Mesut Özil spricht über sein Talent, seine Druck-Resistenz, Torsten Frings und Mamas Küche

„Ich habe diese Gabe“

„Torsten ist ein cooler Typ“, sagt Mesut Özil über Torsten Frings. Für eine Rückkehr des Werder-Kapitäns in die Nationalmannschaft mag er öffentlich aber nicht plädieren. Das sei „allein die Entscheidung des Bundestrainers“.

Hamburg - Von Jens Greinke · Mesut Özil betritt im Trainingsanzug die durchgestylte Lobby des Designer-Hotels „Side“ in Hamburg und bittet vor Beginn des Interviews sofort darum, seine Vertragssituation bei Werder Bremen nicht anzusprechen.

Das ist schade, so wird weiter weiter spekuliert werden, dass Özil (Kontrakt bis 2011) im Sommer den vorzeitigen Abgang plant. Es wäre ein sportlicher Verlust, gleichzusetzen mit dem von Diego. Özil ist aus dessen Schatten getreten und steht mittlerweile als kreativer Kopf der deutschen Nationalmannschaft voll im Scheinwerferlicht. Vor dem unbedeutend gewordenen Qualifikationsspiel gegen Finnland (heute, 18 Uhr, ARD live) sprach unser Mitarbeiter Jens Greinke mit dem 20-Jährigen.

Der rasante Aufstieg des Mesut Özil

Der Aufstieg des Mesut Özil

?Herr Özil, viele türkische Fußballfans wollen nach dem Scheitern der türkischen Mannschaft aus der WM-Qualifikation nun zu Deutschland halten. Weil Sie dort spielen. Freut Sie das?

!Auf jeden Fall. Es macht mich glücklich und stolz. Ich bin aber auch ein wenig traurig, dass es das türkische Team nicht geschafft hat. Aber ich habe mich dafür entschieden, für Deutschland zu spielen, weshalb es in erster Linie wichtig war, dass wir uns qualifizieren. Ich fühle mich in unserem Team sehr wohl und von allen gut aufgenommen. Es passt einfach alles zusammen.

?Die Lobeshymnen auf Sie werden derzeit von Spiel zu Spiel lauter. Beeinflusst Sie das?

!Nein, ich bin immer noch der alte Mesut. Ich bin so erzogen worden, dass ich mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehe. Und wenn ich auf dem Platz bin, bin ich einfach nur glücklich und will Gas geben.

?Doch wenn Ihre Entwicklung weiter so rasant voranschreitet, werden Sie bald nicht mehr unerkannt über die Straße gehen können.

!Es macht mir einen Riesenspaß, wenn die Leute mich auf der Straße erkennen und mich nach einem Autogramm fragen. Das ist ja auch eine Ehre für mich, ich mache das gerne.

?Lange hieß es, dass es Spielmacher im modernen Fußball nicht mehr gibt. Sie sind ein bisschen der Gegenbeweis. Beschreiben Sie bitte selbst Ihre Spielweise!

!Meine Lieblingsposition ist die des Spielmachers. Diese habe ich schon in der Jugend am liebsten eingenommen. Dort fühle ich mich richtig wohl. Und wenn ich den Ball habe, will ich auch etwas für die Offensive tun. Ich denke, bislang habe ich das ganz gut hinbekommen.

?Lassen Sie sich mehr von Ihrem Kopf oder von Ihrem Gefühl leiten?

!Beides. Natürlich muss ich nachdenken, wenn der Ball kommt. Aber es gibt auch Situationen, in denen das Gefühl dominiert. Ich denke, dass ich diese Gabe habe.

?Wie wichtig ist Ihnen die Rückendeckung auf dem Platz?

!Sehr wichtig. Wenn ich mit Michael Ballack und Philipp Lahm erfahrene Spieler im Rücken habe, die mir sagen ‘Wir sind hinter dir‘, dann macht das vieles leichter für mich.

?Wäre es vielleicht noch einfacher, wenn Sie in der Nationalmannschaft wie in Bremen Torsten Frings als Absicherung hinter sich wüssten?

!Ich denke, er bringt in der Bundesliga seine Leistung. Aber ob er spielt oder nicht, ist allein die Entscheidung des Bundestrainers. Als ich nach Bremen kam, kannte ich Torsten nur aus dem Fernsehen. Er hat mich sehr unterstützt. Er ist ein cooler Typ.

?War diese Rückendeckung, die sie heute verspüren, vielleicht das, was Ihnen während Ihrer frühen Zeit beim FC Schalke 04 gefehlt hat?

!Ich glaube, in Schalke haben mir einfach die Tore gefehlt. Das war der größte Minuspunkt damals. Mittlerweile klappt das sehr gut in Bremen.

?Sie scheinen in den letzten Monaten vor allem gelernt zu haben, gut mit Drucksituationen umzugehen.

!Wenn ich auf dem Platz bin, dann fühle ich keinen Druck.

?Wie wichtig war in diesem Zusammenhang der Weggang aus Gelsenkirchen im Januar 2008 nach Bremen, wo Sie auf eigenen Beinen stehen, Ihre erste eigene Wohnung haben?

!Sehr wichtig. Ich bin robuster geworden, erfahrener, selbstständiger. Früher hatte ich meine Familie, die alles für mich gemacht hat. Jetzt muss ich mich selbst um mein Essen kümmern. Natürlich fehlt mir die Küche meiner Mutter, aber ich bin reifer geworden.

?Sie werden morgen 21 Jahre alt. Was verbinden Sie mit diesem Tag?

!Dass ich noch jung bin. Ich kann noch sehr vieles lernen. Das werde ich auch machen.

?Hat man nach einem solch‘ rasanten Aufstieg Angst vor dem großen Fall? Vor einem Absturz, wie ihn Sebastian Deisler erlebt hat?

!Wenn ich Fußball spiele, dann bin ich sehr glücklich. Dann freue ich mich wie ein kleines Kind. Ich kann einfach nicht ohne. Früher bin ich nach der Schule sofort zum Kicken raus, heute ist es mein Beruf.

?Was ist an Ihrer Art, Fußball zu spielen, türkisch? Und was ist deutsch?

!Ich glaube, das Technische ist eher türkisch. Meine Disziplin und mein Wille sind deutsche Eigenschaften.

?Und alles haben Sie als Straßenfußballer auf dem Gelsenkirchener Bolzplatz „Affenkäfig“ gelernt?

!Ja. Dort haben wir Fünf gegen Fünf gespielt, oder Jung-Jahrgang gegen Alt-Jahrgang. Und der Verlierer musste immer ein Essen ausgeben. Das hat einen motiviert.

?Sie sind bei Werder in die Fußstapfen von Diego getreten. Wie schwer war das?

!Ich habe die gemeinsame Zeit mit ihm sehr genossen. Ich habe viel von ihm gelernt, im Training und im Spiel. Für mich war es von Vorteil, weil sich damals jeder auf Diego konzentriert hat. Ich konnte in seinem Schatten sozusagen besser gedeihen.

?Beten Sie eigentlich vor dem Spiel?

!Ja, in der Kabine. Das ist mein Ritual. Ich spreche mir immer denselben Vers aus dem Koran vor. Das erleichtert mich. Es gibt mir Kraft.

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