„Ich habe die FIFA eingeschaltet“

„Ich sehe alles positiv.“ Markus Rosenberg hat aus Spanien jede Menge Optimismus mit nach Bremen gebracht. ·

Bremen - Markus Rosenberg präsentiert sich gut gelaunt. In Bremen ist für den 28-Jährigen die Welt wieder in Ordnung. Der zehnmonatige Ausflug nach Spanien war zwar sportlich durchaus ein Erfolg, aber finanziell ein Fiasko für den Schweden. Über seine Ausleihe an den spanischen Erstligisten Racing Santander und seine Zukunft bei Werder spricht Rosenberg im Interview.

Herr Rosenberg, wenn Sie den angeblichen Sommer hier erleben, ärgern Sie sich dann, dass Sie nicht in Spanien geblieben sind?

Markus Rosenberg:Nein. Spanien war schön – für zehn Monate. Aber leben möchte ich da nicht. Alles war anders: die Mentalität, das Wetter, das Essen, der Tagesablauf. Schweden und Deutschland passen besser zu mir. Außerdem gab‘s so viele Probleme im Verein, das hat mir gereicht.

Was für Probleme waren das?

Rosenberg:Da herrschte Chaos. Der Trainer wurde gewechselt. Dann hat ein Inder den Club gekauft, war aber nach zwei, drei Monaten wieder verschwunden. Und nur am Anfang habe ich ein bisschen Geld bekommen, danach nichts mehr.

Haben Sie inzwischen Ihr Geld erhalten?

Rosenberg:Nein, deswegen habe ich auch die FIFA eingeschaltet.

Wurden Sie in dieser Zeit als Leihspieler wenigstens zum Teil von Werder bezahlt?

Rosenberg:Nein, wieso auch? Ich war ja Spieler von Racing Santander.

Hatten Sie sich nicht ausreichend über Ihren neuen Club informiert?

Rosenberg:„Doch. Es hieß aber, Santander sei ein sehr guter, anständiger Club. Bis zur vergangenen Saison war das auch so. Und das hat mich völlig überrascht. In Schweden und Deutschland musste ich mir da nie Gedanken machen, da konnte ich mich voll auf Fußball konzentrieren. Auf Werder konnte ich mich total verlassen.

Wollten Sie deshalb auch unbedingt zurück?

Rosenberg:„Ja, da war ich mir ganz sicher.“

Aber man hat immer noch das Gefühl, dass Sie nur auf Bewährung hier sind und vielleicht doch noch verkauft werden.

Rosenberg:Ich will bleiben, der Verein will, dass ich bleibe – also bleibe ich!

Ihr Vertrag läuft noch ein Jahr: Sehen Sie diese Saison auch als Chance, noch länger zu bleiben?

Rosenberg:„Natürlich. Ich habe immer gesagt, dass ich mich hier sehr wohl fühle. Ich kann mir sehr gut vorstellen, hier noch ewig zu spielen und sogar meine Karriere hier zu beenden. Ich bin doch nur gewechselt, weil ich spielen wollte. Das war vor einem Jahr nicht so möglich, weil wir nur mit einem Stürmer gespielt haben – und da war Claudio Pizarro gesetzt. Jetzt hatte ich ein richtig gutes Jahr in Spanien und bin zurück.

Aber wieder ist die Konkurrenz groß.

Rosenberg:So ist das bei Clubs wie Werder. Aber wir spielen wieder mit Raute und zwei Stürmern. Das ist gut für mich. Und ich fühle mich richtig gut, weil ich ein Jahr Spielpraxis hatte.

Zuletzt gegen Everton durften Sandro Wagner und Marko Arnautovic beginnen. Sie kamen nur rein und vergaben auch noch eine Riesenchance. Wie sehr haben Sie sich darüber geärgert?

Rosenberg:Aus Spanien habe ich ein schönes Gefühl mitgebracht: Ich weiß, dass ich Torchancen habe, und ich weiß, dass ich mal treffe und eben auch mal nicht. Ich sehe alles positiv und denke mir: Dann treffe ich eben gegen Kaiserslautern.

Sie sind ein Jahr weg gewesen, was hat sich bei Werder verändert?

Rosenberg:Die Stimmung ist nach der schlechten Saison natürlich negativer als früher. Das hat man ja auch an der Reaktion der Fans in Heidenheim gesehen. Sie waren total enttäuscht. Aber wir trauern auch: Wir wissen doch, wie wichtig der Pokal für den Verein ist.

Haben Sie Sorge, dass die Fans nach einem schlechten Bundesliga-Auftakt endgültig auf die Barrikaden gehen?

Rosenberg:Erst einmal hoffe ich, dass uns die Fans in dieser schwierigen Situation helfen. Und so, wie ich sie kenne, bin ich da auch zuversichtlich. Alle Kritiker, alle Experten erwarten, dass wir wieder schlecht spielen. Es ist ja auch ganz einfach, so etwas nach so einer Saison zu sagen. Aber wir haben es in der Hand – und wir werden das Gegenteil beweisen.

Hat die Mannschaft die Qualität dafür?

Rosenberg:Natürlich. Jeder, der nur ein bisschen Ahnung von Fußball hat, muss das doch sehen. Der Kader, der Trainer, die Fans, das Stadion – es ist alles da, um erfolgreich zu sein.

Was genau ist für Werder drin?

Rosenberg:Nach so einem Jahr muss man ruhig sein. Wir brauchen jetzt erst einmal einen guten Start, und dann machen wir Schritt für Schritt.

Haben Sie sich gewundert, dass Werder viel mehr auf Teambuilding setzt und auch einen Mentaltrainer engagiert hat?

Rosenberg:Ich habe mich gewundert, dass es das nicht schon viel früher gegeben hat. Fußball ist viel Psychologie. Ich habe den Mentaltrainer erst einmal erlebt, da herrschte wirklich eine sehr gute Stimmung.

Sie haben Werder kurz vor Ihrem Wechsel mit einem Tor in Genua die Champions-League-Quali gerettet. Gab‘s dafür eine Extra-Prämie?

Rosenberg:(lacht) Bis jetzt noch nicht . . .

Aber ansonsten wird bei Werder alles bezahlt?

Rosenberg:Natürlich, wir sind hier nicht in Spanien.

Es wird allerdings viel über finanzielle Probleme des Clubs berichtet. Wie nehmen Sie das als Spieler wahr?

Rosenberg:Ich lese kaum Zeitung. Außerdem darf uns das nicht beschäftigen, wir müssen unsere Leistung bringen und . . .

 . . .erfolgreich sein, um die Champions-League-Millionen zurückzuholen.

Rosenberg:Das wäre super. Wer da einmal gespielt hat, will da immer wieder hin. Die Champions League ist wie eine Droge. Eines kann ich versprechen: Wir werden in dieser Saison ohne Ende kämpfen – und wer weiß, was dann alles möglich ist. · kni

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