Valerien Ismael ist Sportinvalide, aber „für meinen Intellekt fängt jetzt das Leben an“

„Ich habe meinen Körper geopfert“

Bremen - Von Petra Philippsen · Er war Publikumsliebling und Leistungsträger. Er wurde mit Werder Bremen 2004 Meister und Pokalsieger, wechselte ein Jahr später zu Bayern München, gewann auch dort das Double (2006). Kurz darauf bedeutete ein doppelter Beinbruch eine Zäsur in der Karriere von Valerien Ismael.

Der heute 34-Jährige probierte es nochmal bei Hannover 96 – vergebens. Vor zwei Tagen bestätigte ein Gutachten, dass Ismael ob einer Knieverletzung Sportinvalide ist. Der Zufall wollte es, dass er an diesem Tag in Bremen an einer Podiumsdiskussion (siehe Bericht unten) teilnahm. Petra Philippsen sprach mit dem Franzosen anschließend über seine Karriere und deren unschönes Ende.

?Offiziell Sportinvalide – ist das ein harter Schlag für Sie?

!Ich weiß es ja im Grunde schon seit einem Jahr und hatte Zeit, das zu verdauen. Es wäre schlimm, wenn ich mich verletzt hätte und von einem Tag auf den anderen wäre es vorbei gewesen. Dann hätte ich ein Riesenproblem gehabt. Bei mir war es aber ein Prozess, ich konnte mich orientieren und mir neue Ziele setzen.

?Gab es einen Moment, an dem Sie festmachen können, wann die Probleme mit dem Knie anfingen?

!Das liegt schon lange zurück. Im Jahr 2000 hatte ich – damals noch in Lens – eine Meniskus-Operation im rechten Knie. Richtige Probleme bekam ich dann, als ich mir 2006 bei den Bayern das linke Bein brach. Ich habe durch die Schonhaltung mein rechtes Bein mehr belastet und bekam einen chronischen Reiz im Knie. Dann kam ein Knorpelriss dazu, 2007 hatte ich die erste Operation. Die Schonhaltung ging wieder auf das linke Bein, dann hatte ich wieder Schmerzen im anderen. Es war eine Kettenreaktion.

?Haben Sie während dieser Zeit schon gespürt, dass es nicht mehr gehen würde oder hatten Sie immer Hoffnung?

!Wenn ich jetzt zurückdenke, habe ich es wohl doch gespürt. Als ich zu Hannover 96 kam, habe ich im Spiel gegen Leverkusen einen Schlag im Zweikampf bekommen, und danach wurden die chronischen Schmerzen noch schlimmer. Im Unterbewusstsein habe ich gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Aber ich habe das verdrängt, weil ich unbedingt weiter Fußball spielen wollte.

?Wann setzte das Umdenken ein?

!Irgendwann fragt man sich schon, ob das alles noch Sinn macht. Beim Aufstehen und Treppensteigen hatte ich Schmerzen, wenn ich 20 Minuten mit dem Hund spazieren ging, musste ich umkehren – da macht man sich natürlich Gedanken. Das soll mein Leben sein? Und dann sagen dir die Ärzte, ich müsste auch mal daran denken, was denn in zehn oder 15 Jahren ist. Ich will noch Kinder haben und vielleicht mit ihnen im Garten Fußball spielen. Da musste ich mich fragen, ob es sich lohnt, sich für ein paar weitere Monate Fußball zu quälen und dafür die spätere Lebensqualität aufs Spiel zu setzen.

?Haben Sie sich diese Frage rechtzeitig gestellt? Oder haben Sie Ihrem Körper zu viel angetan?

!Ich bin an die Grenze gegangen. Ich habe auch mit Schmerzmitteln gespielt. Als Leistungssportler hat man enormen Ehrgeiz und denkt nicht an die Konsequenz. Im September 2008 habe ich den Schlag bekommen, bin nur noch gehumpelt. Da fing ich an, doch auf meinen Körper zu hören. Ich spürte, dass es vorbei ist.

?Mit welchen Gefühlen schauen Sie auf Ihre Karriere zurück?

!Ich habe meinen Körper geopfert. Aber ich bin nicht frustriert, ich bin stolz auf meine Karriere.

?Gibt es etwas, das Sie gerne erreicht hätten, aber nie erreicht haben?

!Ich bin ein bisschen traurig, dass ich nicht für Frankreich oder auch für Deutschland international spielen konnte. Das wäre die Krönung gewesen. Ich habe eigentlich alles erreicht, nur dieses letzte Ziel leider nicht.

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