Senkrechtstarter Max Kruse:

„Ich fühle mich nicht als Star“

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St. Pauli, Freiburg, jetzt Mönchengladbach – Max Kruse hat sich hochgearbeitet in der Bundesliga. In Bremen weiß man mittlerweile, dass der Neu-Nationalspieler nie hätte gehen dürfen.

M'Gladbach / Bremen - Immer, wenn er gegen Werder spielt, seufzt die grün-weiße Anhängerschaft: Den hätten wir haben können… Haben sie aber nicht. Max Kruse verließ Werder Bremen 2009 mit damals 21 Jahren im Frust über nur einen Bundesliga-Einsatz.

Heute ist er Nationalspieler, ein deutscher Star – auch wenn er sich nicht wie einer fühlt. Sein Weg führte über den FC St. Pauli (2009-2012), und den SC Freiburg (2012/2013) zu Borussia Mönchengladbach. Mit der Fohlen-Elf empfängt er am Samstag den SV Werder und trifft dabei nicht nur auf alte Bremer Freunde wie Aaron Hunt und Sebastian Mielitz, sondern auch auf den ehemaligen Freiburger Kollegen Cedric Makiadi. Ein Duell, auf das sich Max Kruse ganz besonders freut.

Herr Kruse, zwei Niederlagen, ein Sieg – steht die Borussia gegen Werder schon unter Siegzwang?

Max Kruse:Es wird jetzt schon wieder von Druck gesprochen, der auf uns lastet. Ich sehe das nicht so. Wir haben gegen zwei Spitzenmannschaften (Bayern, Leverkusen, d. Red.) verloren. Das kann passieren. Wir waren in beiden Spielen auch nicht viel schlechter. Zwischendrin haben wir gegen Hannover (3:0, d. Red.) eine starke Leistung gezeigt, daran wollen wir gegen Werder anknüpfen. Wir haben die Qualität, um gegen Bremen zu gewinnen – da bin ich mir sicher.

Werder wird als Abstiegskandidat gehandelt, die Borussia als Anwärter auf das europäische Geschäft. Wie sehen Sie‘s?

Kruse:Eigentlich ist es noch viel zu früh für solche Einschätzungen. Die Saison hat doch gerade erst begonnen. Ich denke aber, dass wir die Klasse haben, am Ende unter den ersten sechs Mannschaften zu stehen.

Sie sind neu im Team, haben bisher einmal getroffen und sind laut „kicker“-Noten bislang Gladbachs Bester.

Kruse:Ich bin hier auch sehr gut aufgenommen worden und habe mich gut eingefügt. Insgesamt sind wir schon eine geschlossene Mannschaft. Mit Ausnahme des Leverkusen-Spiels kann man auch sagen, dass wir schon ganz gut harmonieren.

Wie ist Ihr Eindruck von Werder?

Kruse: Zwei Siege ohne Gegentor, dann – in Anführungsstrichen – nur ein 0:1 bei Borussia Dortmund: Da kann man schon sagen, dass sie gut in die Saison gekommen sind. Aber wenn wir unsere Leistung abrufen, werden wir als Sieger vom Platz gehen.

Sie treffen am Samstag auf Ihren ehemaligen Freiburger Kollegen Cedric Makiadi. Wie ist Ihr Verhältnis zu ihm?

Kruse:Mit Ced habe ich mich immer gut verstanden. Wir hatten echt viel Spaß miteinander.

Inwiefern?

Kruse (lacht):Ich nenne keine Details.

Sie kommen aus Reinbek, Makiadi aus Lübeck – waren Sie beiden die schleswig-holsteinische Botschaft im Badischen?

Kruse:Es war auf jeden Fall schön, jemanden zu haben, mit dem man Hochdeutsch sprechen konnte. Das kommt in Freiburg ja seltener vor.

Am Samstag sind Sie Gegner und werden sich auf dem Platz aufgrund Ihrer Positionen sicher häufiger über den Weg laufen…

Kruse: … und Ced wird versuchen, mich zu stoppen. Aber ab und an wird er mich sicher vorbei lassen. Wenn nicht, muss ich ihn zwingen. (lacht) Ich weiß schließlich, wie ich ihn zu bespielen habe.

