Marko Marin ist ab heute wieder für Werder im Einsatz / Stolz auf die WM, skeptisch bei den Trikots

„Ich muss jedes Jahr besser werden“

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Marko Marin explodiert fast vor Ehrgeiz und hat sich für die neue Saison einiges vorgenommen.

Bremen - Von Björn Knips · Der zauberhafte Urlaub ist vorbei, jetzt wird wieder auf dem Platz gezaubert: Marko Marin ist wieder bei Werder Bremen und reist gleich heute Morgen mit ins Trainingslager nach Bad Waltersdorf in Österreich.

Übrigens genau dort, wo er vor einem Jahr als Neuzugang vorgestellt wurde. Was sich in dieser Zeit getan hat, wie er auf die WM zurückblickt, und was er sich für die neue Spielzeit vorgenommen hat – das und mehr verrät der 21-Jährige im Interview.

?Während Ihre WM-Kollegen Tim Wiese, Per Mertesacker und Mesut Özil noch bis Montag faulenzen dürfen, müssen Sie heute schon wieder Ihren Dienst bei Werder antreten. Ist das nicht ungerecht?

!Nein, überhaupt nicht. Ich kann das voll verstehen, denn ich habe in Südafrika nicht wirklich viel gespielt. Und es ist nicht mehr viel Zeit, bis zur Qualifikation für die Champions League, und die ist extrem wichtig für uns. Deshalb bin ich froh, dass ich schon am Samstag beim Testspiel dabei sein kann.

?Werden Sie da wirklich schon spielen?

!Ich denke schon. Ich habe ja nur zehn Tage gar nichts gemacht und mich im Urlaub auf Mallorca erholt. Wir Nationalspieler haben alle von Werder einen Trainingsplan bekommen, und an den habe ich mich gehalten. Dazu habe ich noch einen Fitnesscoach engagiert und mit ihm in den letzten Tagen intensiv gearbeitet. Es wäre ja auch schön blöd, einfach so zu den Kollegen zu kommen, die schon vier Wochen im Training sind.

Marko Marin im Porträt

?Sie explodieren ja fast vor Ehrgeiz.

!Natürlich. Es geht ja mit der Champions-League-Quali auch ganz schnell um ganz viel. Wir haben in der vergangenen Saison gerade noch so Platz drei hinbekommen, das dürfen wir doch jetzt nicht einfach so herschenken. Ich will unbedingt in die Champions League – und das wollen alle anderen bei Werder auch.

?Sie wollten auch viel bei der WM spielen, und es langte nur zu zwei Kurzeinsätzen. Freuen Sie sich überhaupt über Platz drei?

!Natürlich. Das war für uns eine erfolgreiche WM – und für mich auch. Das war schließlich mein erstes großes Turnier, und ich habe immerhin zweimal gespielt. Wer kann schon von sich behaupten, bei einer WM gespielt zu haben, und das auch noch in einer so großartigen Mannschaft. Ich bin glücklich, dabei gewesen zu sein. Und es gibt mir Ansporn, in zwei Jahren bei der EM eine größere Rolle zu spielen.

?Nach Ihrer Einwechslung gegen Serbien waren Sie plötzlich weg vom Fenster. Es wurde gemutmaßt, Sie hätten die Vorgaben des Bundestrainers nicht erfüllt. Stimmt das?

!Das glaube ich nicht. Es gab doch nach dem Serbien-Spiel kaum noch eine Partie, bei der mein Typ vom Spielverlauf her als Joker gefragt gewesen wäre – außer Spanien. Und da hatte Joachim Löw schon vor dem 0:1 zweimal gewechselt und sich dann eben nicht für mich, sondern für einen anderen entschieden. Das war zwar schade, aber ich muss das akzeptieren.

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?Nach dem Serbien-Spiel gab's wirklich keine negative Rückmeldung vom Trainerstab?

!Nein, wieso auch? Jeder weiß doch, wie schwer es ist in Unterzahl und bei einem Rückstand hereinzukommen. Okay, in der Vorbereitung habe ich als Joker zweimal gestochen, aber das klappt eben nicht immer. In den Trainingseinheiten danach hat sich Joachim Löw eher positiv über mich geäußert.

?Was haben Sie bei dieser WM gelernt?

