Eichin im Interview: „Gut vorbereitet“

„Ich mache nicht die große Welle“

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Tschöö, Kölle! Thomas Eichin hat seinen Schreibtisch bei den Haien mittlerweile geräumt. Am Donnerstag tritt der neue Geschäftsführer seinen Dienst bei Werder Bremen an.

Bremen / Köln - Es war ein gewagter Versuch, Thomas Eichin ans Telefon zu bekommen. Ausgerechnet gestern, am Rosenmontag, wenn in Köln der Karneval seinen Höhepunkt erreicht, der pure Ausnahmezustand herrscht.

Aber siehe da: Trotz 14 Jahren beim Eishockey-Club Kölner Haie hat Eichin eines nicht gelernt: das närrische Chaos in der Stadt zu lieben. „Ich bin kein Karnevalist“, sagt der 46-Jährige. Also ist er gesprächsbereit und berichtet kurz vor seinem Amtsantritt als neuer Geschäftsführer bei Werder Bremen am Donnerstag über seine Vorfreude auf den Job und die vor ihm liegenden Aufgaben.

Nur noch zwei Tage, dann werden sie ihr Büro in Bremen beziehen. Welche Gefühle begleiten Sie?

Eichin:Ich bin ein bisschen zwiegespalten, weil ich im Moment noch auf der Abschiedstour in Köln bin. Heute werde ich auf dem Eis (Tabellenführer Köln empfängt die Adler Mannheim zum Spitzenspiel, d. Red.) offiziell verabschiedet. Deshalb ist die Gefühlswelt noch ein bisschen gemischt. Ich freue mich aber sehr auf Bremen und bin froh, dass ich die Doppelbelastung mit Aufgaben in Köln und für Werder los bin. Das war in den vergangenen Tagen schon ein bisschen viel.

Ihren Schreibtisch bei den Haien haben Sie schon geräumt?

Eichin:Die letzten Dinge sind übergeben, mein Nachfolger Lance Nethery ist eingearbeitet. Jetzt kann es in Bremen losgehen.

Sie haben den Kölnern mit der Verpflichtung des deutschen NHL-Rekordspielers (1 006 Einsätze) Marco Sturm (34) ein schönes Abschiedsgeschenk gemacht.

Eichin: An dieser Personalie haben wir lange gearbeitet. Jetzt hat Uwe Krupp (Trainer der Haie, d. Red.) seinen Wunschspieler bekommen. Ich gehe mit einem guten Gewissen und hinterlasse ein bestelltes Feld. Die Haie stehen in der DEL auf Platz eins, haben einen sehr, sehr guten Kader und sind für den Endspurt bestens gerüstet.

Im Eishockey einen Marco Sturm zu verpflichten, ist ungefähr so, als ob Miro Klose in die Bundesliga zurückkehrt.

Eichin:Der Vergleich ist gut.

Sind solche Transfers bei Ihnen zu erwarten?

Eichin (lacht):Zu solchen Themen kann ich mich noch nicht äußern. Über Transferziele möchte ich mich erstmal mit den Verantwortlichen vor Ort unterhalten, was geht und was nicht geht. Erstmal muss ich reinkommen in das ganze Thema, alle handelnden Personen kennenlernen.

Wie lange wird es dauern, bis sie bei Werder in alle Ecken geguckt haben?

Eichin:Normalerweise müsste ich relativ schnell drin sein. Ich habe eine gewisse Vorarbeit schon geleistet und in der Zeit von Ende Dezember bis heute sehr viele Unterlagen gewälzt. Ich denke, dass ich gut vorbereitet bin und am Anfang nicht nur blöde Fragen stellen werde. Mit Frank Baumann tausche ich mich jetzt schon fast täglich aus. Für mich ist erstmal wichtig, dass ich die Abläufe bei Werder kennenlerne. Deshalb ist es auch gut für mich, dass ich mitten in der Saison anfange, um genau zu sehen, wer macht was, wie laufen die Spieltage ab. All diese Dinge interessieren mich erstmal.

Der Zeitpunkt, bei Werder einzusteigen, könnte schlechter sein. Die Stimmung ist nach zwei Siegen in Folge mal wieder gut.

Eichin: Ich war am Samstag in Stuttgart, habe die Mannschaft im Hotel und nach dem Spiel in der Kabine besucht. Den Sieg habe ich sehr genießen können. Aber ich war auch beim 0:5 gegen Dortmund im Stadion…

Waren Sie verschreckt, geschockt?

Eichin:Ich habe vor allem die Reaktion der Mannschaft auf die hohe Niederlage verfolgt. Und die war in allen Spielen danach sehr gut. Schon in Hamburg hat das Team sehr gut, sehr leidenschaftlich gespielt und unglücklich verloren. Hannover war eine unglaublich gute Leistung, mit sehr Mut. Und dann Stuttgart. Ich bin seit 1. Februar faktisch bei Werder Bremen, und seitdem haben wir zweimal gewonnen. Deshalb bin ich sehr zufrieden.

Sie sind also ein Glücksbringer.

