Werder-Aufsichtsratschef Lemke wünscht sich größeres Wir-Gefühl / Ohne Europa League weniger Stars

„Ich bitte alle, Geduld zu haben“

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Willi Lemke setzt auf die Jugend und wirbt um mehr Verständnis für die aktuelle Situation beim SV Werder Bremen.

Bremen - Diese 0:1-Pleite in Berlin war ein Schock – auch für Willi Lemke. Doch der Aufsichtsratschef des SV Werder Bremen findet den eingeschlagenen Kurs mit viel frischem Wind in der Mannschaft richtig. Der 65-Jährige stärkt nicht nur der sportlichen Leitung mit Klaus Allofs und Thomas Schaaf den Rücken, sondern richtet im Interview auch einen flammenden Appell an die Anhängerschaft der Grün-Weißen.

Herr Lemke, machen Sie sich Sorgen um Ihren SV Werder?

Willi Lemke:Nein, das mache ich nicht. Dazu besteht auch kein Anlass. Wir sind nun einmal im Umbruch, da werden wir noch weitere Enttäuschungen wie am Samstag in Berlin erleben.

Das klingt sehr gefasst.

Lemke:Glauben Sie mir, solche Spiele wie in Berlin tun auch mir richtig weh. Das war aus unserer Sicht sehr, sehr enttäuschend. Klaus Allofs hat ganz treffend von einem Katastrophenspiel gesprochen, mehr muss ich dazu gar nicht sagen. Und es ist natürlich auch kein Trost, dass unser Freund Otto Rehhagel mit seiner Hertha jubeln durfte.

Ist Werder zu grün, also zu jung für konstant gute Leistungen und die Qualifikation für das internationale Geschäft?

Lemke:Das glaube ich nicht. Diese Mannschaft hat auch den Hamburger SV überzeugend besiegt. Aber man kann nicht erwarten, dass man alles gewinnt, wenn seit Beginn der Rückrunde auf einen Schlag drei, vier Jungspunde neu dabei sind. Der Umbruch ist ein wenig aus der Not heraus passiert: Einerseits, weil uns 25 Millionen Euro aus der Champions League fehlen, andererseits aber auch, weil aktuell einige gestandene Spieler nicht zur Verfügung stehen. Die meisten, mit denen ich kommuniziere, ob direkt oder über soziale Netzwerke wie Facebook, freuen sich über die vielen neuen jungen Gesichter bei uns. An diesen Talenten werden wir noch ganz viel Freude haben. Thomas Schaaf und Klaus Allofs genießen bei diesem Umbruch unsere volle Unterstützung. Wir müssen ihnen und den Spielern diese Umbruchzeit genehmigen und sie nicht zu sehr mit Kritik überziehen.

Gilt das auch für erfahrene Spieler wie Claudio Pizarro, der nicht mehr trifft?

Lemke:Um eines klarzustellen: Ich möchte nichts schönreden, das geht beim Berlin-Spiel auch gar nicht. Normalerweise macht Claudio diese Chancen gegen Hertha mit links rein. Aber auch ein Pizarro ist kein Roboter – das dürfen wir nicht vergessen. Wir müssen gemeinsam versuchen, wieder erfolgreich zu sein.

Wie soll das aussehen?

Lemke:Ich bitte alle, vor allem die Fans, Geduld zu haben. Pfiffe sind tödlich. Die Mannschaft braucht die totale Unterstützung von den Rängen, damit ein Claudio Pizarro in der 94. Minute vielleicht doch noch den Siegtreffer gegen Hannover erzielt. Das wird nämlich ein vorentscheidendes Spiel am Sonntag. Natürlich hätten wir auch bei einer Niederlage noch viele Chancen, aber mit einem Sieg könnten wir Hannover wieder zurückstoßen und gleichzeitig unsere Abwärtsbewegung stoppen. Wir brauchen diesen sechsten Platz unbedingt, denn wir sollten uns nicht darauf verlassen, dass Dortmund im Pokalhalbfinale in Fürth gewinnt und man auch als Siebter international dabei ist.

Wie schlimm wäre ein weiteres Jahr ohne internationales Geschäft?

Lemke:Das würde schmerzen, weil wir nach der Hinrunde so gut da gestanden haben und sogar ein bisschen von der Champions League träumen durften. Ich weiß doch, wie sehr die Bremer diese Europapokal-Abende vermissen.

Und wie sehr würde Werder das Geld aus diesen Wettbewerben vermissen?

Lemke:Es wäre kein GAU, hier würden nicht die Lichter ausgehen. Es würde uns auch nicht aus der Bahn werfen, denn wir befinden uns bereits im Umbruch, haben die fehlenden Einnahmen in dieser Saison durch Sparmaßnahmen in allen Abteilungen kompensiert. Wir würden ganz sicher wieder einen Kader zusammen bekommen, der guten Fußball bieten kann.

In dem aber einige aktuelle Stars fehlen würden?

Lemke:Den einen oder anderen Spieler könnten wir uns dann nicht mehr erlauben. Aber dazu muss es nicht kommen. Die Mannschaft weiß doch, was los ist, worum es jetzt für sie und für Werder geht. Wir brauchen nun in Bremen ein noch größeres Wir-Gefühl, dann werden wir am Sonntag gewinnen und auch die Europa League erreichen! · kni

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