Coach Schaaf will Werder gut gelaunt wieder nach oben führen

„Ich lasse keine Sekunde nach“

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Thomas Schaaf im Gespräch mit Sportredakteur Björn Knips.

Werder-Bremen - Von Björn Knips · Es ist schon kurios: Läuft’s bei Werder Bremen gut, dann mimt Thomas Schaaf gerne den muffeligen Coach. In Krisenzeiten blüht der 49-Jährige dagegen auf, erklärt gut gelaunt die Problematik des Bundesligisten – und er macht nicht nur das im Interview:

Bundestrainer Joachim Löw hat das Bundesverdienstkreuz erhalten. Haben es Trainer und Sportler verdient, solche Auszeichnungen zu bekommen?

Es ist wie alles im Leben relativ. Wenn man den Maßstab ansetzt, dass man zum Beispiel einem anderen das Leben retten kann, dann passt die Verhältnismäßigkeit zum Sport nicht. Aber wenn man sagt: Da wurden viele Menschen erreicht, man hat ihnen etwas Schönes gegeben – dann ist das bei der WM passiert. Die Nationalelf hat Deutschland sehr positiv vertreten.

Wenn Sie sich heute Abend das Länderspiel gegen die Türkei anschauen, denken Sie da in erster Linie: „Hoffentlich verletzt sich keiner meiner Spieler“?

Nein. Denn gerade wenn du meinst, jetzt darf sich keiner mehr verletzen, ziehst du das Pech nur so an. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass es im personellen Bereich immer wieder außergewöhnliche Konstellationen gibt.

Thomas Schaaf im Interview

So wie nun den inoffiziellen Verletztenrekord bei Werder.

Schauen Sie sich doch mal die Verletzungen an – zum Beispiel ein Knochenödem. Das hat es bei uns früher, als ich noch Spieler war, gar nicht gegeben. Aber nun hat die Medizin die Möglichkeit, solche Dinge zu entdecken. Früher wurde bei solchen Verletzungen wahrscheinlich weitergespielt, oder früher war die Karriere nach solchen Diagnosen vielleicht auch vorbei. Es ist ein Glück, dass viele Verletzungen mittlerweile erkannt und therapiert werden können, aber das braucht manchmal auch seine Zeit. Und um Ihre nächste Frage vorwegzunehmen: Jede Verletzung hat ihre Ursache, aber sie ist bei uns nicht auf ein falsches Training zurückzuführen. Das haben wir natürlich hinterfragt.

In Dortmund gab’s vor Jahren eine Häufung von Kreuzbandrissen . . .

. . . und dann hat man gesagt, es lag an den Schuhen oder am Rasen. Das passt für uns nicht. Wir hinterfragen uns täglich, wie wir die Belastung setzen und Erholung geben müssen. Das war auch kürzlich Thema bei der Tagung vom Bund Deutscher Fußball-Lehrer. Eine der Hauptfragen war: Gibt es Parameter, die mir zeigen, wie kaputt oder müde ein Spieler tatsächlich ist?

Wie lautete die Antwort?

Es gab keine. Dem Trainer bleibt nur das geschulte Auge, zu sehen, wie geht’s dem Spieler. Dann kann er noch bei ihm nachfragen und ihn möglicherweise zum Arzt schicken, um Infekte oder ähnliches auszuschließen.

Geben die Spieler immer ehrliche Antworten?

Es liegt immer auch an der Situation eines Spielers. Wenn einer unbedingt spielen will, dann wird er nicht sagen: Trainer, ich bin aber so ‘was von kaputt.

Wie Aaron Hunt mit seiner Grippe in Hoffenheim?

Nein, man darf jetzt Dinge nicht verwechseln. Es gibt auch mal Momente, in denen ein Spieler angeschlagen ist. Aber wenn er dann spielt, muss er zu 100 Prozent leistungsfähig sein. Natürlich haben Sie Recht : Die Spieler haben in diesem Bereich eine hohe Verantwortung, die wird gerne mal vergessen.

Ziehen Sie Lehren aus der Verletztenmisere?

Die Prophylaxe ist extrem wichtig. Dazu gehört auch eine gute Vorbereitung. Wir trainieren ja nicht sechs Wochen aus Spaß. Wenn Sie einen 100-Meter-Sprint machen wollen, müssen Sie sich vorbereiten. Machen Sie das nicht, knallt’s vielleicht nach 50 Metern und Sie haben sich irgendetwas gerissen. Die Vorbereitung ist die Basis.

Hier geht es zum zweiten Teil des Interviews mit Thomas Schaaf

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