Mit der Verpflichtung von Mikael Silvestre wird’s für Sebastian Boenisch bei Werder richtig schwer

„Ich werde nicht versagen“

Die Geste ist deutlich: Locker bleiben, ich pack’ das schon, scheint Sebastian Boenisch anzudeuten. Doch die Konkurrenz bei Werder ist jetzt richtig groß.

Bremen - Von Arne Flügge · Seit Jahren wird Sebastian Boenisch bei Werder Bremen gehegt und gepflegt. Namhafte Konkurrenz hat man dem zweifelsfrei talentierten, technisch allerdings limitierten Linksverteidiger bislang nicht vor die Nase gesetzt.

Er genoss das volle Vertrauen, sollte sich in Ruhe und ohne Druck weiterentwickeln, um sein Potenzial dann auch konstant abzurufen. Das gelang dem 23-Jährigen bisher aber noch nicht. Und die Geduld der sportlichen Leitung scheint mittlerweile auch an ihre Grenzen gestoßen zu sein. Werder verpflichtete am Montag im Franzosen Mikael Silvestre ein – wenn auch etwas in die Jahre gekommenes – Abwehr-Ass. Ein klares Zeichen an Boenisch: Schluss mit lustig, der Schmusekurs ist vorbei.

Als Werder vor drei Jahren den damals 20-jährigen Boenisch für eine Ablösesumme von drei Millionen Euro vom FC Schalke 04 geholt hatte, „haben wir ihn gleich spielen lassen, obwohl er noch sehr jung war. Wir haben großes Vertrauen in ihn“, sagt sein Trainer. Doch mittlerweile ist auch Thomas Schaaf nicht verborgen geblieben: Boenisch tritt auf der Stelle. „Seine Entwicklung war nicht so schnell, nicht so geradlinig, wie wir uns das vorgestellt hatten“, räumt der 49-Jährige ein: „Er ist immer noch Schwankungen unterlegen, hat den einen oder anderen Fehlpass. Er muss sich noch weiterentwickeln und die Konstanz in sein Spiel bekommen, die wir uns von ihm erhoffen.“

Doch ewig kann ein Club wie Werder, der dauerhaft internationale Ambitionen hat, nicht warten, bis der Knoten platzt. Die linke Abwehrseite ist ohnehin seit Jahren die Achillesferse bei den Bremern. Um in der Champions League zu bestehen, ist vor allem eine stabile Defensive gefragt. Und nachdem Sebastian Boenisch in der Vorbereitung sogar den Konkurrenzkampf gegen den etatmäßigen Innenverteidiger Petri Pasanen verloren hatte, sahen sich die Bremer nun gezwungen, zu handeln: Werder holte Silvestre, der die Erfahrung von 79 Champions-League-Spielen und 40 Länderspieleinsätzen mitbringt. Silvestre, so glaubt Werder-Kapitän Torsten Frings, „wird Basti sicherlich viel von seiner Erfahrung weitergeben können. Sebastian kann von ihm lernen.“

Für Boenisch bedeutet das aber gleichzeitig, dass die Hoffnung auf einen Stammplatz in noch weitere Ferne gerückt ist. Doch er gibt sich kämpferisch, ganz Boenisch eben: „Ich bin gut drauf und davon überzeugt, dass ich bei Werder in die erste Elf gehöre. Ich bin noch immer heiß auf die Saison.“

Freilich hat auch Berufsoptimist Boenisch erkannt, dass der Wind, der ihm entgegenbläst, rauer geworden ist. „Natürlich bin ich nicht zufrieden mit meiner Situation. Der Trainer stellt die Mannschaft auf, von der er überzeugt ist. Ich kann im Training nur weiter Gas geben.“

Der Vertrag von Sebastian Boenisch mit Werder läuft im kommenden Jahr aus. Gespräche über eine vorzeitige Verlängerung hat es bereits gegeben – und zunächst hatte es auch danach ausgesehen, dass alles ganz schnell über die Bühne gehen würde. Doch jetzt stocken die Verhandlungen. „Es kann mal schnell gehen und mal etwas länger dauern“, sagt Boenisch dazu. Hat er etwa Zweifel bekommen? Die Verpflichtung von Silvestre sowie seine Gesamtsituation könnten genügend Anlass dafür geben. „Nein, das hat damit nichts zu tun“, behauptet der Abwehrspieler. „Ich gehe in Bremen weiter meinen Weg. Ich werde das packen. Ich verschwende keinen Gedanken daran, dass ich versagen oder scheitern könnte. Denn das wird nicht passieren.“

Eine Einschätzung, die unterm Strich auch Schaaf teilt. Daher hat der Bremer Trainer angekündigt, über 2011 hinaus mit Boenisch zusammenarbeiten zu wollen. Der Coach fordert aber auch: „Er muss möglichst bald konstant hohe Leistungen abrufen.“

Derzeit befindet sich der aus Gleiwitz stammende Boenisch in Polen. Nachdem er sich gegen Deutschland und für sein Geburtsland entschieden hatte, wurde der 23-Jährige von Nationaltrainer Franciszek Smuda für die Testländerspiele morgen gegen die Ukraine und am kommenden Dienstag gegen Australien erstmals in die polnische Nationalmannschaft berufen. Die Gründe für seine Entscheidung trägt Boenisch mit sich herum. Äußern will er sich weiterhin (noch) nicht dazu. Warum auch immer. Nur so viel sagt er: „Ich freue mich sehr darüber, dass ich nominiert worden bin.“

Frings kann die Entscheidung seines Kollegen verstehen. „Wenn er in Deutschland keine Rolle spielt, warum soll er dann nicht für Polen spielen? Dort hat er die Chance, an einer EM teilzunehmen“, findet der 33-Jährige: „Es ist ja nichts Schlimmes, für sein Geburtsland zu spielen. In der deutschen Elf spielen beispielsweise Leute, die hier gar nicht geboren sind.“

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