Schaaf über das Double und seine Arbeit

„Ich weiß schon, was ich will“

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Thomas Schaaf (Mitte) genoss es, Ex-Spieler wie Paul Stlateri und Johan Micoud wiederzusehen.

Bremen - Interviews lehnt er seit seiner Entlassung beim SV Werder vor fast genau einem Jahr rigoros ab. Thomas Schaaf will nicht reden. Bei seiner Rückkehr ins Weserstadion machte er am Samstagnachmittag im Wuseum aber eine Ausnahme.

Eigentlich wollte der 53-Jährige nur über das Double sprechen, doch dann verriet der Ex-Werder-Coach beim offiziellen Termin mit der Erfolgstruppe von 2004 in einer Journalistenrunde auch, wie er das vergangene Jahr erlebt hat und für wen er inzwischen arbeitet.

Herr Schaaf, wie geht es Ihnen?

Thomas Schaaf:Gut – wie soll es auch anders sein an so einem Tag?

Was erwarten Sie von dem heutigen Tag?

Schaaf:Ich freue mich erst einmal darauf, möglichst viele von den Burschen wiederzusehen – und ihre Familien. Einige Kinder habe ich gerade schon gesehen. Es ist ja irre hoch zehn, wie die Zeit dahinrennt. Es wird sicherlich viel geflachst werden. Das sind schon außergewöhnliche Jungs gewesen.

Sind da Freundschaften entstanden?

Schaaf:Zu dem einen hat man mehr Kontakt, zu dem anderen weniger. Das ist ganz normal. Deswegen ist so ein Termin wie heute auch so schön.

Haben Sie eigentlich noch den Film, den Sie damals aus dem Cockpit heraus nach dem vorzeitigen Titelgewinn auf dem Bremer Flughafen gedreht haben?

Schaaf:Keine Ahnung, was auf dem Ding überhaupt drauf war. Man hat mir das Ding damals gegeben, aber ich habe auch versucht, zu gucken. Es war doch viel wichtiger für mich, den Moment und die Leute zu erleben.

Für viele ist diese Ankunft aus München auf dem Flughafen der Höhepunkt der Double-Feierlichkeiten – wie ist das bei Ihnen?

Schaaf:Es sind so viele Bilder, die da sind. Alleine schon in München. Da waren mehr als 10 000 Bremer im Stadion. Da in die Kurve zu schauen, diesen Jubel zu sehen. Das war schon was. Als wir dann in Bremen angekommen sind mit der Information: Die haben das Spiel alle auf dem Marktplatz verfolgt, und jetzt kommen sie alle zum Flughafen. Ganz Bremen war ja unterwegs. Aber auch eine Woche später die Fahrt durchs Viertel zum Rathaus. So etwas vergisst man nicht. Da war so eine Glückseligkeit, so eine Verbundenheit und so eine Identifikation, die man selten erlebt.

Verblassen solche Bilder irgendwann?

Schaaf:Nein! Natürlich weiß man nicht mehr, wer wo neben wem gestanden hat. Aber dieser Moment, dieses Gefühl – ich glaube, das geht nie weg.

Sie sind seit fast genau einem Jahr kein Werder-Trainer mehr – wie geht es bei Ihnen weiter?

Schaaf:Dazu gibt es keine Aussage, weil sich nichts verändert hat.

Weil es noch nichts Neues gibt?

Schaaf:Ich bin heute hier, weil ich gerne mit den Jungs zusammen sein möchte. Alles weitere wird man sehen.

Ist denn die Lust wieder da?

Schaaf:Ich habe immer Lust gehabt, danach geht es nicht.

Es könnte ja auch sein, dass Sie festgestellt haben, dass es nett ist, gar nichts zu machen.

Schaaf:Es ist auch schön. Aber gar nichts macht man ja nie. In verantwortlicher Position zu sein, das muss ich im Moment nicht haben. Aber man weiß nie, wie es weitergeht.

Haben Sie da einen Plan?

Schaaf:Ich laufe nicht planlos durch die Welt. Ich weiß schon, was ich will.

Wie sehr konnten Sie das Jahr Abstand genießen?

Schaaf:Es war nicht langweilig. Ich habe genug zu tun gehabt. Ich habe viele Dinge gemacht, die nichts mit dem Fußball zu tun hatten. In meiner Position blieb damals nicht viel Zeit für rechts und links. Das hat sich geändert. Jetzt war es auf einmal so, dass ich Zeit hatte und meine Freunde und meine Familie andere Gedanken hatten. Damit muss man auch umgehen. Da merkt man erst einmal, was man den anderen abgefordert hat. Es war gut, dass ich da mal was zurückgeben konnte.

Was haben Sie denn für Dinge gemacht?

Schaaf:Als letztes war ich in München und habe Bayern gegen Real Madrid geguckt. Ich war da für den Fußball unterwegs, für die Uefa.

Was ist Ihre Aufgabe dabei?

Schaaf:Schauen. Beobachten. Es geht in erster Linie darum, zu sehen, wo entwickelt sich die Champions League hin oder die Europa League.

Schreiben Sie dann einen Bericht, und was steht da drin?

Schaaf:Ich schreibe viele Berichte. Es geht um den Fußball, um Formationen, Systeme. Also all das, was Sie bei so einem Spiel nicht bewerten, das darf ich dann aufgreifen (lacht).

Aaron Hunt bestreitet gleich gegen Berlin sein letztes Heimspiel für Werder – was bedeutet es für Sie, dabei zu sein?

Schaaf:Es freut mich einfach, was er hier für eine tolle Entwicklung genommen hat. Er kann auf das, was er für Werder geleistet hat, sehr stolz sein.

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Sind Sie auch ein bisschen stolz, schließlich galt Aaron Hunt als Ihr Ziehsohn?

Schaaf:Es ist immer schön, wenn man einem Spieler behilflich sein kann, wenn man ihn auf seinem Weg begleiten kann und wenn er den einen oder anderen Rat annimmt. Aber letztendlich ist es seine Leistung, sein Weg, den er gegangen ist. Dazu muss man ihm gratulieren.

Hat er Sie bei seiner Entscheidung, Werder zu verlassen, um Rat gefragt?

Schaaf:Nein. Er ist alt genug, das kann er alleine entscheiden. Er sucht eine neue Herausforderung – und da wünsche ich ihm alles Gute. · kni

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