Tuchel tobt: „Das Ergebnis ist ein Witz“

Hunt der Werder-Held dank Wetklos Pfostencrash

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Rumms! Mainz-Keeper Christian Wetklo kracht mit dem Gesicht an den Pfosten, der Freistoß von Aaron Hunt zappelt längst im Netz. ·

Bremen - Diese Szene wird in keinem Saisonrückblick fehlen: Weil der Mainzer Keeper Christian Wetklo gestern Abend in der 85. Minute lieber unsanft den Pfosten küsste, als den haltbaren Freistoß von Aaron Hunt zu parieren, durfte der SV Werder seinen vierten Saisonsieg bejubeln.

Die Bremer sprangen durch den 2:1 (1:0)-Heimerfolg auf Platz sieben der Bundesliga-Tabelle und sind nach zehn Partien mit 14 Punkten nur zwei Zähler von Meister Borussia Dortmund auf Rang vier entfernt. Nicht schlecht nach dem gewaltigen Umbruch im Sommer.

Werder gegen Mainz: Die Einzelkritik

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„Der Sieg tut gut, und der Blick auf die Tabelle tut auch gut“, sagte Sebastian Prödl. Aber der Innenverteidiger war bei aller Euphorie auch ein ehrlicher Analyst: „Das ist ein Spiel, das man nicht gewinnen muss.“ Auch sein Boss Klaus Allofs gestand: „Das hätte auch andersherum ausgehen können. Unterm Strich ist es ein glücklicher Sieg, für den wir uns aber nicht schämen müssen.“ Deshalb stieß die Aussage von Mainz-Coach Thomas Tuchel („Das Ergebnis ist ein Witz, wir waren in allen Belangen überlegen“) auf wenig Bremer Verständnis. „Er kann ja seine Meinung haben…“, meinte Coach Thomas Schaaf ohne erkennbaren Willen, näher auf Tuchel einzugehen.

Der 05-Trainer hatte die Gastgeber schon von der ersten Minute an geärgert. Er ließ seine Truppe Pressing spielen, und das schmeckte den Bremern überhaupt nicht. Werder hatte große Probleme im Spielaufbau, und Mainz kam durch Nicolai Müller nach sieben Minuten zur ersten Großchance. Den Lupfer über den herausgestürzten Sebastian Mielitz setzte Müller aber knapp neben das Tor. „Den kann er besser chippen“, meinte in der Pause einer, der diese Qualität im Weserstadion schon oft genug bewiesen hatte: Ivan Klasnic, der einst mit Werder das Double bejubelte, nun aber für Mainz spielt oder verletzungsbedingt wie gestern zumindest auf der Tribüne die Daumen drückt.

Hunt sorgt für Bremer 2:1 gegen Mainz

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Auf der anderen Seite war die Chancenverwertung wesentlich besser: Aaron Hunt hämmerte eine Petersen-Vorlage mit dem schwächeren rechten Fuß zum 1:0 in die Maschen (11.). Doch Mainz zeigte sich unbeeindruckt vom 2 800. Tor in der Bremer Bundesliga-Geschichte. Nur Sekunden später scheiterte wieder Müller – diesmal am starken Keeper Sebastian Mielitz. Quasi im Gegenzug testete Eljero Elia die Beschaffenheit des Pfostens. Ein intensives Spiel nahm Fahrt auf.

Die 39 114 Zuschauer im nicht ganz ausverkauften Weserstadion bekamen bei Dauerregen beste Unterhaltung geboten. Wie zum Beispiel in der 30. Minute: Nach einem Katastrophen-Rückpass von Prödl rettete Mielitz erst gegen Müller, um dann noch den zu zögerlichen Andreas Ivanschitz zum Fehlschuss zu zwingen. Der Österreicher verlor in der 53. Minute auch das nächste Duell mit Mielitz – und so langsam kam der Verdacht auf: Diese Mainzer treffen heute nicht mehr. Doch der eingewechselte Assani Lukimya half den Gästen auf die Sprünge, ließ Adam Szalai ungehindert hochsteigen und einköpfen – 1:1 (64.). Es war bereits Saisontor Nummer acht des Ungarn.

Werder wankte und wäre wahrscheinlich auch gefallen, wenn Prödl seinem Teamkollegen Lukimya nicht zur Hilfe geeilt wäre und Szalai auf dem Weg zum 2:1 gestoppt hätte (84.). Eine Schlüsselszene. Denn nur zwei Minuten später folgte der tragisch-komische Auftritt von Christian Wetklo: Bei Hunts Freistoß über die Mauer landete der Ball im Netz und der etwas unbeholfen wirkende Keeper mit dem Gesicht am Pfosten. Werder jubelte, Wetklo wälzte sich am Boden und musste minutenlang behandelt werden. Die Zeitlupe sah gruselig aus. Doch später gab es erst Entwarnung von Tuchel („Ich denke, ihm ist nichts passiert, er konnte ja weiterspielen“) und dann einen deutlichen Rüffel: „Den muss er halten.“

Werder war es völlig egal. Hunt winkte seine Teamkollegen herbei, um gemeinsam vor der Ostkurve seinen Doppelpack und den fast sicheren Sieg zu feiern. Nach ein paar Zitterminuten war dieser dann auch perfekt. „Am Ende war der Wille entscheidend“, lobte Allofs – und Prödl meinte zur Achterbahnfahrt seiner Mannschaft in diesem Spiel, aber auch in der gesamten Saison: „Der SV Werder ist eine Wundertüte. Jetzt müssen wir vom Wundertütenmodell zum Qualitätsmodell werden. Das ist sehr harte Arbeit.“ Die nächste Leistungsüberprüfung gibt es am Samstag auf Schalke. · kni

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