Francois Affolter würde für eine Zukunft bei Werder sogar die Olympischen Spiele sausen lassen

„Ich will bleiben, ist doch klar“

Ein ruhiger Typ sei er, sagt Francois Affolter über sich. Aber auch ein ehrgeiziger. Immer das Maximum erreichen zu wollen, „ist die Kraft, die in mir steckt“. ·

Bremen - Schlichte braune Lederjacke, dazu Jeans und halbhohe Sneaker, kein Gel in den kurzen Haaren, in der Kapuze des Sweatshirts fehlt die Kordel – das Einzige, was Francois Affolter als Fußball-Profi erkennbar macht, ist der Aufkleber des Hauptsponsors.

Eilig wird der 20-Jährige damit geschmückt. Denn jetzt ist Interview- und Fototermin, da ist der Schriftzug auf der Kleidung Pflicht. Der Schweizer spricht anschließend mit französischem Akzent über seine ersten zwei Wochen bei Werder Bremen und welche Hoffnungen er in seine Zeit an der Weser setzt. Erst vor zwei Wochen kam er von Young Boys Bern aus der Schweiz, ist bis Jahresende ausgeliehen.

Haben Sie sich schon eingelebt?

Francois Affolter:Es klappt alles ganz gut, die Mannschaft macht es mir leicht, mich zu integrieren. Im Training habe ich viel Spaß.

Die Umstellung von der Schweizer Super League zur Bundesliga klappt auch?

Affolter:Ein bisschen schwierig ist es schon. Das Niveau ist insgesamt höher als in der Schweiz. Dort gibt es zwar auch gute Individualisten, von denen ist aber einer besonders schnell und der andere besonders kopfballstark. Aber hier sind alle besonders schnell und besonders kopfballstark.

Nur zwei Tage nach Ihrem Wechsel standen Sie beim 1:1 gegen Leverkusen in der Startelf, auch beim 2:2 gegen Freiburg haben Sie durchgespielt. Zufrieden mit dem Einstand?

Affolter:Das erste Spiel war nicht leicht. Nach zwei Tagen kennt man das System nicht, die Spieler nicht. Ich war auch nervös, keine Frage. Bis jetzt ist es aber gut gelaufen. Ich bin froh über das, was ich geleistet habe. Das gilt ein bisschen mehr für Leverkusen als für Freiburg.

Gegen Leverkusen gab die Kreiszeitung Ihnen die Note 3, gegen Freiburg war es eine 4,5…

Affolter: Ich hatte einfach zu viele Ballverluste, auch bei einfachen Pässen. Das ist gefährlich, führt zu Kontern und gegen bessere Mannschaften auch zu Gegentoren. Das sollte mir also nicht zu oft passieren.

Dabei werden Sie grundsätzlich für Ihre Ruhe am Ball und die gute Spieleröffnung gelobt. Woher kommt diese Ruhe?

Affolter: Ich glaube, die ist bei mir angeboren, die habe ich von meiner Mutter. Ich bin einfach ein ruhiger Typ und mache meinen Job. Ich spreche auch in der Kabine nicht viel.

Wenn Sie so zurückhaltend sind, woher nehmen Sie die nötige Aggressivität für ein Spiel?

Affolter:Vielleicht ist es meine Ambition, immer spielen zu wollen. Stets so weit zu gehen, wie es möglich ist. Das ist die Kraft, die in mir steckt.

Haben Sie jemals eine Rote Karte gesehen?

Affolter:Nein, noch nie. Nicht mal im Jugendbereich. Gelbe Karten schon, aber fast nur für taktische Fouls, nicht für hartes Einsteigen. Meckern und Tätlichkeiten gibt‘s bei mir gar nicht.

Ihr Werdegang ist einigermaßen spektakulär. Profi-Debüt bei Young Boys Bern mit 17 Jahren, Premiere in der Schweizer Nationalmannschaft mit 19, jetzt der Wechsel in die Bundesliga.

Affolter: Viele sagen, dass ich eine sehr schnelle Entwicklung genommen und in wenigen Monaten große Fortschritte gemacht habe. Und es ist wirklich alles sehr schnell gegangen. Manchmal war ich selbst überrascht.

Zum Beispiel?

Affolter: Als ich mit 17 zu den Profis aufgerückt bin. Nur ein paar Monate zuvor hatte mir der Nachwuchschef noch gesagt, dass ich in der U 18 bleiben muss, nicht in die zweite Mannschaft hochgezogen werde. Das war eine große Enttäuschung. Aber dann wechselte der Nachwuchschef, ich durfte in einer Länderspielpause bei den Profis mittrainieren. Der damalige Trainer Vladimir Petkovic hat mich gleich die ganze Saison behalten. Und nach zwei, drei guten Leistungen in der Champions-League-Qualifikation und der Europa League war ich auch schon im Nationalteam.

Plötzlich die Stagnation. Unter Petkovic-Nachfolger Christian Gross saßen Sie meistens auf der Bank. Welche Ziele verbinden Sie nun mit dem Wechsel zu Werder?

Affolter:Werder will wieder ins internationale Geschäft, und ich auch. Deshalb passe ich zu diesem Club. Ich bin erstmal nur für ein Jahr ausgeliehen, aber danach soll nicht Schluss sein. Ich habe den Sprung in die Bundesliga geschafft, jetzt will ich auch bleiben, ist doch klar.

Und wenn es nicht klappt?

Affolter:Das wäre keine Katastrophe. In die Schweiz zurückzugehen, würde ich nicht als tiefen Sturz empfinden. Immerhin könnte ich dann sagen, dass ich hier gute Erfahrungen gemacht habe.

Aber ehrlich: Ein Rückschritt wäre es schon.

Affolter: Ich will ja auch unbedingt bleiben. Mal schauen, ob ich Trainer und Sportchef mit meinen Leistungen überzeugen kann.

Zu einem Störfaktoren könnte der Militärdienst werden, den Sie in der Schweiz noch absolvieren müssen.

Affolter:Ich hoffe nicht. Am Telefon hat man mir gesagt, dass ich eine Auszeit von einem Jahr machen kann. Wenn ich danach wieder in der Schweiz sein sollte, kann ich den noch offenen Rest des Dienstes absolvieren. Bleibe ich im Ausland, schiebt sich das wohl weiter hinaus. Ich werde Werder also nicht fehlen, weil ich zum Militär muss.

Aber weil Sie zu den Olympischen Spielen wollen? Die Schweiz ist für die Spiele in London (27. Juli bis 12. August) qualifiziert, und Sie sind der Kapitän der aktuellen U 21 und damit der Olympia-Mannschaft.

Affolter:Ich möchte natürlich gerne bei den Olympischen Spielen dabei sein. Für einen Fußballer gibt es diese Chance nur einmal im Leben. Das Problem ist aber, dass sich die Spiele mit der Saisonvorbereitung bei Werder überschneiden.

Sie sagen es. Vor vier Jahren hat es Diego durchgesetzt, dass er mit Brasilien an den Spielen in Peking teilnehmen durfte. Werder war nicht glücklich darüber. Wie würden Sie sich verhalten?

Affolter:Wenn ich mich entscheiden kann, ob ich in London dabei sein kann oder nicht, würde ich London wählen. Es ist einfach etwas ganz Besonderes. Aber wenn ich dann bei Werder Stammspieler sein sollte und der Verein sagt: Bleib hier, wir brauchen dich! Dann bleibe ich. Das ist kein Problem. · csa

Fotos vom Training am Mittwoch

Training am Mittwoch mit Wesley

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