Zukunft als Modedesigner?

„Ich dachte, alle sind gegen mich“

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Eljero Elia erklärt im Interview, warum er an eine Rückkehr in die Nationalmannschaft glaubt.

Bremen - Vor ein paar Jahren galt er als der kommende Superstar, halb Europa jagte Eljero Elia. In seiner holländischen Heimat wurde er schon mit Arjen Robben verglichen.

Doch die Karriere des Außenstürmers geriet ins Stocken, der Neuanfang in Bremen ab Sommer 2012 misslang. Doch in dieser Spielzeit läuft es für den 26-Jährigen bei Werder endlich besser – und so geht Elia ziemlich optimistisch in das Duell am Samstag mit dem FC Bayern. Das sein Landsmann Arjen Robben (29) vermutlich verpassen wird. Der zuletzt herausragende Bayern-Akteur verletzte sich gestern Abend im DFB-Pokal-Spiel beim FC Augsburg am rechten Knie. Schon vorher hatte Eljero Elia über seine Beziehung zu Robben gesprochen.

Herr Elia, ist Arjen Robben momentan der beste Spieler in der Bundesliga?

Eljero Elia: Er ist ein guter Spieler, das weiß doch jeder.

Wie gut kennen Sie ihn?

Elia:Sehr gut als Fußballspieler. Wir haben zusammen für Holland gespielt. Als Person kenne ich ihn nicht ganz so gut. Er ist ein cooler Typ, sehr ruhig.

Huub Stevens hat 2009 gesagt, Sie hätten die Fähigkeiten, die Schnelligkeit und die Spielanlage von Arjen Robben, Sie könnten mal ein Arjen Robben werden. Wie weit sind Sie auf dem Weg dahin?

Elia:Ich will gar kein Arjen Robben werden. Ich bin Eljero Elia. Er ist ein total anderer Spieler als ich. Er ist Linksfuß, ich bin Rechtsfuß. Er zieht gerne nach innen und schießt aufs Tor. Ich kann innen und außen vorbeigehen. Und in Bremen spielen wir auch nicht wie bei Bayern München, wo du an der Seite warten kannst, bis der Ball kommt. In unserer Mannschaft muss jeder für den anderen kämpfen, deswegen muss ich als Außenspieler auch viel nach hinten arbeiten. Arjen Robben muss selten in die eigene Hälfte zurück, denn Bayern hat 80 Prozent Ballbesitz. Da bekommt er dann vier, fünf gute Chancen in einem Spiel. Bei uns musst du jede Sekunde hart arbeiten, von vorne nach hinten rennen.

Was Sie inzwischen ziemlich verinnerlicht haben.

Elia:Ich musste etwas verändern, so wie letzte Saison ging es nicht weiter. Alles musste besser werden – und ich denke: Ich bin auf einem guten Weg.

Zwischendurch hatte man das Gefühl, dass Sie hinten besser als vorne sind. Waren Sie davon selbst überrascht?

Elia:Ja, absolut. Das ist eigentlich gar nicht meine Qualität. Bei den Stationen vor Werder musste ich das auch gar nicht so intensiv machen. Nehmen wir die Nationalmannschaft. Da muss man nicht so viel nach hinten arbeiten, weil alle eine sehr hohe individuelle Klasse haben. Das macht es als Stürmer natürlich einfacher, weil du vorne mehr Kraft für deine Chancen hast.

Macht es Ihnen hier trotzdem Spaß?

Elia:Solange ich spiele, habe ich immer Spaß. Da ist es mir auch egal, ob ich nach hinten arbeiten muss.

Der letzte Sieg liegt einige Wochen zurück, haben Sie Angst, dass Werder in den Abstiegsstrudel gerät.

Elia:Daran denke ich nicht. In dieser Bundesliga ist für uns alles möglich. Wir können gegen jeden Gegner gewinnen, aber auch verlieren. Wenn wir mutig sind und an unsere Qualität glauben, dann mache ich mir keine Sorgen.

Demnach hat Werder auch am Samstag gegen den FC Bayern eine Siegchance.

Elia:Natürlich. Wir müssen gegen den momentan besten Club der Welt mutig genug sein, Fußball zu spielen. Aber wir müssen auch hässlich zu den Bayern sein, ihnen das Leben schwer machen, sie ärgern. Ich meine keinen Anti-Fußball, sondern cleveren Fußball.

Hat Robin Dutt der Mannschaft schon einen seiner Spezialpläne für das Bayern-Spiel präsentiert?

Elia:Er macht schon besondere Dinge. Welche das diesmal sind, werden wir am Samstag sehen.

