Aaron Hunt will bei Werder durchstarten – und hofft auf den neuen Özil / Ratschläge für Arnautovic

Hunt: „Ich werde nicht weglaufen“

„Natürlich hat mir Mesut gefehlt“, sagt Aaron Hunt über seinen Ex-Kollegen Özil. ·

Von Björn Knips - Aaron Hunt lacht – und das ist durchaus bemerkenswert. Denn in der gerade erst abgelaufenen Saison war der 24-jährige Profi des SV werder Bremen selten fröhlich – weder auf noch neben dem Platz.

Doch nun ist das Leidensjahr vorbei, der Urlaub steht vor der Tür, da lässt sich entspannt Bilanz ziehen und in die Zukunft blicken.

Herr Hunt, wie sehr freuen Sie sich auf den Urlaub?

Hunt:Auf jeden Fall mehr als in den vergangenen Jahren, denn das war eine Saison zum Vergessen. Da können wir die Pause alle sehr gut gebrauchen.

Sie ganz besonders, oder?

Hunt:Natürlich bin ich nicht zufrieden, meine Leistung passt sehr gut zu unserem Tabellenplatz (Rang 13, Anm. d. Red.).

Haben Sie schon eine Erklärung dafür gefunden?

Hunt:Nicht wirklich. Eigentlich hat es super angefangen. Die Vorbereitung war gut, das Hinspiel in der Champions-League-Quali gegen Sampdoria Genua sogar sehr gut.

Das war das erste Spiel ohne Mesut Özil, der tags zuvor an Real Madrid verkauft worden war. Nach der Gala gegen Genua dachten alle – auch der Club: Werder braucht Özil nicht, Sie und Marko Marin werden es schon richten. Eine Fehleinschätzung?

Hunt:Natürlich hat mir Mesut gefehlt. Ich habe mich mit Mesut blind verstanden, wir haben uns sehr gut ergänzt. Mit ihm, Marko und mir passte das einfach im Mittelfeld. Dann war Mesut weg, und es ist keiner geholt worden, der diese Lücke schließt.

Vorletztes Training am Mittwoch

Werder-Training am Mittwoch

Ist Werders erster Neuzugang, Mehmet Ekici, der neue Özil?

Hunt:Das wird sich zeigen. Ich hoffe, dass er uns weiterhelfen wird. Wir brauchen im Mittelfeld unbedingt einen Spieler, der Räume schafft und die entscheidenden Pässe spielen kann.

Kann Ekici das?

Hunt:Er soll eine gute Saison gespielt haben. So viel kann ich dazu aber gar nicht sagen, denn Nürnberg (Ekicis Ex-Verein, Anm. d. Red.) ist nicht der Club, den ich mir regelmäßig im Fernsehen angeschaut habe.

Zurück zu Ihnen: Lag‘s nur an Özils Fehlen, dass es bei Ihnen nicht lief?

Hunt:Natürlich nicht, gegen Genua ging’s ja auch mal ohne ihn. Ich könnte jetzt noch mal sagen, dass ich danach krank geworden bin. Aber es kann ja auch nicht an zehn Tagen Grippe gelegen haben . . .

Aber vielleicht am fehlenden Selbstvertrauen?

Hunt:Es ist doch klar, dass man nicht vor Selbstvertrauen strotzt, wenn man einfache Fehler macht. Und in den Heimspielen war‘s dann auch nicht mehr so einfach für mich.

Weil Sie vom eigenen Publikum ausgepfiffen wurden.

Hunt:Das war nicht schön. Aber es gab ja auch diese tolle Aktion einiger Fans. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Ich habe mich dafür auch persönlich bedankt.

Trotzdem: Fühlen Sie sich in Bremen noch erwünscht?

Hunt:Wenn der Verein anders plant, kann er es mir sagen, damit hätte ich kein Problem.

Und bezogen auf die Fans?

Hunt:Es gibt doch solche und solche Zuschauer. Ich kann es nicht jedem recht machen. Ich habe es selbst auf der Tribüne erlebt, als ich verletzt war. Was da einige Zuschauer über einzelne Spieler sagen, das hat gar nichts mehr mit Fußball zu tun. Darüber sollten sich diese Leute wirklich mal Gedanken machen.

