„100-Tage-Fristen interessieren mich nicht“

„Ich traue uns die Europa League zu“

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Alles andere als zugeknöpft gab sich gestern Werders neuer Geschäftsführer Thomas Eichin (rechts) bei seiner ersten offiziellen Pressekonferenz vor einem Bundesliga-Spiel mit Trainer Thomas Schaaf. ·

Bremen - Für Thomas Eichin war es gestern der perfekte Start in seinen neuen Job. „Ich habe es geschafft, mit dem neuen Schlüssel in die Tiefgarage zu kommen und sogar bis in mein Büro vorzudringen“, berichtete der 46-Jährige am Mittag auf der Pressekonferenz im Weserstadion von seiner ersten Amtshandlung und hatte die Lacher auf seiner Seite.

Normalerweise dreht sich donnerstags im Medienraum alles um Werders nächstes Bundesligaspiel. Doch gestern ging es weniger um den Besuch am Samstag aus Freiburg, sondern mehr um Thomas Eichin. Der trat offiziell seinen Dienst als neuer Geschäftsführer Sport an – und das durchaus forsch.

„Wir stehen auf Platz elf, da wollen wir nicht bleiben, wir wollen weiter nach vorne“, stellte der Nachfolger von Klaus Allofs, der sich im November Richtung VfL Wolfsburg verabschiedet hatte, klar: „Der Rückstand auf einen europäischen Platz beträgt drei Punkte. Das ist schon an einem Wochenende zu korrigieren. Natürlich traue ich uns die Europa League zu – keine Frage!“ Deutliche Worte, die Eichin selbstbewusst, aber nicht überheblich verkündete. Der Ex-Manager der Kölner Haie in der Deutschen Eishockey-Liga hat in den vergangenen Wochen bei Werder genau hingeschaut und festgestellt: „Ich war beim 0:5 gegen Dortmund im Stadion. Und ich bin sehr beeindruckt, wie sich die Mannschaft danach präsentiert hat. Das sind schon klare Zeichen. Die Mannschaft hat einen, sehr, sehr guten Geist. Den gilt es weiterzuführen.“

Eichin setzt dabei auf eine gute Zusammenarbeit mit Schaaf. „Wir werden das bestimmt gut hinkriegen“, meinte der Ex-Profi von Borussia Mönchengladbach und schaute zum neben ihm sitzenden Coach: „Wir werden uns jetzt sicherlich schnell noch näher kennenlernen.“ Begegnungen aus ihrer aktiven Zeit als Fußball-Profis sind ihnen nicht wirklich in Erinnerung geblieben. Und anschließend verfolgte nur Eichin, was Schaaf tat, „weil das in der Fußball-Bundesliga natürlich viel einfacher ist als beim Eishockey. Deshalb kenne ich ihn viel besser als er mich“.

Schaaf versuchte mit warmen Worten, dem Neuen den Einstieg zu erleichtern. „Wir sind froh, dass Thomas Eichin jetzt absolut da ist“, meinte der 51-Jährige und mahnte: „Wir müssen ihm jetzt auch die Zeit geben, sich einzufinden.“

Doch Eichin will gar keine Rücksichtnahme – und will sich auch nicht wie Politiker erst in 100 Tagen an seinen Taten messen lassen: „Mein Motto ist eher, du musst heute gut sein und nicht gestern oder morgen. 100-Tage-Fristen interessieren mich nicht.“ Der 46-Jährige legt sofort los. Beginnend mit der Kennenlernphase. Fortgesetzt morgen mit der Spieltags-Premiere. „Ich werde auf der Bank sitzen, um ganz nah dran zu sein und um die Abläufe kennenzulernen“, verriet Eichin, fügte aber sogleich an: „Das ist aber nicht in Stein gemeißelt, es kann auch sein, dass ich mir ein Spiel auch wieder von der Tribüne aus anschaue.“

Dass der erste Gegner ausgerechnet Freiburg heißt – das hat schon was. Denn dort ist Eichin geboren und aufgewachsen. „Ich habe aber nicht beim SC, sondern beim FC gespielt“, erinnerte sich Eichin. Aber es gibt sie trotzdem, die besondere Beziehung zum Gegner: Beim Freiburger FC kickte damals (von 1983 bis 1985) auch ein gewisser Christian Streich (47) – der aktuelle Coach des SC Freiburg. „Wir haben ein Jahr zusammengespielt“, berichtete Eichin. Morgen gibt es das Wiedersehen. Die Kameras werden das genau verfolgen.

Thomas Eichin ist da

Schon gestern war das Interesse am Eichin-Einstieg riesig. 14 Kamerateams, mehrere Fotografen und über 40 Journalisten füllten den Medienraum. „So voll ist das nicht immer hier“, berichtete Schaaf seinem neuen Kollegen. Der hatte zwar kein Problem mit dem Hype um seine Person, meisterte die Aufgabe auch wortgewandt und sympathisch, meinte aber zugleich: „Ich bin gespannt, wann der erste Tag im Büro ist, an dem ich die Dinge tun kann, wofür ich letztlich auch bezahlt werde.“ Eichin soll Verträge aushandeln und die Spieler verpflichten, die Schaaf und Frank Baumann als Direktor Profifußball und Scouting ausgesucht haben. Das magische Dreieck, wie es Aufsichtsratschef Willi Lemke genannt hat, ist seit gestern komplett. · kni/mr

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