Frank Baumann genießt seine Auszeit, feiert aber heute als „Nationalspieler“ ein Comeback

„Ich kann endlich mal entspannen“

Mehr Zeit für die Familie: Frank Baumann schnappte sich schon direkt nach dem Pokalsieg in Berlin seine Kinder Moritz und Louisa für eine Ehrenrunde. In den letzten Wochen folgten dann endlich mal wieder ein Familienurlaub und viele Ausflüge.

Von Björn Knips · Eigentlich ist er seit vier Monaten „Rentner“, und sein letztes Länderspiel liegt sogar schon viereinhalb Jahre zurück – trotzdem feiert Frank Baumann heute sein Comeback im Dress der deutschen Nationalmannschaft. Wenn auch nur in einer Traditionsauswahl, die in Moskau im Rahmenprogramm des WM-Qualifikationsspiels Russland gegen Deutschland antritt.

Ansonsten ist beim 33-Jährigen eher Ruhe angesagt. Nach 15 Jahren als Profi gönnt sich der ehemalige Werder-Kapitän gerade eine siebenmonatige Auszeit, ehe er am 1. Januar 2010 beim Bremer Bundesligisten seinen Dienst als Assistent von Sportchef Klaus Allofs antritt. Der Bitte nach einem Interview kam Baumann trotzdem sofort nach, es ging allerdings nur am Telefon.

?Hallo Herr Baumann, wo erwischen wir Sie gerade?

!Ich sitze mit meiner Familie im Auto, wir sind auf dem Weg in meine Heimat nach Würzburg.

?Als Werder-Profi wäre das nicht möglich gewesen, da müssten Sie auf dem Trainingsplatz stehen.

!Stimmt, und deshalb genieße ich das jetzt auch. Das ist wirklich ein schöner Nebeneffekt meines Karriereendes. Im Sommer konnte ich endlich mal wieder mit der ganzen Familie Urlaub machen. In den Jahren davor ging das nicht, weil meine Kinder schulpflichtig sind und ich in den Ferien für Werder im Einsatz war.

?Was gefällt Ihnen noch am Ruhestand?

!Ich kann endlich mal entspannen. Als Profi ist doch immer ein gewisser Druck dabei, fit zu sein, Leistung zu bringen und erfolgreich zu spielen. Da darf man sich eigentlich nie richtig ausruhen.

?Was haben Sie nach ihrem letzten Spiel, dem DFB-Pokalsieg am 30. Mai gegen Bayer Leverkusen, gemacht?

!An Sport erst einmal ein paar Wochen gar nichts. Ich habe viel Zeit mit meiner Familie verbracht.

?Von 100 auf 0 – geht das als Leistungssportler überhaupt?

!Eigentlich nicht. Deshalb bin ich jetzt auch regelmäßig wieder aktiv, laufe ein bisschen, spiele Tennis und kicke hin und wieder mit Bekannten.

?In Russland feiern Sie sogar Ihr Comeback im DFB-Dress. Wie kam es dazu?

!Der DFB hat Dieter Burdenski damit beauftragt, sich für dieses Spiel um eine Traditionsmannschaft zu kümmern. Und „Budde“ hat mich und auch einige andere Bremer wie Dieter Eilts, Mirko Votava und Wolfgang Rolff gefragt, ob wir Lust dazu haben. Für mich ist es eine gute Gelegenheit, alte Kontakte aufzufrischen und neue zu knüpfen. Bei Länderspielen sind ja immer wichtige Leute aus dem Fußball vor Ort.

?Das Spiel findet auf dem umstrittenen Kunstrasen statt, auf dem es wenige Stunden später auch um die WM-Qualifikation geht. Haben Sie keine Angst vor dem ungewohnten Geläuf?

!Nein, ich bin Kunstrasen aus Bremen gewohnt. Da hatten wir im Winter auf den Trainingsplätzen ja immer Probleme mit der Rasenheizung und mussten auf unseren Kunstrasen ausweichen.

?Fehlt Ihnen das Training mit den Werder-Kollegen?

!Ein bisschen schon. Natürlich war es schön, immer in einer Gemeinschaft zu sein, Späße zu machen und Siege zu feiern. Und es war immer ein tolles Gefühl, nach einem Sieg völlig erschöpft in der Kabine zu sitzen. Da war man dann einfach nur glücklich. Deshalb freue ich mich schon auf meinen neuen Job, dann bin ich wieder näher an der Mannschaft dran.

?Waren Sie etwa in den vergangenen Monaten nicht mehr in der Werder-Kabine?

!Doch schon, aber nicht so oft. Ich wollte ein wenig Abstand bekommen, bevor ich meine neue Aufgabe übernehme.

?Befürchten Sie etwa Probleme mit Ihren Ex-Kollegen?

!Nein, andere haben diesen Wechsel ja in noch kürzerer Zeit hinbekommen. Ich erinnere da nur an Stuttgarts Manager Horst Heldt, der direkt vom Sportplatz in eine Führungsposition im Club gewechselt ist. Bei mir ist es etwas anders, weil ich im Prinzip Klaus Allofs nur begleite.

?Das klingt aber sehr nach dem Azubi Baumann.

!Erst einmal sehe ich die zweieinhalb Jahre an der Seite von Allofs auch als Lehrzeit an. Aber ich soll ihn bei gewissen Dingen auch entlasten und selbständig arbeiten. Es wird schon genug zu tun geben für mich. Ich will ja auch in andere Bereiche des Clubs wie Marketing und soziales Engagement reinschnuppern.

?Haben Sie sich schon auf Ihre neue Aufgabe mit der offiziellen Bezeichnung Assistent der Geschäftsführung Profi-Fußball vorbereitet?

!Das geht langsam los. Ich habe vor drei Jahren ein Fernstudium Sportmanagement begonnen. Da habe ich mir die Unterlagen noch mal vorgenommen. Ich weiß aber nicht, ob ich da noch meinen Abschluss hinbekomme. Außerdem werde ich in den nächsten Wochen für ein paar Tage zu meinem Berater fahren, um dort einen Einblick in seine Arbeit zu erlangen. Vielleicht schaffe ich es auch noch, meinen ersten Trainerschein zu machen.

?Wie gefällt Ihnen das Werder-Spiel ohne Frank Baumann?

!Endlich läuft’s . . . Mir gefällt es richtig gut. Die Mannschaft steht gut da – nicht nur in der Bundesliga, sondern auch in den Pokalwettbewerben.

?Wie macht sich Torsten Frings, der von Ihnen das Kapitänsamt übernommen hat?

!Gut, obwohl es für ihn ja keine große Veränderung war. Er hatte auch schon in den Jahren zuvor den Status eines Führungsspielers.

?Sie sollen bei Werder Ehrenspielführer werden.

!Davon weiß ich nichts.

?Wirklich nicht?

!Es ist für mich als Betroffener doch schwierig, darüber etwas zu sagen. Natürlich würde ich mich darüber freuen, aber es wäre auch kein Problem, wenn es kein Thema wäre. Ich freue mich jetzt erst einmal auf meine neue Aufgabe im Verein.

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