Trainer Schaaf spricht über wachsende Kritik

„Ich habe noch so viel Begeisterung“

T. Schaaf

Bremen - Der Schein trügt – sagt Thomas Schaaf. Wer den Werder-Trainer zuletzt beobachtet hat, sah in der Regel einen freudlos wirkenden Mann. Zweifel mehrten sich, ob der 51-Jährige seinem Team nach wie vor Spaß am Fußball vermitteln und Euphorie entfachen kann.

Er kann, betont er selbst: „Ich habe noch so viel Temperament und Begeisterung. Das muss ich sogar noch runterfahren. Warum rasseln der Vierte Offizielle und ich zum Beispiel ab und an zusammen?“, fragte Schaaf gestern während eines Pressegesprächs.

Zu dessen Beginn hatte er noch ein wenig angespannt gewirkt. Schaaf verschränkte die Arme vor der Brust, als wolle er damit alle brisanten Fragen, vor allem zu seiner Person, direkt abblocken. Aber er beantwortete sie – ruhig und sachlich statt bissig und beleidigt. Und er räumte ein: „Wenn Kritik aufkommt, muss ich mich ihr stellen wie jeder andere auch – und sehen, wo ich ‘was verändern kann. Ich bin Teil eines Gesamtprojekts hier und kann mich da nicht ausnehmen.“

Den Vorwurf, er komme mit den inzwischen vielen jungen Spielern bei Werder nicht mehr klar, will Schaaf nicht auf sich sitzen lassen: „Wer kann das beurteilen, wer erlebt den täglichen Umgang mit? Wir hatten in dieser Saison die jüngste Werder-Mannschaft der Vereinsgeschichte auf dem Platz. Wenn ich mit denen nicht mehr klarkommen würde, warum mache ich es dann noch? Fragen Sie doch Spieler wie Niclas Füllkrug, Tom Trybull oder Florian Hartherz, wie ihr Verhältnis zum Trainer ist“, sagte Schaaf.

Der Coach gerät angesichts der enttäuschenden Saison, die nach einer katastrophalen Rückrunde auf Platz neun endete, mehr und mehr in die Kritik. Im letzten Heimspiel gegen Schalke war im Weserstadion sogar mal wieder ein „Schaaf-raus“-Schild zu sehen. Dazu sagte er: „Natürlich ist es angenehmer, wenn ,Schaaf, bleib’ noch lange Trainer hier‘ auf solchen Plakaten steht. Aber damit muss ich leben.“

Sorgen, dass die Stimmung in Bremen weiter ins Negative kippt, plagen den 51-Jährigen nicht: „Ich mache mir viel mehr Gedanken darüber, wie ich aus einem nicht so guten Zustand wieder einen sehr guten machen kann. Wir wollen wieder eine Zufriedenheit bei uns und den Fans erreichen. Daran werden wir intensiv arbeiten.“ · mr

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