Doppel-Bock von Lukimya

„Ich komme da wieder raus“

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Leidensmiene bei Assani Lukimya. Beim 0:2 gegen Schalke 04 erlebte der Werder-Verteidiger den schlimmsten Tag seiner Karriere.

Bremen - Ja, nach dem schrecklichsten Spiel seinerKarriere musste Assani Lukimya auf die Couch. Auf die eigene allerdings. Besuch aus Düsseldorf, der alten Heimat, hatte sich am Samstagabend bei ihm angesagt.

Willkommene Ablenkung für den Innenverteidiger von Werder Bremen, der das Heimspiel gegen Schalke 04 mit zwei eklatanten Fehlern quasi im Alleingang verloren hatte. „Das beschäftigt einen natürlich“, sagte Lukimya nach der 0:2 (0:0)-Pleite. Aber nein, auf die Psychologen-Couch müsse er deshalb nicht, meinte der 27-Jährige: „Ich bin mental stark genug, um diese Situation zu überstehen.“

So etwas ist schnell behauptet, aber schwer bewiesen. Nimmt man nur die Fakten der letzten beiden Partien, so entsteht zwangsläufig der Verdacht, dass Lukimya dem Nervenspiel Abstiegskampf nicht gewachsen ist. Beim 1:1 in Mainz hatte er schon nach wenigen Sekunden den Gegentreffer verschuldet. Gegen Schalke gingen die Treffer von Julian Draxler (51.) und Ciprian Marica (68.) wieder auf seine Kappe. Zwei Spiele, drei Fehler – nur Zufall?

Laut Trainer Thomas Schaaf schon. „Es ist nicht abzusehen gewesen, dass so etwas passiert“, erklärte der 51-Jährige und argumentierte: „Er hat in Mainz nach seinem Fehler eine gute Partie gemacht und auch gegen Schalke eine gute erste Halbzeit gespielt.“ Aber jetzt ist möglicherweise der Punkt gekommen, an dem Lukimya eine Auszeit braucht. „Es wird an ihm nagen“, vermutet Schaaf und setzt im Umgang mit dem Spieler auf dosierte Distanz: „Man muss ihn jetzt erstmal in Ruhe lassen. Aber wir müssen ihn auch unterstützen, damit er nicht zu lange mit der Situation hadert.“

Wird er nicht machen, behauptete Lukimya am Tag nach seinem persönlichen Desaster. Gerade wie ein Besenstiel trat der 90-Kilo-Mann gestern vor die Medienvertreter und beteuerte, dass er nicht vorhabe, sich in der Schämecke zu verkriechen. „Im Fußball heißt es Kopf hoch und nicht Kopf runter“, sagte er und gab einen Einblick in sein – offenbar intaktes – Seelenleben: „Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, eine Situation wie diese geht einfach an mir vorbei. Aber es bringt doch nichts, sich jetzt zu verstecken.“ Die von allen Kollegen dargebotenen verbalen Streicheleinheiten (siehe Reaktionen) vernahm er zwar, notwendig seien sie aber nicht, sagte Lukimya: „Das ist nett, aber ich komme da auch alleine wieder raus.“ Fehler, wie er sie gemacht habe, seien schließlich normaler Bestandteil seines Berufs: „Die passieren nicht zum ersten Mal im Fußball. Die habe ich auch schon in der Champions League gesehen.“

Im Abstiegskampf können sie aber besonders fatal sein. „Lukis“ Aussetzer haben Werder in den vergangenen beiden Partien wichtige Punkte gekostet – vielleicht zwei in Mainz, mindestens einen, wenn nicht gar drei gegen Schalke. Denn bis zum 0:1 waren die Bremer die bessere Mannschaft, konnten nach der besten Halbzeit der vergangenen Wochen auf einen Sieg gegen den Tabellenvierten hoffen. „Das erste Gegentor hat uns dann den Schwung genommen“, beschrieb Schaaf den Bruch im Spiel seiner Mannschaft. Nach dem 0:2 ging dann gar nichts mehr bei den nunmehr seit sieben Spielen sieglosen Bremern. „Wieder haben wir für unsere Unerfahrenheit einen hohen Preis bezahlt“, meinte der als Notlösung nach rechts verschobene Abwehrchef Sokratis. Für Aaron Hunt ist es „nicht zu erklären, warum wir den Gegner immer wieder zu Toren einladen. Das passiert ständig.“

Die Einzelkritik

Die Einzelkritik: Lukimya haarsträubend

Und wirkt offenbar betäubend auf die ganze Truppe. Gegen Schalke antwortete die Mannschaft jedenfalls mit kollektivem Versagen auf die Saison-Gegentore 53 und 54 (absoluter Höchtswert in der Liga). Werder versuchte sich erst gar nicht an einer Aufholjagd, die Mannschaft wirkte plötzlich leblos und leer. Hunt: „Wir hatten noch Zeit, das Ding zu drehen, schaffen es aber nicht.“ Weshalb nach zuvor drei Unentschieden aus dem erhofften Befreiungsschlag der nächste Rückschlag wurde. Und am Samstag geht es zum Tabellen-15. und direkten Konkurrenten Fortuna Düsseldorf, Lukimyas Ex-Club. Wer da verliert, steckt ganz tief im Schlamassel. „Das wird ein Schlüsselspiel“, orakelte „Luki“. Dass seine Düsseldorfer Bekannten ihn dann auf dem Platz in Aktion sehen werden, ist seit Samstag keinesfalls garantiert. · csa

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