Eichin:Es wäre schön, wenn es so einfach wäre. Aber die Siege hat sich allein die Mannschaft erarbeitet und sehr verdient die sechs Punkte mitgenommen.

Sie haben 14 Jahre im Eishockey-Business zugebracht.  Wieviel Fußball steckt nach dieser langen Zeit noch in Ihnen?

Eichin:Ich habe an die 1 000 Spiele im Eishockey in verantwortlicher Position gemacht, aber in der gleichen Zeit vielleicht die doppelte Zahl an Fußballspielen geguckt. Fußball war immer meine Leidenschaft, ich habe meinen Trainerschein gemacht, ich treibe mich auf den Plätzen rum. Mein kompletter Freundeskreis besteht aus Fußballspielern und Fußballtrainern.

Wer gehört dazu?

Eichin:Uwe Kamps (Torwarttrainer bei Borussia Mönchengladbach, de. Red.), Michael Frontzeck (Trainer des FC St. Pauli, d. Red.) und Rainer Bonhof (Vize-Präsident Bor. M’gladbach, d. Red.) zum Beispiel. Mit Rainer Bonhof war ich am Sonntagabend noch essen. Das sind alles Leute, mit denen ich sehr häufig kommuniziere. Ich bin eben immer Fußballer geblieben. Eishockey war mein Beruf, der auch zu so etwas wie einer heimlichen Liebe geworden ist. Aber ich bin durch und durch Fußballer.

Eishockey-Spieler gelten als beinhart, Fußball-Profis als verhätschelt. Müssen Sie sich auf das spielende Personal bei Werder anders einstellen?

Eichin:Ich glaube, dass der Fußball anders agiert, weil er viel mehr im Fokus der Öffentlichkeit steht. Das ist der größte, vielleicht sogar der einzige Unterschied. Wenn der Eishockey-Spieler im Spiel zwei große Fehler macht, interessiert das die nächsten Tage niemanden. Wenn ein Fußballer über den Ball haut und es fällt ein Tor, dann kann er sich das eine Woche lang anhören. Das ist die große Differenz zwischen den Sportarten. Aber ansonsten: Sportler sind Sportler. Und ob dir ein Eishockey-Agent oder ein Fußball-Berater am Schreibtisch gegenüber sitzt, wird auch nicht der große Unterschied sein.

Mehr mediale Aufmerksamkeit – das bedeutet auch mehr Stress für Sie. Die Außendarstellung des Clubs gehört zu Ihren Aufgaben.

Eichin:Ich mag das. Als Manager kannst du im Fußball immer Rede und Antwort stehen, das ist gut so. Im Eishockey kommt das seltener vor, da waren es fast nur die Printmedien, die Interesse hatten. Es ist aber immer besser, dass du auch mal vor der Kamera die Situation erklären kannst.

Wie werden die ersten Tage, Wochen in Bremen ablaufen? Begleitet Sie Ihre Familie direkt in die neue Heimat?

Eichin:Ich gehe erstmal ins Parkhotel, nehme mir vielleicht ein Appartement. Meine Frau und meine jüngere Tochter kommen im Juni nach. Es sieht so aus, als hätten wir schon ein Haus gefunden.

Sie übernehmen Verantwortung bei einem Club, der im vergangenen Geschäftsjahr ein Minus von fast 14 Millionen Euro eingefahren hatte. Für das laufende Geschäftsjahr wird der nächste Verlust erwartet. Große Sprüngeb auf dem Transfermarkt sind da kaum möglich. Wie gehen Sie damit um?

Eichin:Werder Bremen hat eine sehr, sehr gute Basis. Ich habe mir die Zahlen schon angeguckt, das ist alles in Ordnung. Damit kann man arbeiten, und das werden wir auch tun.

Sie kommen als Frischling in bestehende Strukturen. Wie werden Sie sich gegenüber Thomas Schaaf, Klaus-Dieter Fischer und Willi Lemke, die alle schon Jahrzehnte dabei sind, verhalten?

Eichin:Mit all den Leuten, die Sie gerade ansprechen, habe ich sehr viele Gespräche geführt. Die sind mir alle sehr sympathisch. Da ist es überhaupt kein Problem, mich so zu geben, wie ich bin.

Wie sind Sie denn?

Eichin:Ich bin offen, ehrlich und direkt. Aber ich bin niemand, der großkotzig auftritt, das war ich nie. Ich mache nicht die große Welle und verschwinde dann wieder.

Wie gestalten Sie Ihre letzten Tage in Köln?

Eichin: Wie gesagt: Heute die Verabschiedung auf dem Eis, morgen gibt es dann noch ein Essen mit den Mitarbeitern, da trinken wir noch ein Kölsch zusammen – und das war es dann. Dann fahre ich Donnerstagmorgen nach Bremen, um pünktlich zur Pressekonferenz mit Thomas Schaaf um 12.30 Uhr da zu sein.

Herr Eichin, genießen Sie Ihr Kölsch, in Bremen gibt es Becks.

Eichin:Mir schmeckt beides, kein Problem.

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