Werder-Profi Peter Niemeyer hat den Bilbao-Blackout abgehakt, aber zufrieden ist er trotzdem nicht

„Ich habe mir nichts versaut“

Peter Niemeyer

Bremen - Von Björn Knips · Maracujasaft und Tomatensuppe – die gelb-rote Bestellung bei einem Italiener in Bremen passt irgendwie ins Bild. Denn mit dieser Farbkombination hat Peter Niemeyer vor gut einer Woche für ziemlich viel Aufsehen gesorgt.

Nur vier Minuten nach seiner Einwechslung im Europa-League-Spiel gegen Athletic Bilbao war der Werder-Profi auch schon wieder draußen – der Schiedsrichter hatte ihm nach zwei dummen Fouls Gelb-Rot gezeigt. Ein peinlicher Auftritt von Niemeyer, über den er am liebsten gar nicht mehr reden möchte. Doch weil ihm Trainer Thomas Schaaf gleich wieder das Vertrauen schenkte, blickte der 25-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung doch noch einmal zurück und kämpferisch nach vorne.

?Herr Niemeyer, wie denken Sie mit einer Woche Abstand über den Platzverweis gegen Bilbao?

!Natürlich war das dumm von mir, ich habe mich selbst erschrocken. Zum Glück ist es glimpflich ausgegangen, wir haben ja gewonnen. Ich habe mich damals bei meinen Mitspielern entschuldigt, mich den Medien gestellt und später mit Klaus Allofs und Thomas Schaaf gesprochen. Mehr konnte ich nicht machen. Die Sache ist abgehakt.

?Wie schwer ist es Ihnen gefallen, sich direkt nach dem Spiel beim Team zu entschuldigen und den Medien Antworten zu geben?

!Gut gefühlt habe ich mich natürlich nicht. Aber man muss in solchen Situationen auch einen Arsch in der Hose haben und in den sauren Apfel beißen.

?Anschließend gab’s noch eine schlaflose Nacht?

!Absolut, mir ging’s richtig schlecht. Ich konnte mir das alles nicht erklären. Sicher, ich lebe im Spiel von meiner Aggressivität, aber so etwas ist mir noch nie passiert. Ich bin noch nie als Profi vom Platz geflogen, und die Gelben Karten halten sich auch in Grenzen.

?Was hat Ihnen in dieser Situation geholfen?

!Zunächst das Gespräch mit Thomas Schaaf einen Tag danach. Und noch mehr natürlich, dass mich der Coach am Sonntag darauf gegen Stuttgart gleich wieder eingewechselt hat. Das zeugt von großem Vertrauen, das hat richtig gut getan.

?Waren Sie nicht nervös, als Sie das Zeichen zum Wechsel bekamen?

!Ehrlich gesagt – ein bisschen schon. Auf dem Weg zur Bank habe ich einmal tief durchgeatmet und zu mir gesagt: Pass auf, dass dir so etwas wie gegen Bilbao nicht noch einmal passiert. Dann hofft man natürlich auf die erste Situation, die einem Sicherheit geben soll.

?Und wie war die erste Situation?

!Da bin ich selbst gefoult worden. Ich glaube, es lief ganz gut für mich. Das war wichtig, sonst hätte ich die blöde Sache wahrscheinlich jetzt noch in der Länderspiel-Pause mit mir herumgetragen. Deswegen kann ich nur noch einmal sagen: Danke Trainer, dass ich die Sache sofort richtigstellen durfte.

?Sind Sie dem Trainer auch dankbar dafür, dass er Sie in dieser Saison fast nur als Einwechselsspieler bringt? Wollten Sie nicht Stammspieler werden?

!Das war und das ist mein Ziel. Ich wollte an das Ende der vergangenen Saison anknüpfen. Immerhin stand ich in beiden Endspielen auf dem Platz. Ich habe zwar auch jetzt wieder viele Spielanteile, aber nicht so viele, wie ich mir das vorstelle. Ich will eine feste Größe in der Mannschaft werden.

?Sind Sie unzufrieden?

!Natürlich, es wäre ja auch schlimm, wenn ich nicht unzufrieden wäre. Ich bin voller Tatendrang.

?Nach dem Karriereende von Frank Baumann und Schaafs Systemwechsel auf die Doppel-Sechs hatten Sie sich gute Chancen auf den Platz neben Torsten Frings ausgerechnet. Doch den nahm Rückkehrer Tim Borowski ein – und die Doppel-Sechs ist inzwischen Vergangenheit.

!Der Trainer hat sich so entschieden, das muss ich akzeptieren. Und jetzt funktioniert die Mannschaft sehr gut. Obwohl ich glaube, mit mir würde sie auch sehr gut funktionieren.

?Schauen Sie da nicht ein bisschen neidisch auf Philipp Bargfrede? Der 20-Jährige ist praktisch als Neuling an Ihnen vorbei ins Bremer Mittelfeld gerauscht.

!Ich mache meine Situation nicht an einer Person fest. Fakt ist: Am besten bin ich als Sechser, aber ich kann auch die Halbpositionen besetzen. Das habe ich oft genug bewiesen.

?Kommt da nicht auch mal der Gedanke, dass Sie es bei einem anderen Club, der nicht wie Werder ganz oben mitspielt, leichter hätten?

!Nein, denn mein Anspruch ist es, Titel zu holen. Das kann man nicht mit jedem Club. Und ich bin davon überzeugt, hier eine noch größere Rolle als jetzt zu spielen. Einen Schritt zurück zu einem anderen Verein zu machen, das wäre Quatsch.

?Aber lediglich 25 Bundesliga-Spiele in zweieinhalb Jahren bei Werder sind nicht gerade berauschend.

!Mit den Statistiken ist das immer so eine Sache. Ich war ja eine ganze Zeit fast nur mit meinem Körper beschäftigt. Jetzt bin ich seit längerem fit und bekomme regelmäßig meine Einsätze.

?Die Sie offenbar auch durch Extra-Training mehren wollen. Nach den Einheiten sieht man Sie häufig noch mit Co-Trainer Wolfgang Rolff auf dem Platz.

!Das gehört als Profi dazu. Ich war eben nie das Riesentalent und musste mir fast alles erarbeiten. Das habe ich auch bei Werder gemacht. Und ich glaube nicht, dass ich mir das durch den Platzverweis gegen Bilbao versaut habe.

?Einen neuen Spitznamen haben Sie aber trotzdem: Die „Bild“-Zeitung hat Sie nach dem Spiel zum „Peter-Treter“ gemacht.

!So etwas muss man auch mit Humor nehmen. Vielleicht werde ich ja irgendwann als Punkte-Peter gefeiert. Obwohl mir diese Schlagzeilen, das müssen Sie mir glauben, nicht so wichtig sind. Ich muss nicht so im Rampenlicht stehen. Ich bin eher ein Typ wie Frank Baumann, der hat auch nicht für so viel Aufsehen gesorgt, war aber enorm wichtig.

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