Frank Baumann spricht im Interview über seinen neuen Job, die Werder-Krise und seinen Nachfolger

„Ich habe den Schritt nie bereut“

Frank Baumann ist auch in Belek stets unterwegs – und sei es mit dem Golfwagen.

Werder-Bremen - BELEK · Im Mai 2009 beendete Frank Baumann seine aktive Karriere bei Werder Bremen. Zum Abschluss durfte der ehemalige Kapitän noch einmal den DFB-Pokal in die Höhe halten. Zehn Jahre lang hatte der heute 35-Jährige für die Hanseaten gespielt, neun davon war er Kapitän gewesen. Nach einem halben Jahr Auszeit übernahm Baumann vor einem Jahr, im Januar 2010, bei Werder den Job als Assistent der Geschäftsführung. Im Interview spricht der gebürtige Franke über seinen Job, die Werder-Krise und einen Rat an seinen Nachfolger Torsten Frings.

?Herr Baumann, Sie sind erstmals als Offizieller und nicht als Spieler in Belek. Ein großer Unterschied?

!Nun, es ist nicht mehr so schweißtreibend wie früher. Ansonsten sind die Abläufe ja gleich geblieben.

?Wie war das erste Jahr als Assistent der Geschäftsführung? Spannend, schwierig?

!Es war spannend, intensiv, abwechslungsreich. Und es hat sehr viel Spaß gemacht. Ich habe schon viel in verschiedenen Bereichen arbeiten können, so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich bin sehr zufrieden.

?Welche Bereiche waren das genau?

!In erster Linie Dinge, die rund um die Mannschaft zu klären waren, organisatorische Sachen, Koordination der Spiele. Ich helfe den Neuzugängen, sich zu integrieren und kümmere mich im Nachwuchsbereich um die Jugendlichen, die in die U 23 oder den Profibereich wechseln. Es ist wichtig, ein Auge auf diese Spieler zu haben. Zudem war ich Hauptansprechpartner für die UEFA bei internationalen Spielen und habe Einblick in die Arbeit der internationalen Club-Vereinigung erhalten.

?Das klingt nach einem sehr zeitintensiven Job.

!Ich kann mich nicht beklagen, es wird nicht langweilig. Aber es ist die Arbeit, die ich machen wollte. Von daher ist das okay.

?Sind Sie auch bei Vertragsgesprächen dabei?

!Nicht grundsätzlich. Das macht Klaus Allofs. Doch ab und zu bin ich schon dabei.

?Und wie ist es, jetzt auf der anderen Seite des Tisches zu sitzen?

!Im Prinzip ist es nichts Neues. Als Spieler war ich ja dabei und habe mich damals auch schon in die andere Seite hineinversetzt. Sich schon damals mit den Interessen des Vereins auseinandergesetzt zu haben, schadet mir jetzt natürlich nicht.

?Ist es Ihnen rückblickend schwergefallen, ihre Karriere im Mai 2009 zu beenden?

!Die Umstellung war am Anfang sicher nicht einfach. Doch für mich war es der richtige Schritt. Ich habe ihn nicht bereut. Weder dass ich aufgehört habe, noch dass ich danach ein halbes Jahr gar nichts gemacht habe. Ich bin absolut zufrieden. Es ist alles so, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich bin froh, dass es so gekommen ist.

?Das halbe Jahr Pause haben Sie genommen, um zunächst einmal Abstand, vor allem zur Mannschaft, zu gewinnen. Ist Ihnen das gelungen?

!Ich denke schon. Die Mannschaft weiß, dass ich kein Spieler mehr bin. Das hat sich gut eingespielt. Natürlich habe ich noch mit vielen aktuellen Profis zusammengespielt, und wir kommen nach wie vor sehr gut miteinander aus. Was den Umgang betrifft, hat sich nicht viel verändert. Ich bin nur halt nicht mehr jeden Tag dabei.

?Können Sie sich vorstellen, einmal Sportdirektor eines Clubs zu werden?

!Ich weiß es nicht. Im Moment eher nicht. Ich habe noch einen Vertrag bis Dezember 2012 und bin mit meiner Rolle hier bei Werder sehr zufrieden. Was in ein paar Jahren passiert, kann ich noch nicht beurteilen.

?Wird es vielleicht einmal den Trainer Frank Baumann geben?

!Ich habe im vergangenen Jahr meine B-Lizenz gemacht und möchte jetzt, so es meine Zeit zulässt, auch den A-Schein machen. Doch ob ich irgendwann mal Trainer sein werde, kann ich nicht sagen. Auch das wird die Zukunft zeigen.

?Wie erleben Sie die Werder-Krise?

!Natürlich bin auch ich nicht glücklich darüber. Aber wir hatten in den letzten Jahren immer mal schwierige Phasen und sind da gut rausgekommen. Und ich bin überzeugt, dass wir eine bessere Rückrunde spielen werden.

?Wie groß ist die Gefahr einer Selbstverständlichkeit, da unten wieder rauszukommen? Nach dem Motto: Wir schaffen das schon.

!Man muss die Lage sachlich und kritisch betrachten. Wir haben zu wenig Punkte und dürfen die Situation nicht unterschätzen. Man darf sich aber auch nicht verrückt machen lassen, muss die Sache optimistisch angehen. Die Mannschaft muss noch härter und konzentrierter arbeiten als bisher. Und das tut sie hier in Belek.

?Sie haben als Kapitän von Werder Ihre Karriere beendet. Ihr Nachfolger Torsten Frings geht ebenfalls mit dem Gedanken schwanger, im Sommer aufzuhören. Was raten Sie ihm?

!Ich habe mit Torsten über die Situation gesprochen und ihm auch einen Rat gegeben. Doch der ist nur für Torsten und nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Es wird der Zeitpunkt kommen, an dem Torsten für sich entscheiden muss, was das Beste für ihn ist. Und er ist erfahren genug, das zu tun.

Das könnte Sie auch interessieren

Grusellabyrinth und Horror-Fest: Halloween in Deutschland

Grusellabyrinth und Horror-Fest: Halloween in Deutschland

Wie werde ich Winzer/in?

Wie werde ich Winzer/in?

Zu Tisch! - Große Tafeln brauchen Raum zum Wirken

Zu Tisch! - Große Tafeln brauchen Raum zum Wirken

Herbstmarkt in der Syker Innenstadt

Herbstmarkt in der Syker Innenstadt

Meistgelesene Artikel

Das passiert am Dienstag

Das passiert am Dienstag

Rosenberg zum dritten Mal Schwedischer Meister

Rosenberg zum dritten Mal Schwedischer Meister

Das passiert am Mittwoch

Das passiert am Mittwoch

Schlimme Werder-Krise: Nouri bleibt, Psychologe kommt

Schlimme Werder-Krise: Nouri bleibt, Psychologe kommt

Kommentare