Jurica Vranjes macht sich Sorgen um seine Ex-Clubs Werder und Stuttgart

„Hunt zu 70 Prozent in Leverkusen“

+
Er hat für Bremen und Stuttgart alles gegeben, doch Jurica Vranjes macht keinen Hehl daraus, wem er heute die Daumen drückt: „Mein Herz schlägt für Werder.“ ·

Bremen - Was haben Werder Bremen, der VfB Stuttgart und Bayer Leverkusen gemeinsam? Alle drei Bundesliga-Clubs hatten einen gewissen Jurica Vranjes unter Vertrag. Und der 34-Jährige, der seine Karriere inzwischen beendet hat, vereint in diesem Interview alle drei Vereine.

Denn der Kroate blickt nicht nur auf das heutige Abstiegsduell zwischen Werder und Stuttgart, sondern behauptet auch aller Dementis zum Trotz, dass sein Kumpel Aaron Hunt zu Bayer Leverkusen wechseln wird.

Herr Vranjes, heute kämpfen Ihre beiden Ex-Clubs Werder und Stuttgart um den Klassenerhalt. Wem drücken Sie die Daumen?

Jurica Vranjes: Werder natürlich. In Bremen habe ich meine schönsten Jahre als Fußballer erlebt. Auch wenn das Ende nicht so schön war. Aber daran war ich selbst auch Schuld. Ich habe das abgehakt. Mein Herz schlägt für Werder. Dieser Club darf einfach nicht absteigen – Stuttgart allerdings auch nicht. Es ist schwer zu ertragen, dass solche Traditionsclubs gegen den Abstieg spielen. Würden sie absteigen, dann wäre das eine Katastrophe für die Bundesliga.

Warum?

Vranjes: Die Bundesliga besteht doch schon jetzt fast nur noch aus Bayern München. Wenn dann auch noch so Traditionsvereine wie Werder und Stuttgart weg wären, dann macht das bald überhaupt keinen Spaß mehr.

Warum geht es Werder und dem VfB so schlecht?

Vranjes: Beiden Mannschaften fehlt die Qualität. Beide haben nur ein, zwei überragende Spieler. Werder hat Aaron Hunt und Zlatko Junuzovic, Stuttgart Martin Harnik und Vedad Ibisevic. Die restlichen Spieler sind gut, aber auch nicht mehr. Und nach der ersten Elf kommt nicht mehr viel. Deswegen haben sie so große Probleme. Ich will gar nicht so viel von früher sprechen: Aber die heutige Werder-Mannschaft ist mit unserer von der Qualität her überhaupt nicht mehr vergleichbar. Deswegen darf man jetzt auch nicht so viel erwarten.

Sie sprechen Aaron Hunt an: Nach unseren Informationen hat er sich bereits gegen Werder entschieden. Was würde ein Wechsel von Hunt für Werder bedeuten?

Vranjes: Das wäre sehr schlimm, das kann sich Werder eigentlich gar nicht erlauben. Man kann es mit dem Weggang von Claudio Pizarro zu den Bayern vergleichen. Okay, ,Pizza’ war ein Weltklassespieler. Aber Aaron ist jetzt genauso wichtig für Werder wie es ,Pizza’ damals war.

Hat Werder noch eine Chance, Hunt umzustimmen?

Vranjes: Ich denke nicht. Aaron will wieder international spielen – am liebsten in der Champions League. Ich glaube, er wird in Leverkusen spielen.

Moment mal, Sportchef Rudi Völler hat gerade erst verkündet, dass Hunt in den Überlegungen von Bayer Leverkusen keine Rolle spielt.

Vranjes: Es wurde im Fußball schon viel gesagt, und dann kam alles doch ganz anders. Ich denke, Aaron landet zu 70 Prozent bei Leverkusen – egal, was Rudi Völler gesagt hat.

Was halten Sie von Tottenham Hotspur und Besiktas Istanbul als Interessenten?