Ist Werder noch der richtige Verein für Sie?

Hunt:Ja!

Warum?

Hunt:Ich habe mich vor gut einem Jahr bewusst für Werder entschieden und meinen Vertrag um vier Jahre verlängert. Ich hätte damals auch am Ende der Saison ablösefrei gehen können. Aber das wollte ich nicht. Und ich werde jetzt auch nicht weglaufen, nur weil ich ein schlechtes Jahr hatte.

Es wird häufig Ihre Körpersprache moniert, Ihnen wird Lustlosigkeit vorgeworfen.

Hunt:Das hat mit Lustlosigkeit nichts zu tun. Aber mal ehrlich: In der Saison davor habe ich genauso gespielt, da hat meine Körpersprache keinen gestört. Und wenn ich nächste Saison zehn Tore schieße, redet auch niemand darüber.

Apropos nächste Saison: Was erwarten Sie vom angekündigten Umbruch, und welche Rolle spielen Sie dabei?

Hunt:Es wird einige Veränderungen geben, das hat ja schon damit angefangen, dass Torsten Frings aufhört. Ich denke, da wird noch mehr passieren. Es werden sicher noch einige Spieler kommen. Für mich ist der Umbruch eine große Herausforderung. Ich versuche natürlich, an die Leistungen der Saison 2009/10 anzuknüpfen. Und ich hoffe, dass wir alle wieder mehr Spaß haben werden, denn Spaß spielt in unserem Beruf eine wichtige Rolle.

Manchmal auch außerhalb des Platzes. Mussten Sie eigentlich schmunzeln, als Sie von der Disco-Geschichte Ihres Teamkollegen Marko Arnautovic gehört haben? Ihre Nachtausflüge hatten es früher ja auch durchaus in sich . . .

Hunt:(lacht) Ein bisschen schon. Ich habe meine Erfahrungen gemacht, und Marko jetzt auch. Ich hoffe, er hat daraus das gleiche gelernt wie ich.

Was denn?

Hunt:Man erlebt an solchen Abenden immer mal wieder Leute, die einen provozieren wollen. Am besten man schaut darüber hinweg oder geht notfalls nach Hause.

So einfach ist das?

Hunt:Das hört sich natürlich einfacher an, als es ist. Manchmal will man ja noch gar nicht nach Hause . . . Aber es gehört leider zu unserem Beruf, dass wir uns von wildfremden Leuten ‘was anhören müssen, weil sie mit unseren Leistungen unzufrieden sind. Wenn das sachlich passiert, dann ist das auch kein Problem. Aber wenn‘s auf die plumpe Art geschieht, wird‘s unangenehm – und dann zieht man sich lieber zurück.

Oder man geht gar nicht mehr weg?

Hunt:Wir sind doch keine Nonnen. Natürlich dürfen wir auch mal weggehen, aber nicht zwei Tage vor einem Spiel und am besten sowieso nur nach Siegen.

Also gehen Sie nächste Saison wieder häufiger aus?

Hunt:(lacht) Also wir werden auf jeden Fall häufiger gewinnen als in der vergangenen Saison.

Das könnte Sie auch interessieren

Ägyptische Assassinen und Prinzessinnen retten mit Mario

Ägyptische Assassinen und Prinzessinnen retten mit Mario

Hommage an Farbe: Yves Saint Laurent-Museum in Marrakesch

Hommage an Farbe: Yves Saint Laurent-Museum in Marrakesch

Im Himmelbett am Wasserloch: Luxussafaris in der Savanne

Im Himmelbett am Wasserloch: Luxussafaris in der Savanne

Tag der offenen Tür im Kindergarten Haendorf

Tag der offenen Tür im Kindergarten Haendorf

Meistgelesene Artikel

Rosenberg zum dritten Mal Schwedischer Meister

Rosenberg zum dritten Mal Schwedischer Meister

Das passiert am Dienstag

Das passiert am Dienstag

Das passiert am Mittwoch

Das passiert am Mittwoch

Klasnic: Neue Niere, neues Leben

Klasnic: Neue Niere, neues Leben

Kommentare