine in Mailand – ich musste einfach ein wenig den Kopf freibekommen. So etwas wird mir jetzt aber nicht mehr passieren. Ich brauche dieses Nachtleben nicht mehr, davon habe ich genug gesehen. Ich bin froh, wenn ich mal mit der Familie zu Hause bin.

Eine Wohnung haben Sie in Bremen aber noch nicht gefunden – und von der Stadt vermutlich auch nicht viel gesehen?

!Nein. Ich muss mich noch einleben, klar. Aber erst mal konzentriere ich mich nur aufs Fußballspielen.

Bei Inter durften Sie das kaum. Fühlen Sie sich als „richtiger“ Triple-Gewinner?

!Es ist immer besser, wenn man zu Siegen etwas beigetragen hat. Aber ich war Teil der Mannschaft, bei allen drei Titeln dabei, stand auch beim Champions-League-Finale im Kader. Und wenn das so ist, fühlt man sich auch als Sieger. Ich habe eine Medaille bekommen, den Pokal in der Hand gehabt und mit der Mannschaft gefeiert.

Trotzdem sind Sie gegangen. Weshalb?

!Ich wollte weg, weil ich mehr spielen will. Das habe ich José Mourinho gesagt.

Und warum zog es Sie nach Bremen?

!Es gab das Interesse, ich habe Mourinho davon erzählt. Und er antwortete: ,Werder? Das ist ein guter Verein.‘ Hätte ich gesagt, dass ich zu Chelsea will, hätte er mich für verrückt erklärt.

Wie unterscheidet sich Ihr Stellenwert in Bremen von dem in Inters Starensemble?

!Bei Inter ist jeder Spieler ein Star, mindestens in seinem eigenen Land. Ich bin aber nicht hierher gekommen, um ein Star zu sein. Solche Bezeichnungen kommen ohnehin nur von der Außenwelt. Ich will bei Werder einfach meine Leistung bringen.

Reicht die schon, um gleich von Anfang an in der Bundesliga durchzustarten? 

!Ich muss jetzt in der Vorbereitung meinen Rhythmus finden, dazu sind die vielen Freundschaftsspiele gut. Beim Saisonstart in Hoffenheim bin ich, denke ich, voll dabei, bei 100 Prozent.

?Wie gut kennen Sie die Bundesliga schon?

!Ich weiß, dass es nicht leicht wird, sich durchzusetzen. Edson Braafheid (FC Bayern) und Eljero Elia (Hamburger SV, Anm. d. Red.) haben mir das erzählt. Ich denke aber, die Bundesliga ist eine sehr gute Liga für mich. Ich will hier in Bremen glücklich werden, alles geben und alles erreichen.

Sogar den Meistertitel, von dem Ihr Sturmkollege Claudio Pizarro bereits gesprochen hat?

!Man soll niemals nie sagen. Es hätte auch niemand geglaubt, dass wir mit Inter die Champions League gewinnen. Es kann also sein, dass wir mit Werder Meister werden.

Mit welchen besonderen Stärken wollen Sie dazu beitragen?

!Ich rede nicht gerne über meine Fähigkeiten, sage nicht: ‚Da bin ich gut, da bin ich gut – und da bin ich schlecht‘. Das sollen andere beurteilen, zum Beispiel der Trainer.

Nennen Sie bitte wenigstens kurz ein paar hervorstechende Eigenschaften.

!Technik, Schnelligkeit, Toreschießen.

Ihr harter Schuss ist auch sehr auffällig.

!Andere schießen auch so hart, etwa Hugo Almeida . Außerdem muss ich noch an der Präzision arbeiten.

Abschließend zur Geschichte mit dem Bentley Ihres ehemaligen Inter-Kollegen Samuel Eto’o. Sie haben ihn vor ein paar Monaten ausgeliehen, wollten ihn vielleicht kaufen. Dann wurde er geklaut. Jetzt ist er in Ungarn sichergestellt worden. Erleichtert?

Natürlich. Eto’o hatte statt 29 nur noch 28 Autos, jetzt hat er zum Glück wieder 29. Aber im Ernst: Schöner wäre es gewesen, wenn der Wagen nach zwei, drei Wochen wieder aufgetaucht wäre. Ich habe noch Kontakt zu Eto’o – und wir sind beide froh, dass das Auto wieder da ist. Die Sache hatte mich schon sehr belastet.

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