Diego spricht über das Wiedersehen mit Werder, seine Rolle in Wolfsburg und die Vorfreude aufs Baby

„Ich bin derselbe Junge geblieben“

Geht gut gelaunt und mit viel Vorfreude in die Partie gegen seinen Ex-Club Werder: Wolfsburgs Spielmacher Diego.

Aus Wolfsburg berichtet Arne Flügge · Die Profis des VfL Wolfsburg mussten gestern ran. Eigentlich ist mittwochs kein Training. Doch der freie Tag war von Trainer Steve McClaren gestrichen worden. Eine sportliche Schieflage erfordert manchmal besondere Maßnahmen.

Treffen in Wolfsburg: Mittelfeld-Star Diego (re.) und Kreiszeitungs-Sportredakteur Arne Flügge.

Temperaturen von minus zehn Grad, dazu ein eisiger Wind und leichter Schneefall. Das war kein Spaß. „Daran werde ich mich nie gewöhnen“, grinste der Brasilianer Diego später im kuschelig warmen VIP-Raum der Volkswagen-Arena: „In den ersten 15 Minuten frieren dir Hände und Füße ab – wenn du dann aber ins Rennen kommst, dann geht es.“ Doch nicht etwa das Wetter, sondern das Wiedersehen mit seinem Ex-Club Werder Bremen am Samstag stand im Mittelpunkt des Gesprächs mit dem 25-Jährigen – und er hatte einiges zu erzählen.

Diego, in Bremen wurden Sie zum Bundesliga-Star, 2009 gewannen Sie mit Werder den DFB-Pokal – mit welchen Gefühlen treten Sie am Samstag mit Wolfsburg gegen Ihren Ex-Club an?

Es ist für mich ein ganz besonderes Spiel, keine Frage. Ich habe drei Jahre lang bei Werder gespielt, hatte dort eine tolle Zeit. Jetzt spiele ich in Wolfsburg und werde alles dafür tun, dass wir erfolgreich sind, aber die Liebe zu Bremen ist unvergänglich.

Werden Sie jubeln, sollten Sie ein Tor erzielen?

Ich weiß es nicht. Aber der Respekt vor Werder wird immer sehr groß sein. Wie gesagt: Werder gehört mein Herz, und ich weiß nicht, was passieren wird, wenn ich treffe. Sollte ich jubeln, ist das doch nur ein Detail. Meine Beziehung zu Werder und meinen Respekt vor dem Club wird das nicht beeinflussen.

Haben Sie noch Kontakt zu Bremer Spielern oder sogar zu Trainer Thomas Schaaf?

Mit Thomas habe ich schon länger nicht gesprochen, obwohl wir in Bremen ein sehr freundschaftliches Verhältnis hatten. Mit Spielern? Klar: Da ist natürlich Naldo, mein bester Freund. Dazu kommen Hugo Almeida und manchmal auch Claudio Pizarro und Tim Wiese. Manchmal treffe ich mich auch mit Freunden in Bremen zum Essen.

Welche Reaktionen erwarten Sie von den Werder-Fans?

Wie ich schon sagte: Meine Gefühle für Werder und die Fans haben sich nicht verändert. Von daher wäre ich schon überrascht, wenn sie pfeifen würden.

Sie sprechen noch immer in höchsten Tönen von Werder und den Bremer Fans. Haben Sie im Sommer, als Ihr Engagement bei Juventus Turin nach nur einem Jahr gescheitert war, eine Rückkehr zu Werder in Erwägung gezogen?

Nein, Werder war keine Option. Und es gab auch keinen Kontakt mit den Verantwortlichen. Ich hatte drei perfekte Jahre in Bremen – doch jetzt bin ich in Wolfsburg. Und ich habe diese Entscheidung nie bereut.

Sie waren der Star in Bremen, gingen dann zu Juventus – viele bezeichnen das Engagement in Wolfsburg als einen Schritt nach unten auf Ihrer Karriereleiter.

Nein. Wir haben hier in Wolfsburg einen Plan, wir haben ein längerfristiges Projekt gestartet, und da will ich dabei sein. Im Fußball ist es nun einmal so, dass du nicht immer auf einem Top-Level sein kannst. Ich bin mit 16 bei Santos Profi geworden, hatte immer wieder Höhen und Tiefen. Auch in meinen drei Jahren bei Werder gab’s Probleme. Nach dem Wechsel zu Juve hatte ich dort auch zunächst schöne Momente, es war ein Traum – ehe es dann für mich ganz schlecht weiterging. Wir haben zu viele Systeme gespielt, hatten zwei Trainerwechsel. Alle haben Fehler gemacht. Mein Einstand in Wolfsburg war klasse, zuletzt gab’s auch hier ein paar Schwierigkeiten. Aber das ist das Leben. Man darf nicht kneifen, wenn Probleme auftreten, sondern man muss fighten. Man steht eben nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens.

