Philipp Bargfrede hat sich für sein viertes Profi-Jahr viel vorgenommen – vor allem sein erstes Tor

„Ich werde mich nicht verstecken“

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Zu sprunghaft waren seine Leistungen in den beiden vergangenen Spielzeiten, aber jetzt will Philipp Bargfrede voll durchstarten. ·

Bremen - In Odense humpelte Philipp Bargfrede am Dienstagabend in den Flieger. Die Dänen hatten ihm zuvor beim Testspiel ordentlich auf den Füßen gestanden. „Die Zehen haben ein bisschen was abbekommen“, berichtet der 23-Jährige nach dem 2:1-Erfolg. Doch von so ein bisschen Schmerz lässt sich der Werder-Profi nicht beeindrucken. Er ist ein Kämpfer, das muss er als Sechser auch sein. Und in dieser Saison will Bargfrede nach 74 Bundesliga-Spielen beweisen, dass er nicht nur ein Talent ist, sondern ein Spieler, der Verantwortung übernimmt.

Herr Bargfrede, der Spaßfaktor ist bei Werder gerade ein großes Thema: Wird wirklich mehr gelacht?

Philipp Bargfrede:Ja! Das sieht man doch wohl. Die Stimmung ist wesentlich entspannter, positiver. Das wirkt sich auch auf die Leistung aus. Und das ist gut so.

Haben Sie eine Erklärung dafür, warum die Stimmung besser ist?

Bargfrede:Wir Spieler haben alle so ziemlich das gleiche Alter. Sind jung. Das passt. Wir verstehen uns einfach gut. Und wenn der Trainer locker ist, trägt das auch seinen Teil dazu bei.

Thomas Schaaf scheint diese junge, hungrige Mannschaft auch gut zu tun.

Bargfrede:Ich denke, auch das kann man sehen.

Was haben Sie sich für die Saison vorgenommen?

Bargfrede:Erst einmal möchte ich verletzungsfrei bleiben, das steht an erster Stelle. Ich will so viele Spiele wie möglich machen, und die Qualität meiner Spiele soll besser werden. Außerdem muss ich torgefährlicher werden.

Das hat doch mit dem Hammer-Tor gegen Odense schon ganz gut geklappt.

Bargfrede:So kann es gerne weitergehen.

Der Trainer hat gesagt, dass Sie das drin haben, auf dem Platz nur zu schüchtern seien. Hat er Recht?

Bargfrede:Schüchtern würde ich das nicht nennen. Aber das Selbstverständnis, aufs Tor zu schießen, fehlt natürlich, wenn man lange nicht getroffen hat. Als ich vor drei Jahren zu den Profis kam, war ich noch richtig torgefährlich. Da hatte ich auch viele Chancen, aber das Ding wollte einfach nicht rein. Wenn ich da etwas mehr Glück gehabt hätte, hätte ich meine Tore gemacht. Mein erstes Bundesliga-Tor ist überfällig.

Noch einmal zurück zum Thema Schüchternheit: Sie wirken nicht gerade als Lautsprecher auf dem Platz, und schon gar nicht so aggressiv wie einst ihr extrovertierte Vorgänger im defensiven Mittelfeld, Torsten Frings.

Bargfrede:Auf dem Platz gebe ich schon Anweisungen und mache den Mund auf. Natürlich kann ich mich auch da weiterentwickeln, aber ich sehe da kein Problem. Und laut heißt noch lange nicht, auch aggressiv zu sein.

Trotzdem: Sind Sie manchmal zu unauffällig auf dem Platz?

Bargfrede:Auffällig ist man natürlich vor allem durch Offensivaktionen. Aber als Sechser ist es meine erste Aufgabe, mich um die Defensive zu kümmern. Klar will ich mehr nach vorne machen. Manchmal fehlt mir in den entscheidenden Momenten aber noch die Kraft, mit nach vorne zu gehen, weil ich hinten so viel gearbeitet habe. Deshalb muss ich mich vorher klüger, effektiver bewegen.

Viel Arbeit, wenig Ruhm – ist die Position des Sechsers ein undankbarer Job?

Bargfrede: Na ja, es ist vorne schon ein bisschen einfacher, auf sich aufmerksam zu machen.

Fehlt Ihnen ein bisschen die Anerkennung?

Bargfrede:Nein, es liegt ja an mir, es noch besser zu machen, stärkere Aktionen nach vorne zu haben und auch mal ein Tor zu schießen. Ich denke, das kommt jetzt.

Worin liegt der Unterschied zwischen dem Sechser in der Raute – also wie früher – und dem im neuen System, dem 4-1-4-1?