Welche Rolle spielt Robin Dutt für Sie?

Elia:Eine wichtige. Er redet viel mit mir. Er gibt mir Vertrauen, lässt mich in der Mannschaft, auch wenn es mal nicht so gut läuft. Aber nicht nur Robin Dutt ist wichtig für mich, das ganze Trainerteam, die ganze Mannschaft – alle bei Werder Bremen.

Jetzt schießen Sie endlich auch Tore?

Elia:(lacht) Ich habe gerade noch mit Nils Petersen gesprochen. Der hat zu meinem Hoffenheim-Tor gesagt: „Hey Elli, der war aber einfach.“ Ja, habe ich gesagt, aber jetzt stehe ich da und schiebe den Ball über die Linie. „Stimmt“, hat er dann gesagt, „letztes Jahr hast du noch an der Außenlinie gestanden.“ Das ist es, was Robin Dutt mir vor der Saison erklärt hat. Wenn ich nicht im Strafraum bin, kann ich keine Tore machen.

Verfolgen Sie morgen die WM-Auslosung?

Elia:Natürlich, mich interessiert alles, was unsere Nationalmannschaft betrifft.

Sie träumen noch von der WM-Teilnahme?

Elia:Der Traum bleibt, bis die Mannschaft nominiert worden ist. Ich spiele in der besten Liga der Welt, deshalb glaube ich an meine Chance.

Steht Ihnen dort nicht Arjen Robben im Weg?

Elia:Ich denke nicht, ich kann doch auf beiden Seiten spielen.

Sie sind in den sozialen Medien sehr aktiv. Neuerdings twittern Sie morgens einen netten Spruch für den Tag. Warum?

Elia:Man muss immer positiv denken. Ich habe viele negative Sachen erlebt. Früher war ich sehr heiß im Kopf, sehr aggressiv. Ich dachte, alle sind gegen mich. Aber wenn du alles mit mehr Ruhe machst, wenn du für deine Familie und für deine Freunde da bist – dann geht es viel besser.

Wann war in diesem Fall früher?

Elia:Ich habe vergangene Saison nicht gut gespielt, ich hatte diesen Ärger auf der Autobahn zusammen mit Marko Arnautovic. Das war alles nicht so gut. Jetzt ist alles anders. Ich denke positiv, und so soll es bleiben.

Wer hat Sie zum Umdenken gebracht?

Elia:Auf jeden Fall meine Mutter. Sie hat gesagt: „Sorg dafür, dass du positiv bist und bleibst. Sorg dafür, dass die Zeitungen nichts Negatives über dich zu schreiben haben, dass sie nur Positives von dir berichten können. Und arbeite noch härter.“ Das habe ich gemacht.

Und sind Sie zufrieden mit sich?

Elia:Ja. Aber ich muss weiter hart arbeiten.

Apropos Arbeit: Sie haben noch einen kleinen Nebenjob in Holland. Verraten Sie uns, was Sie da machen?

Elia:Ein Freund und ich haben ein Modelabel zusammen, das heißt Bale. Wir haben gerade eine Art Fußball-Trikot rausgebracht. Hinten steht der Geburtstag und der Name von Legenden wie Maradona, Baggio, Ronaldo, Zidane, Beckenbauer drauf. Aber wir machen auch noch viele andere Klamotten.

Entwerfen Sie die Sachen selbst?

Elia:Ich gehe mit meinen Ideen zu meinem Freund, der macht das dann.

Ist das nur ein Hobby oder mehr?

Elia:Ich denke schon darüber nach, was ich nach meiner Fußball-Karriere machen kann. Deshalb probiere ich jetzt einige Sachen aus. Ich kann mir auch vorstellen, mit Kindern zu arbeiten – als Jugendtrainer.

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In Ihrer Heimat oder hier?

Elia:Da, wo man mich will. Aber ich bin ja erst 26.

Was haben Sie sich als Fußballer noch vorgenommen?

Elia:Ich will mit Werder erfolgreich sein und in die Nationalmannschaft zurückkehren. Werder muss einfach wieder international spielen, da gehört der Verein hin.

Am Samstag gibt es zumindest einen Hauch von Champions League, wenn die Bayern ins Weserstadion kommen. Sind Sie da besonders heiß?

Elia:Sowieso. Ich freue mich, gegen Rafinha oder Alaba zu spielen und will den Leuten zeigen, dass ich auch an so starken Spielern vorbeikomme. Dafür brauche ich natürlich mein Team, das kann ich nicht alleine. Zusammen können wir die Bayern ärgern und vielleicht sogar besiegen. · kni

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