„Ich kann den Trainer verstehen“

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Am freien Sonntag hat Sebastian Prödl viel nachgedacht und sich entschieden, keinen Frust zu schieben.

Bremen - Fußball ist ein Mannschaftssport – eigentlich: Denn im Profibereich schaut der Einzelne gerne mehr auf sich, schließlich geht‘s auch um eine Menge Geld. Da kann so ein Stammplatzverlust – auf Dauer gesehen – teuer werden. Verständnis für die eigene Degradierung ist da selten. Sebastian Prödl vom SV Werder Bremen bildet da eine bemerkenswerte Ausnahme.

Der Innenverteidiger musste gegen Dortmund auf die Bank, weil sich Coach Thomas Schaaf für das Startelf-Comeback von Naldo entschieden hatte. „Natürlich war ich überrascht“, erinnert sich der 24-Jährige, um dann gleich selbst zu überraschen: „Ich kann den Trainer verstehen, weil Naldo Woche für Woche stärker geworden ist. Er hat sich hervorgetan. Das ist doch auch mir im Training aufgefallen.“

So verständnisvoll gegenüber einer Trainerentscheidung äußert sich kaum ein Profi, der gerade vom Stammspieler zum Zuschauer geworden ist. Zumal sich Prödl für dieses Jahr so viel vorgenommen hatte. Nach einer mehrmonatigen Verletzungspause wollte der österreichische Nationalspieler in seinem letzten Vertragsjahr bei Werder voll durchstarten und von der Aushilfskraft in der Abwehr zum Leistungsträger werden. Da passte es ihm bestens, dass Per Mertesacker kurz nach Saisonbeginn mit seinem Wechsel zum FC Arsenal seinen fest vergebenen Platz im Abwehrzentrum räumte. Genauso hilfreich war Schaafs Schachzug, Neuzugang Sokratis vom Innen- zum Außenverteidiger umzufunktionieren. Fortan bildeten Prödl und Andreas Wolf die Innenverteidigung – durchaus mit Erfolg, immerhin spielte sich Werder bis auf Rang zwei der Bundesliga vor. Doch Naldo drängte nach über einem Jahr Pause wegen eines Knochenödems im Knie schneller als erwartet zurück ins Team – und deshalb erwischte es Prödl.

„Es ist doch klar, dass Sebastian enttäuscht ist“, fühlt Naldo mit. Wolf auch, und der Neue aus Nürnberg macht Prödl Mut: „Sebastian braucht den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Er ist ein sehr guter Spieler und wird seine Chancen bekommen. Der Fußball ist doch so schnelllebig.“

Darauf setzt auch Prödl und verweist auf Klaus Allofs. Der Werder-Boss hatte nach dem Dortmund-Spiel betont, dass die Situation in der Abwehr sehr ausgeglichen sei. „Da ist doch jetzt nichts einzementiert“, betont Prödl: „Ich bin gut drauf – die anderen aber auch. Also muss ich im Training weiter Vollgas geben.“

Eine Sichtweise, die erst wachsen musste. Am Tag nach der Dortmund-Partie hatte der gefrustete Bremer noch jede Nachfrage zu seiner Situation abgelehnt. Nun gibt er bereitwillig Auskunft, „weil ich am freien Sonntag nachgedacht habe, viel mit meinen Vertrauten gesprochen habe und eine Marschroute festgelegt habe.“ Und die besagt, so Prödl: „Die Mannschaft steht immer im Vordergrund, deshalb darf ich jetzt nicht negativ denken und mich öffentlich auch nicht negativ äußern. Okay, ich bin etwas zurückgefallen, aber deshalb ist mein Weg hier nicht zu Ende. Ich kann die Situation ausgeglichen gestalten, weil ich auch gut bin.“ · kni

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