Bargfrede: Ich sehe das mit dem System ein bisschen anders: Wir spielen mit Viererkette, haben dann drei Mittelfeldspieler und drei Stürmer. Von den Mittelfeldspielern ist einer immer etwas defensiver. Dann kommt es darauf an, wie die beiden anderen Mittelfeld-Positionen besetzt sind, also mit offensiveren oder defensiveren Spielern. Davon ist abhängig, ob der Sechser mehr oder weniger mit nach vorne machen kann.

Wie wirkt sich das neue System insgesamt auf das Spiel aus?

Bargfrede:In der Raute wurde es zu eng, weil wir es nicht mehr so gut gespielt haben. Jetzt haben wir im Mittelfeld mehr Platz, weil wir das Spiel breiter machen. Dadurch hat man mehr Zeit, weil der Gegner nicht mehr so gut pressen kann.

Aber ist es mit drei Stürmern und möglicherweise noch zwei offensiveren Mittelfeldspielern nicht viel schwieriger zu verteidigen?

Bargfrede:Nein. Es muss nur jeder, also auch die Außenstürmer, mit nach hinten arbeiten.

Das klappt offenbar noch nicht so gut, oder warum gab es so viele Gegentore in der Vorbereitung?

Bargfrede:Da müssen wir uns noch verbessern, wir müssen noch die richtige Balance finden.

Als Sechser sind Sie dabei der Taktgeber – eine Aufgabe, die Sie in Ihrem vierten Profi-Jahr nun können müssen. Nur ein Talent sind Sie nicht mehr, oder?

Bargfrede:Das ist richtig. Das werde ich auch versuchen. Das ist mein Ziel. Aber dafür bin ich nicht alleine verantwortlich.

Sind Sie Werders Sechser, oder müssen Sie um Ihren Platz zittern?

Bargfrede:Ich war jetzt durch eine Verletzung zwei Wochen raus. Aber davor, denke ich, habe ich das ordentlich gemacht, gegen Odense bin ich nun gut wieder reingekommen. Natürlich ist Clemens Fritz auch noch da, er ist der Kapitän. Ich mache mir darüber jetzt nicht zu viele Gedanken. Ich bin auch nicht nur auf den Sechser fixiert, ich kann auch die beiden anderen Positionen im Mittelfeld spielen.

Apropos Kapitän: Sie haben die Binde in der Vorbereitung auch schon getragen – ein schönes Gefühl?

Bargfrede:Es gibt schlechtere Gefühle. Es ist ein schönes Zeichen. Aber ich würde auch ohne Binde versuchen, Verantwortung zu übernehmen.

Ist das der Unterschied zu Ihren ersten drei Jahren als Werder-Profi?

Bargfrede: Als ich es zu den Profis geschafft habe, bin ich von einer Euphorie getragen worden. Das war mein bestes Jahr. In der Saison danach lief es nicht mehr, weil es in der ganzen Mannschaft nicht mehr lief. Da ist es als junger Spieler schwer. Vergangene Saison haben mich immer wieder Verletzungen rausgerissen, meine Spiele waren durchwachsen. Jetzt will ich wieder einen Schritt nach vorne machen. Ich gehöre nun fast schon zu den Älteren, obwohl ich erst 23 bin. Da muss ich auch vorneweg gehen, wenn es mal nicht so läuft. Ich werde mich nicht verstecken.

Wie wichtig ist das Pokalspiel am Sonntag in Münster?

Bargfrede:Extrem wichtig. Wir wissen noch, was uns letztes Jahr in Heidenheim passiert ist. Das darf sich nicht wiederholen. Klar, das wird keine leichte Nummer, aber wenn wir unser Spiel durchziehen, werden wir als Sieger vom Platz gehen.

Wie richtungweisend ist das Spiel?

Bargfrede:Wenn uns ein guter Start gelingt, dann ist vieles möglich. Wir wollen nicht gleich etwas Negatives haben.

Rückschläge wird diese junge Mannschaft aber sicher auch erleben.

Bargfrede: Natürlich – und erst dann zeigt sich, wie wir als Mannschaft zusammenstehen und was für einen Charakter wir haben.

Wo gehört Werder hin?

Bargfrede:Nach oben. Als ich hier angefangen habe, haben wir noch Champions League gespielt . . .

. . . also sind Sie Schuld daran, dass es nicht mehr so ist.

Bargfrede:(lacht) Schönen Dank dafür! Aber es wäre schon schön, nach zwei nicht so erfolgreichen Jahren wieder um die internationalen Plätze zu spielen.

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