Wie denn?

Kruse:Mein Geheimnis. Nur so viel: Wenn er seine Übersteiger macht, bin ich da, dann gehe ich dazwischen.

Gemeinsam hatten Sie beim SC Freiburg ein märchenhaftes Jahr. Der Club hat es in die Europa League geschafft, Sie schossen elf Tore, wurden am Ende der Saison in die DFB-Auswahl berufen. Mussten Sie sich manchmal zwicken, um zu wissen, dass das wirklich wahr ist?

Kruse:Es war sicher eine Saison, in der wir die Erwartungen weit übertroffen haben – das gilt auch für mich persönlich. Ich hatte nach meinem Wechsel aus der zweiten Liga (Kruse kam vom FC St. Pauli, d. Red.) nicht damit gerechnet, gleich Stammspieler zu werden. Schon gar nicht, am Ende der Saison zur Nationalmannschaft zu dürfen. Ich wusste, dass ich über Qualität verfüge, aber dass alles so schnell geht, hätte ich nie gedacht.

Im Zuge der USA-Reise nach der Saison haben Sie Ihr Debüt in der Nationalelf gefeiert, beim Test gegen Paraguay vor zwei Wochen haben Sie im Kader gefehlt. Am Freitag benennt Bundestrainer Joachim Löw den Kader für die WM-Qualifikationsspiele gegen Österreich und die Färöer – sind Sie dabei?

Kruse:Ich habe noch nichts gehört. Und ehrlich gesagt rechne ich auch nicht mit meiner Nominierung. Ich weiß doch auch, dass wir offensiv sehr gut besetzt sind. Ich hoffe natürlich, dass der Bundestrainer auf mich setzt, aber ich gehe aktuell nicht davon aus.

Und die WM 2014?

Kruse:Darüber mache ich mir noch gar keine Gedanken. Die ist noch viel zu weit weg.

Als Sie Werder vor vier Jahren verlassen haben, waren Sie ein weitgehend unbekanntes Talent aus der U 23. Jetzt sind Sie Nationalspieler und in aller Munde. Wie ist es denn, ein Star zu sein?

Kruse: Als Star fühle ich mich auf gar keinen Fall. Ich bin sicherlich gereift, habe mich entwickelt, und man sieht mich mittlerweile als Führungsspieler. Aber ich sehe mich immer nur als Teil einer Mannschaft, nicht als Star.

In Bremen ist Ihr Name in den vergangenen Monaten wieder häufig genannt worden – immer als Beispiel für die Versäumnisse der ehemaligen sportlichen Leitung Klaus Allofs/Thomas Schaaf. Die Kritik: Ihnen seien zu viele eigene Talente entwischt – allen voran Max Kruse.

Kruse:Mir gefällt das nicht. Schließlich waren es ja auch Herr Allofs und Herr Schaaf, die mir überhaupt die Möglichkeit gegeben haben, in den Profi-Bereich reinzuschnuppern. Bei Werder habe ich mein erstes Bundesliga-Spiel gemacht (beim 8:1 gegen Arminia Bielefeld am 29. September 2007, d. Red.), und Thomas Schaaf war ein Trainer, der sehr zu meiner positiven Entwicklung beigetragen hat. Aber klar: Ich bin der Meinung, dass ich nach dem ersten Spiel noch die eine oder andere Chance mehr verdient gehabt hätte.

Es kam aber keine mehr. Und als Ihr Vertrag 2009 auslief…

Kruse: …hat sich mein Berater mit den Verantwortlichen in Verbindung gesetzt. Uns wurde gesagt, dass man sich meldet. Das ist dann leider erst geschehen, als ich mich schon zu einem Wechsel entschlossen hatte.

Also hat Werder damals tatsächlich gepennt?

Kruse:Wenn man das so nennen möchte, ja, schon ein bisschen.

Stimmt es, dass Werder Interesse an einer Rückholaktion hatte, bevor Sie 2012 von St. Pauli nach Freiburg gewechselt sind?

Kruse:Nein, da war gar nichts.

Auch nicht vor ihrem Wechsel zur Borussia?

Kruse:Auch nicht, nein. · csa

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