!Dass man als Team in wirklich kurzer Zeit wachsen kann. Mit dieser Mannschaft hat doch wirklich keiner gerechnet, doch unser Zusammenhalt hat uns richtig stark gemacht. Das war einmalig.

?Gibt es das bei Werder etwa nicht?

!Doch, doch – das hat man ja wohl in der vergangenen Saison nach den fünf Niederlagen in Folge gesehen. Da haben wir Teamspirit bewiesen und uns noch Platz drei geholt. Bei Werder stimmt es einfach, hier sind super Typen und keine Idioten.

?Aber ein super Typ ist auf dem Absprung: Mesut Özil. Was raten Sie ihm?

!Nichts, das steht mir nicht zu. Das muss er selbst entscheiden. Ich wünsche mir, dass er seinen Vertrag verlängert und noch lange bei uns bleibt. Bei uns und bei der WM hat doch jeder gesehen, was für ein überragender Spieler er ist.

?Was passiert, wenn Özil nicht bleibt?

!Dann geht uns ein toller Spieler verloren. Aber das können wir auffangen. Wir haben ja Aaron Hunt, der schon mal auf Mesuts Position gespielt hat.

?Warum machen Sie nicht den Spielmacher, die Nummer zehn tragen Sie doch schon?

!Stimmt, aber wir haben im Mittelfeld sowieso ganz viel rotiert, es gab gar keinen festen Zehner. Mal war Mesut da, dann Aaron und manchmal auch ich. Und demnächst vielleicht auch ein Marko Arnautovic, der soll ziemlich gut sein.

?Also können Sie sich – Özil hin oder her – mit Werder hohe Ziele stecken?

!Na klar, wir haben eine Qualität, die nicht viele Bundesligisten haben. Wir haben letztes Jahr schon eine tolle Saison gespielt – leider mit einer blöden Phase nach der Winterpause. Wenn wir diese Phase diesmal weglassen, dann können wir ganz oben angreifen.

?Vor einem Jahr gab es auch kritische Stimmen, dass Werder für Sie so viel Ablöse bezahlt hat wie für noch keinen anderen Spieler. Die Erwartungshaltung war riesig, was verspüren Sie jetzt?

!Erst einmal ist es schön, auch die Skeptiker überzeugt zu haben. Ich habe mich bei Werder wirklich stark verbessert, vor allem in der Rückrunde. Hier habe ich das Gefühl, dass mir der Trainer vertraut. Das ist ganz wichtig, denn ich will noch stärker, noch effektiver werden.

?Also mehr Tore schießen.

!Richtig, mit den Vorlagen hat es gut geklappt, aber ein paar Tore mehr dürfen es schon sein (vergangene Saison insgesamt sieben Tore in den drei Wettbewerben – Anm. d. Red.). Ich sage mir oft: Ich werde immer älter und muss deshalb auch jedes Jahr besser werden.

?Es wird darüber spekuliert, ob Spieler wie Sie der U 21 in der EM-Qualifikation helfen sollten. Würden Sie es machen?

!Das Thema ist neu für mich, darüber habe ich mir wirklich noch keine Gedanken gemacht. Eigentlich hatte ich mit dem EM-Titel vor einem Jahr mit der U 21 abgeschlossen. Schließlich bin ich danach nur noch A-Nationalspieler gewesen . . .

Auf der Suche nach einem neuen Spitznamen

Neuer Spitzname für Marko Marin

?. . . und würden lieber am 11. August mit der A-Nationalmannschaft gegen Dänemark spielen?

!Länderspiele sind immer schön. Aber der Termin ist wirklich schwierig, weil für uns eine Woche später in der Champions-League-Quali so viel auf dem Spiel steht. Aber der Bundestrainer wird das schon machen . . .

?Wie gefallen Ihnen eigentlich die neuen Werder-Trikots?

!Na ja, etwas gewöhnungsbedürftig sind die schon. Aber vielleicht haben die Gegner Angst vor unseren Zacken.

?Das letzte Mal, als Werder-Trikots so in der Kritik standen . . .

!. . . hat Werder 2004 das Double geholt. Ich weiß, das waren doch die Papageientrikots. Also ich hätte nichts dagegen, wenn wir mit den Zacken genauso erfolgreich wären. Und dann würden sie bestimmt jedem gefallen . . .

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