Wolfsburg spielt nicht international. Befürchten Sie, dass dies Ihre Karriere in der brasilianischen Nationalmannschaft zerstören könnte? Schließlich wurden sie zuletzt schon nicht mehr eingeladen.

International dabei zu sein, ist natürlich wichtig. Aber man darf nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen. Ich muss erstmal mit Wolfsburg erfolgreich sein und gute Leistungen bringen. Dann bin ich auch überzeugt, wieder für die Selecao zu spielen. Dass sie mir sehr wichtig ist, das steht außer Frage.

Auf der Skala der wichtigsten Ereignisse dürfte demnächst aber etwas anderes ganz oben stehen: Sie werden im Februar das erste Mal Vater, es wird ein Sohn, wie man hört. Wie fühlt sich das an?

Es ist unglaublich, der schönste Moment in meinem Leben. Das ist ein Traum, ich bin sehr glücklich. Meine Frau Bruna Leticia und ich genießen jeden Moment. Es ist ein fantastisches Gefühl.

Haben Sie sich in den letzten Jahren verändert?

Nein, ich bin immer noch derselbe Spieler, derselbe Junge geblieben. Warum soll ich mich verändern? Wichtig ist doch, dass du den Leuten zeigst, dass du ehrlich bist, immer alles geben willst.

Deshalb hat Ihr Trainer Steve McClaren Sie auch zum absoluten Führungsspieler ausgerufen – eine Rolle, die Sie bislang noch nicht zur vollsten Zufriedenheit ausgefüllt haben.

Drei Tore und vier Vorlagen – das ist normal. Aber ich weiß, dass ich noch besser spielen kann. Ich muss die Mannschaft mehr führen. Das ist mir nicht immer gelungen.

Wie interpretieren Sie Ihre Leader-Rolle in Wolfsburg?

Zunächst einmal darf man nicht vergessen, dass ich erst 25 Jahre alt bin und selbst noch einiges lernen muss. Da ich aber schon viele Jahre Profi bin, kann ich der Mannschaft sicherlich einiges von meiner Erfahrung vermitteln. Ich weiß, ich bin nicht perfekt, auch ich mache Fehler. Aber ich will mit gutem Beispiel vorangehen, indem ich nie aufgebe, immer kämpfe und versuche, der Mannschaft zu helfen.

Trotz immenser Investitionen ist der VfL Wolfsburg bislang sportlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Im Umfeld wird gemutmaßt, dass die Spieler untereinander zerstritten sind.

Nein, das stimmt nicht. Wir müssen uns nicht lieben, aber wir müssen uns respektieren – und das tun wir. Sicherlich können wir besser spielen, aber das ist kein Problem unter den Spielern. Nur gemeinsam sind wir erfolgreich.

Das klingt, als hätte Wolfsburg ähnliche Probleme wie Werder. Haben Sie die Bremer Krise verfolgt?

Natürlich, sie haben einige Probleme. Warum sie in dieser schlechten Situation sind, was da genau passiert ist, kann ich nicht sagen. Ich bin nicht jeden Tag da, um das analysieren zu können. Aber ich war schon überrascht. Sie haben sehr viele verletzte Spieler gehabt. Das aber ist Fußball. Es gibt solche Momente. Doch Werder ist ein großer Club mit hoher Qualität und einer großen Tradition. Sie werden daher ebensowenig etwas mit dem Abstieg zu tun haben wie wir.

Das heißt, die Partie zwischen Wolfsburg und Werder als Abstiegsduell zu bezeichnen, wäre falsch?

Ja. Mannschaften wie Gladbach oder Köln spielen momentan gegen den Abstieg. Wir stehen wie Werder im Mittelfeld. Es ist sicherlich für beide Mannschaften ein wichtiges Spiel, aber es ist kein Abstiegsduell.

In sportlich schwierigen Zeiten steht immer schnell der Trainer in der Diskussion. Befürchten Sie, dass McClaren in Wolfsburg gehen muss?

Es wäre ein Fehler, wenn wir den Coach verlieren würden. Wir sitzen alle in einem Boot, tragen alle Verantwortung. Es ist nicht das Problem eines Einzelnen – es ist das Problem von uns allen. Der Trainer tut alles, um dem Team zu helfen – und unser Job ist es, ihm zu helfen.

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