Ailton freut sich auf seinen Ex-Club, schmiedet Zukunftspläne und will Bürgermeister werden

„Ich hau’ Werder drei Stück rein“

Sommer, Sonne, Spaß – das gefällt Ailton noch immer am Besten.

Norderney · Sechs Jahre lang, von 1998 bis 2004, spielte Ailton für Werder Bremen, „die schönste Zeit meines Lebens“, wie er sagt. Höhepunkt war freilich der Gewinn des Doubles 2004.

Im selben Jahr wurde der heute 36-Jährige mit 28 Treffern auch Bundesliga-Torschützenkönig und als erster Ausländer zu „Deutschlands Fußballer des Jahres“ gewählt. Mittlerweile kickt „Toni“ für den Niederrheinligisten KFC Uerdingen. Am Montag gibt’s für Ailton nun auf Norderney ein Wiedersehen mit „dem Club meines Herzens“. Werder trifft im Testspiel auf Uerdingen – für den Profi auch eine Reise in die Vergangenheit.

?Ailton, wie groß ist die Vorfreude auf das Spiel?

!Riesengroß natürlich. Für meine Mannschaft geht’s darum, dass die neuen Spieler mal getestet werden. Ich will einfach nur Spaß haben. Wir haben keine Chance gegen Werder. Doch es ist mir egal, ob wir nun 0:10 oder 0:20 verlieren – Hauptsache, ich habe einen Mordsspaß, sehe Freunde wieder, spreche mit Klaus Allofs und Thomas Schaaf und feiere ein bisschen mit den Fans.

?Wie viele Tore wollen Sie gegen Werder schießen?

!(grinst) Ich haue Werder drei rein. Aber nur drei, denn schieße ich mehr, kommt Thomas Schaaf und gibt mir einen Einjahresvertrag bei Werder. Aber ich will Claudio Pizarro ja seinen Platz nicht wegnehmen . . .

?Haben Sie noch viel Kontakt zu Pizarro?

!Natürlich. Wir hatten eine schöne Zeit bei Werder. Ich habe auch noch Kontakt zu Torsten Frings und Frank Baumann. Und in Bremen natürlich noch viele Freunde. Bremen ist ein Teil meines Lebens, Werder der Club meines Herzens.

?Das heißt, vor dem Spiel am Montag kommen die alten Erinnerungen noch mal hoch?

!Klar, ich habe acht Jahre lang das Trikot von Werder getragen und alles gegeben. Die Fans haben mich nicht vergessen. Es war eine unglaubliche Zeit. Ich hoffe, dass Werder in diesem Jahr noch einmal Meister wird. Und dann schleiche ich mich heimlich auf den Platz und halte die Schale hoch . . .

?Bis dahin ist ja noch ein bisschen Zeit. Jetzt beginnt erstmal die Vorbereitung auf Norderney. Sie waren im Januar schon mal da.

!Ja, Uerdingen hat dort ein Trainingslager gemacht, und es war saukalt. Ich kam gerade aus dem Urlaub aus Brasilien – und dann diese Kälte dort. Am Montag wird es zum Glück wärmer sein.

?An Norderney haben Sie ja ohnehin die eine oder andere Erinnerung . . .

!(lacht) Oh ja, ich weiß schon, worauf Sie hinauswollen.

?Nämlich?

!Ich glaube, es war im Jahr 2002. Ich bin zu spät aus dem Urlaub aus Brasilien gekommen, die Mannschaft war schon auf dem Weg nach Norderney. Thomas Schaaf hat mich angerufen. Er war natürlich sauer und hat gesagt, ich soll sofort herkommen. Egal, ob mit dem Flieger, der Bahn oder zu Fuß. Der war richtig wütend. Da ich nicht laufen wollte, hab’ ich dann ein Taxi genommen.

?War’s teuer?

!(lacht) Oh ja, ich hab’ ein paar hundert Euro zahlen müssen. Und Sondertraining gab’s dann obendrein. Das war damals der typische Ailton. Heute bin ich pünktlich.

?In Uerdingen haben Sie noch einen Vertrag bis 2011. Werden Sie den erfüllen?

!Ich will noch ein bisschen Spaß haben, Fußball spielen, trainieren. Das ist gut für mich und meinen Körper. Ich muss aber in erster Linie daran denken, was gut für meine Familie ist. Meine Frau und ich sprechen viel darüber, ob wir noch in Deutschland bleiben oder nach Brasilien zurückkehren. Im Moment sind meine Kinder sehr zufrieden. Doch im Winter können sie nicht draußen spielen. Das ist nicht schön. Meine Familie in Brasilien sehe ich sehr selten. Mein Vater kann nicht kommen, er hat Flugangst. Es gibt viele Dinge, die man überlegen muss: Hörst du auf dein Herz oder das Geld? Vielleicht ist es am Montag mein letztes Spiel für Uerdingen, vielleicht aber auch nicht.

?Und Ihr Vertrag?

!Ich kann selbst entscheiden, wann ich aufhöre. Und wenn ich nicht mehr motiviert bin, werde ich das auch tun.

?Wie geht’s dann nach der Karriere weiter?

!Ich will auf jeden Fall weiter im Fußball arbeiten. Ich habe viele Kontakte in Brasilien, China und in anderen Ländern. Ich habe vor, in einem Beraterbüro in Brasilien zu arbeiten, junge Talente zu sichten und zu vermitteln. Meine Idee ist, auch mit Werder zusammenzuarbeiten und Supertalente nach Bremen zu holen. Vielleicht kann ich Werder so etwas von dem zurückgeben, was der Club mir gegeben hat.

?Es gibt Gerüchte, dass Sie auch in die Politik gehen wollen.

!Ja, vielleicht. Es ist im Gespräch, dass ich in meiner Heimatstadt Mogeiro Bürgermeister werden soll. Ich habe den Leuten in meiner Stadt immer geholfen. Das haben sie nie vergessen.

?War es der größte Fehler Ihres Lebens, Werder zu verlassen? Immerhin ging Ihre Karriere danach den Bach runter.

!Es war ein ganz großer Fehler, keine Frage. Doch der größte Fehler meines Lebens war, dass ich später nach Istanbul gegangen bin. Ich hatte bei Schalke ja auch eine schöne Zeit. Aber Istanbul – das hätte ich nie machen dürfen. Ich hätte in Deutschland bleiben sollen. Das wäre auf jeden Fall besser für mich gewesen.

?Haben Sie sich zu sehr auf die falschen Berater verlassen?

!Es gab sicherlich viele Leute, viele falsche Menschen, die nicht wirklich fair für mich gearbeitet haben. Die haben nur an ihre Provision gedacht und nie daran, was das Beste für mich ist. Doch das ist vorbei. Ich muss jetzt zufrieden sein, so wie es ist.

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