Philipp Bargfrede sicher, wieder der Alte zu werden / Konkurrenz? Da erinnert er an Frings und Borowski

„Ich habe keinen Zweifel“

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„Das ist jedes Mal ein Berg, den man besteigen muss.“ Philipp Bargfrede arbeitet sich mühsam wieder an das Fitnesslevel der Teamkollegen heran.

Bremen - Philipp Bargfrede kommt direkt aus der Mittagspause zum Interview-Termin. Der Werder-Profi muss in der Kabine oder im Kraftraum gegessen haben, denn der 24-Jährige trägt eine kurze Trainingshose, Badeschlappen, ein Trainingsshirt.

Kurz: Er sieht schon wieder aus wie ein Fußballer im Alltag. Und bald will er nicht mehr nur optisch so daherkommen, sondern auch tatsächlich einer sein.

In den vergangenen Tagen waren Sie schon wieder häufig auf dem Trainingsplatz zu sehen. Wie weit sind Sie noch von der Rückkehr in den Spielbetrieb entfernt?

Philipp Bargfrede:Ich kann eigentlich schon wieder alles machen. Die Zeit der Schonung für das Knie ist vorbei, ich muss jetzt aber noch an meiner Fitness arbeiten. Die Bewegungsabläufe sind auch noch nicht wieder so, wie sie sein sollten. Aber das kommt mit der Zeit.

Haben Sie nach mehreren Meniskusverletzungen mit jeweils monatelangen Pausen überhaupt noch Vertrauen in Ihren Körper?

Bargfrede:Ja, natürlich. Ich habe keine Angst davor, dass wieder etwas passiert, gehe auch nicht mit Schiss auf den Trainingsplatz.

Bei Ihrer Vita ist das nicht selbstverständlich.

Bargfrede:Schauen Sie: Als ich noch Jugendspieler war, ist es das erste Mal passiert. Dann das zweite Mal. Es waren Rückschläge, trotzdem ging es anschließend bergauf, trotzdem habe ich den Sprung in den Bundesliga-Kader geschafft. Das zeigt doch, dass es immer weiter geht.

So haben Sie bestimmt auch im Sommer gedacht, als Sie in die Saisonvorbereitung gestartet sind. Dann ist es gleich am zweiten Trainingstag passiert.

Bargfrede:Das Knie war zum Trainingsstart top. Und ich hatte gehofft, dass ich voll durchstarten kann. Gerade, wenn man in der Vorsaison lange verletzt war, nimmt man sich besonders viel vor. Dann passiert gleich wieder was – das ist schon hart.

Wie war Ihre Reaktion, als Sie die Diagnose Meniskusabriss gehört haben?

Bargfrede:Am Anfang war es nicht einfach für mich. Ich war zunächst schwer niedergeschlagen. Bei mir kam sogar der Gedanke auf, ich habe keinen Bock mehr. Aber der Gedanke war auch schnell wieder verflogen. Wieso soll ich nicht wieder zur alten Stärke zurückfinden? Ich habe keinen Zweifel, dass ich es schaffe. Aber es kostet jedesmal viel Kraft, sich wieder heranzuarbeiten. Auch jetzt muss ich meinen inneren Schweinehund überwinden, um in puncto Fitness wieder auf das Level der anderen zu kommen. Das ist jedes Mal ein Berg, den man besteigen muss.

Um diesen Berg zu erklimmen, sind Sie ins Alpenvorland gegangen, haben in Traunreut am Chiemsee einen Großteil Ihrer Reha absolviert. Wieso so weit weg von Bremen?

Bargfrede:Ich glaube, dass es nicht nur für mein Knie, sondern auch für meinen Kopf ganz gut war. So habe ich ein bisschen Abstand gewonnen, musste die anderen nicht jeden Tag beim Training sehen. Dann hätte ich wohl einen Kollaps gekriegt.

So schlimm?

Bargfrede:Ja. Ich konnte mir, als ich in Traunreut war, die meisten Werder-Spiele auch nicht live im Fernsehen anschauen, habe stattdessen im Live-Ticker verfolgt, was passiert.

Wieso?

Bargfrede:Wenn ich die Jungs ins Stadion hätte einlaufen sehen, dann wäre ich nur sauer geworden, dass ich selbst nicht dabei sein kann. Dann wären Wehmut und Ärger über meine Situation hochgekommen. So bin ich eben.

Hatten Sie jemals das Gefühl, dass Ihre Menisken Ihre Karriere gefährden?

Bargfrede: Nein, nie. Ich bin doch erst 24 Jahre alt.

Ihr Vertrag bei Werder läuft am Saisonende aus. Mal angenommen, Sie wären Manager: Würden Sie sich selbst bei der Verletzungsgeschichte einen neuen Vertrag geben?

Bargfrede (lacht):Klar, mir immer.

Gehen Sie davon aus, dass Werder-Sportchef Thomas Eichin auch so denkt? Haben Sie schon über einen neuen Vertrag gesprochen?

Bargfrede:Noch nicht. Mir ist natürlich bewusst, dass meine Situation besser sein könnte. Aber im Moment ist das alles nicht so wichtig. Für mich ist es jetzt erstmal entscheidend, dass ich schnell wieder fit werde und auch fit bleibe. Das ist das A und O. Wenn ich erst wieder auf dem Platz stehe, wird sich alles andere auch regeln. Davon bin ich überzeugt. Ich gucke absolut positiv in die Zukunft.

Wie sieht Ihr Zeitplan aus?

Bargfrede:Bis zur Winterpause, hoffentlich aber schon vorher, will ich zu 100 Prozent fit sein. Und dann will ich spätestens zur Rückrunde voll angreifen. Zurzeit bin ich beschwerdefrei – ich hoffe, das bleibt so.

Wenn Sie Ihren Stammplatz zurück haben wollen, müssen Sie sich als defensiver Mittelfeldspieler gegen neue Konkurrenten durchsetzen. Cedric Makiadi ist dazugekommen, Felix Kroos ist richtig durchgestartet…

Barfrede: …und ich habe mich damals in einem Mittelfeld mit Torsten Frings, Tim Borowski und Daniel Jensen durchgesetzt. Vor der Konkurrenz habe ich keine Angst. Für Felix Kroos freut es mich sogar ehrlich, dass er den Sprung geschafft hat. Wir verstehen uns, sind gut befreundet und spielen ab und zu Golf miteinander.

Wer gewinnt?

Bargfrede (lacht): Da fragen Sie mal den Felix, ich lobe mich ungern selbst. csa

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