Klaus-Dieter Fischer feiert heute seinen 70. Geburtstag

„Ich empfinde tiefe Dankbarkeit“

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Seit über 40 Jahren mit Freude auf der Kommandobrücke von Werder Bremen: Klaus-Dieter Fischer, der heute seinen 70. Geburtstag feiert.

Von Arne Flügge · Wenn Klaus-Dieter Fischer heute das Glas erhebt, um mit 320 geladenen Gästen auf seinen 70. Geburtstag anzustoßen, so wird das natürlich mit „Werder-Wein“ geschehen. „Oder mit Werder-Prosecco“, schmunzelt der Präsident von Werder Bremen und Geschäftsführer der GmbH & Co KG.

„Ich bin froh und dankbar eine Frau zu haben, die mich so unterstützt“, sagt Werder-Präsident Klaus-Dieter Fischer über seine Gattin Anne.

Womit auch sonst? Denn sein ganzes Leben hat er seinem Verein gewidmet. Klaus-Dieter Fischer ist Werder – und Werder ist Klaus-Dieter Fischer. Ein Mann, der die Popularität und die Möglichkeiten des Clubs zu nutzen verstand, um Menschen in aller Herren Länder die helfende Hand zu reichen. Soziales Engagement, Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung, Unterstützung der Jugend und der Senioren – das alles sind für ihn keine Floskeln. Es ist zu seinem Lebensinhalt geworden.

Herr Fischer, was wünschen Sie sich zum 70?

Persönlich natürlich, dass ich gesund bleibe. Durch meine Arbeit hier habe ich so viel Zuneigung bekommen, dass ich eigentlich wunschlos glücklich bin. Für Werder Bremen wünsche ich mir, dass die Mannschaft nach der miesen Hinrunde ganz schnell da unten rauskommt. Ich wünsche mir, dass wir endlich weniger Verletzungspech haben. Was hier passiert ist, habe ich in den 41 Jahren in leitender Funktion noch nicht erlebt. Und ich wünsche mir, dass unsere Arbeit für die Region in den nächsten Jahren so weitergeführt wird.

Was meinen Sie genau damit?

Ich musste kürzlich Weihnachtsmärchen bewerten, die Kinder selbst verfasst hatten. Ein kleiner Junge hatte ein Märchen geschrieben, wie Werder aus der Krise kommt. Das hat mich berührt. Die Menschen hier leben und leiden mit Werder Bremen. Und wir müssen ihnen etwas zurückgeben.

Verzichten Sie auch deshalb zugunsten der Stiftung „Werder tut gut“ heute auf Geschenke?

Ja, denn damit und dem sozialen Engagement können wir vielen Menschen helfen. Auch das ist unsere Aufgabe. Das ,SV’ in unserem Namen steht schließlich auch für soziale Verantwortung.

In Ihrer Einladung zum 70. Geburtstag steht: Zu jung für die Rente mit 67. Sind Sie wirklich täglich im Büro?

Natürlich. Ich besuche neben meinen anderen Aufgaben fast alle Veranstaltungen, gehe in alle Abteilungen. Ich will damit deutlich machen, dass der Begriff Werder-Familie für mich kein Spruch, sondern Realität ist.

Wäre es Ihrer Frau Anne nicht manchmal lieber, Sie wären mehr daheim?

Im Gegenteil: Sie ist es manchmal, die zu mir sagt: ,Du, heute spielt die U 19, wollen wir nicht hingehen?’ Ich bin froh und dankbar, dass ich so eine tolle Frau habe. Ohne sie hätte ich all’ das nicht leisten können. Sie unterstützt mich voll und ganz.

Doch ewig werden Sie den Job nicht mehr machen wollen. Ihr Vertrag als Geschäftsführer läuft 2011 aus. Zudem stehen Präsidiumswahlen an. Werden Sie noch für eine weitere Amtszeit kandidieren?

Ja, weil ich noch die Lust verspüre und weil ich gesund bin. Doch ich weiß auch, dass während der vier Jahre Schluss sein wird. Ich kann aufhören, wann ich will. Denn ich möchte zwei Dinge nicht: Erstens nicht irgendwann aus diesem Büro herausgetragen werden. Und zweitens will ich nicht, dass die Leute mal tuscheln und sagen, ,der macht und kann nichts mehr’, aber nicht den Mut haben, es mir persönlich zu sagen.

Würde es Ihnen schwerfallen, den Sessel zu räumen?

Ich kann mir schon vorstellen, dass es besonders in der ersten Zeit sehr hart wird. Schließlich habe ich einen Traumberuf. Ich kann etwas bewegen, Menschen helfen, Dinge entscheiden.

Ihr Nachfolger wird einmal in riesige Fußstapfen treten.

Mein Nachfolger darf nicht den Fehler machen, mich zu kopieren. Wichtig ist, dass er seinen eigenen Weg findet. Und dass er weiß: Er ist in einer führenden Position. Wenn er den Fehler macht und versucht, sich über diese Position zu profilieren, dann wird er scheitern.

Ihnen wurde einmal der Job eines Staatsrates im öffentlichen Dienst angeboten. Warum haben Sie abgelehnt?

Ich hätte bei Werder ausscheiden müssen. Ich habe mich dann für mein Herz entschieden – und habe es nicht eine Sekunde bereut.

Sie sind seit 56 Jahren Mitglied bei Werder – der Verein existiert gerade doppelt so lange. Welchen Ursprung hat diese Liebe zum Club?

Ich war 15 Jahre alt und hatte mir den Arm gebrochen. Kurz darauf stand ein Betreuer an unserer Wohnungstür und hat mich zu einer 14-tägigen Sommer-Freizeit mit dem Verein eingeladen. Ich hatte vorher in meinem Leben noch nie Urlaub gemacht. Damals ist der Begriff Werder-Familie für mich entstanden. Und ich empfinde noch heute tiefe Dankbarkeit für den Verein.

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