Aaron Hunt glaubt an bessere Zeiten bei Werder – und träumt sogar von der Nationalmannschaft

„Ich will einfach mehr spielen“

Volldampf voraus: Nach zwei verkorksten Jahren will Aaron Hunt nun bei Werder durchstarten und sich einen Stammplatz sichern.

Bremen - Von Björn Knips. Es ist fast genau fünf Jahre her, da feierte Aaron Hunt sein Bundesliga-Debüt. Als gerade 18-Jähriger. Damit löste er Thomas Schaaf als jüngsten Bundesligaspieler von Werder Bremen ab. Hunts Zukunft schien rosarot.

Er galt als das Mega-Talent. Doch Verletzungen warfen ihn – gerade in den vergangenen beiden Jahren – immer wieder zurück. Und nun muss der Offensivspezialist mitansehen, wie ihm Mesut Özil und Marko Marin bei Werder die Show stehlen. Wie er damit umgeht, was er sich vorgenommen hat und warum auch die Nationalmannschaft noch ein Thema ist, das verrät Hunt im Interview.

Herr Hunt, gratulieren dürfen wir ja noch nicht. Verraten Sie uns wenigstens, was Sie sich zu Ihrem morgigen 23. Geburtstag wünschen?

An erster Stelle natürlich Gesundheit, dass es meiner Familie und mir gut geht. Ein bisschen Glück kann auch nicht schaden – gerade als Sportler.

Und wie wär’s mit einem Stammplatz bei Werder?

(lacht) Das wäre natürlich super. Das wünsche ich mir ja schon seit zwei, drei Jahren.

Warum hat es bislang nicht geklappt?

Die vergangenen Jahre waren nicht einfach für mich. Ich hatte viele Verletzungen – und privat war auch nicht immer alles toll. Doch das ist jetzt Vergangenheit. Ich fühle mich prima, mir geht’s gut.

Sind Sie mit 23 Jahren noch ein Talent?

Ja und nein. Als Fußballer bin ich mit 23 Jahren doch noch jung. Aber ich bin auch schon lange bei den Profis dabei, habe viel erlebt. Ich habe jedenfalls kein Problem damit, wenn ich als Talent bezeichnet werde.

Unklar ist auch, welche Position Sie eigentlich spielen: Sind Sie jetzt ein Mittelfeldspieler oder ein Stürmer?

Das weiß ich manchmal selbst nicht so genau In den letzten Spielen wurde ich als Stürmer aufgeboten, nachdem ich die zwei Jahre davor fast nur im Mittelfeld gespielt hatte. Ich muss das Beste daraus machen.

Wo würden Sie sich denn selbst aufstellen?

Im Mittelfeld, obwohl mir die Rolle als hängende Spitze eben auch gefällt.

Bereitet Ihnen der häufige Rollenwechsel keine Probleme?

Manchmal schon. Dann dauert es etwas, bis man sich auf die neue Rolle eingestellt hat. Aber ich sehe meine Vielseitigkeit auch als Vorteil an.

Trotzdem scheinen Ihnen Mesut Özil und Marko Marin den Rang abgelaufen zu haben. Wurmt es Sie, dass zwei erst 20-Jährige mit weniger Bundesliga-Erfahrung als Sie zurzeit wesentlich mehr auf dem Platz und im Rampenlicht stehen?

So ein Typ bin ich nicht. Ich gönne es Mesut und Marko wirklich von ganzem Herzen, ich komme mit ihnen ja auch sehr gut klar. Fakt ist doch: Mesut hat eine hervorragende Saison gespielt, und Marko ist gerade neu geholt worden. Außerdem haben beide schon in der Nationalmannschaft gespielt. Das war bei mir noch nicht der Fall, obwohl ich einige Male ganz dicht dran war, dann aber durch Verletzungen gestoppt wurde.

Glauben Sie noch an eine Chance in der Nationalmannschaft?

Warum nicht? Ich bin doch erst 23 Jahre alt. Aber es liegt an mir, ob ich wieder dort anknüpfen kann, wo ich vor den vielen Verletzungen aufgehört habe.

Also ist selbst eine Teilnahme an der WM 2010 nicht ausgeschlossen?

Das halte ich für unrealistisch, so schnell geht das auch wieder nicht.

Was ist dann Ihr Ziel für diese Saison?

Ich will so oft wie möglich spielen.

Und wenn nicht, verlassen Sie Werder dann?

Natürlich macht man sich seine Gedanken. Aber ich habe hier jetzt noch ein Jahr Vertrag und werde mich voll reinhängen. Ich fühle mich sehr wohl und habe ein gutes Verhältnis zum Trainer.

Werder-Boss Klaus Allofs hat vor einigen Wochen angedeutet, dass er Ihren Vertrag gerne verlängern würde. Gab’s schon Gespräche?

Mit mir hat noch niemand vom Verein gesprochen. Das ist auch nicht schlimm. Aber natürlich wäre ich gesprächsbereit. Nur: Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich zufrieden bin. Ich will einfach mehr spielen, das will doch jeder Fußballer.

So schlecht ist Ihre Saisonbilanz doch gar nicht: Sie waren bei allen sieben Pflichtspielen dabei, standen viermal in der Startformation und haben sogar dreimal durchgespielt.

Ich habe ja auch davon profitiert, dass einige Stürmer verletzt sind.

Wie sind Sie denn mit Ihren Leistungen zufrieden?

Das war schon in Ordnung. Was bei mir allerdings fehlt, ist ein Erfolgserlebnis. Ich muss die Dinger auch mal reinmachen. So ein Tor würde mir sicher Aufwind geben.

Ihr Selbstvertrauen scheint nicht gerade riesig zu sein. Auf dem Platz ist nur selten der unbekümmerte und lockere Aaron Hunt von früher zu sehen.

Das Selbstvertrauen spielt nun einmal eine große Rolle. Wenn man zwei Jahre lang etwas hinten dran war, macht man sich schon Gedanken. Aber das bekomme ich immer besser hin.

Wer hat Ihnen dabei am meisten geholfen?

Mein Berater Karlheinz Förster. Er hat als Ex-Profi viel Erfahrung und hat mich immer wieder aufgebaut.

Und wie haben Sie Ihre gesundheitlichen Probleme in den Griff bekommen?

Ich habe mit unserem Fitness-Coach Benjamin Kugel vor dem Trainingsauftakt eine Extra-Vorbereitung gemacht. Auch jetzt komme ich zwei- bis dreimal die Woche früher zum Training und absolviere ein Stabilitätsprogramm. Ich fühle mich richtig fit und frisch.

Das sind doch gute Voraussetzungen für eine große Geburtstagsfeier.

Nein, nein – ich habe nichts Großes geplant. Ich gehe mit Freunden und der Familie essen – außerdem ist ja auch mein zweieinhalbjähriger Sohn dabei.

Also kein Diskobesuch – so wie früher, als es hin und wieder auch mal Ärger gab?

Die Zeiten sind vorbei. Ich bin ruhiger geworden, gehe nur noch selten weg. Ich muss nicht mehr jeden Abend etwas erleben.

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