Vranjes: Tottenham ist wirklich eine gute Option für Aaron, aber dort müsste er sich ganz neu beweisen. Da wäre es für ihn in der Bundesliga leichter, deswegen denke ich auch, dass er in Deutschland bleibt. Und Besiktas: Wer mit 27 Jahren in die Türkei geht, für den ist es mit dem großen Fußball vorbei, für den geht es nur noch ums Geld. Das wird Aaron nicht machen.

Geld ist ein gutes Stichwort: Werder hat nicht mehr so viel wie früher – wie kann es trotzdem wieder nach oben gehen?

Vranjes: So geht es ja nicht nur Werder. Wenn Vereine plötzlich nicht mehr in der Champions League sind, dann fehlt eben das Geld. So eine Phase können nur die Bayern überbrücken, die dann mal eben für zig Millionen Euro Robben und Ribery gekauft haben. Bei Werder kommt keiner vorbei, der 70 Millionen Euro auf den Tisch legt und alle Probleme sind gelöst. Außerdem würde Werder so jemanden auch gar nicht akzeptieren. Das macht den Club auch so sympathisch. Aber deshalb muss man jetzt fünf, sechs Jahre warten, bis man wieder eine große Mannschaft aufgebaut hat. Das ist nicht einfach für die Fans. Aber einen anderen Weg gibt es nicht.

Werder kämpft wie in der Vorsaison gegen den Abstieg: War es ein Fehler, sich am Ende der vergangenen Saison von Trainer Thomas Schaaf zu trennen?

Vranjes: Ja, es war ein Fehler. Thomas Schaaf ist ein absoluter Toptrainer. Ich hatte zehn Trainer in Deutschland, aber keiner war fachlich so gut wie er. Wie er trainiert hat und uns aufs Spiel vorbereitet hat, das war überragend.

Sie hatten aber am Ende große Probleme mit ihm, haben ihn öffentlich kritisiert und wurden zur U23 abgeschoben.

Vranjes: Nicht nur ich hatte Probleme mit dem Trainer. Zum Beispiel auch Patrick Owomoyela, Ivan Klasnic oder Mohamed Zidan. Es gehörte nicht zu seinen Stärken, mit allen Spielern richtig umzugehen. Menschlich hat er sich da in der langen Zeit bei Werder schon etwas verändert. Aber wer ist schon perfekt.

Was halten Sie von Schaafs Nachfolger Robin Dutt?

Vranjes: Ich kenne ihn persönlich nicht. Aber er hat Glück, dass Werder so ein guter Verein ist und Geduld mit seinen Trainern hat. Vielleicht wird das ja noch belohnt. Ich finde, dass Werder zu langsam spielt. Wir haben damals ein, zwei Kontakte gespielt und wollten immer gewinnen. Werder will im Moment immer nur einen Punkt verteidigen und hofft dann darauf, dass es mit Glück drei werden. Aber gut, zuletzt hat das funktioniert. Doch in Zukunft muss sich Werder weiterentwickeln, wieder anderen Fußball spielen.

Wie soll das gehen ohne viel Geld für neue Spieler?

Vranjes: Man muss gute und günstige Leute aus dem Ausland und aus der Zweiten Liga holen. Und die eigene Jugend ist ganz wichtig. Ich habe noch viel Kontakt zu Frank Baumann (Direktor Profifußball bei Werder, Anmerkung der Redaktion). Er fragt mich, ob ich gute Spieler in Kroatien kenne. Und ich sage ihm immer wieder: Hol mich als Jugendtrainer zu Werder, dann habt ihr in fünf, sechs Jahren tolle Spieler (lacht).

Guter Scherz!

Vranjes: Das war kein Scherz. Ich habe den B-Schein gemacht und mir da viel von einem holländischen Trainer abgeschaut. Im Sommer mache ich in Kroatien die A-Lizenz, und danach würde ich gerne mit Jugendlichen arbeiten.

Wollen Sie keine Profi-Mannschaft übernehmen?

Vranjes: Ich bin doch nicht verrückt. Da laufen so viele Idioten rum, ich war doch selbst einer (lacht). Nein, nein – mit Jugendlichen macht es mehr Spaß.

Sie würden also gerne nach Bremen ziehen?

Vranjes: Sofort. Ich habe mich in Bremen sehr wohl gefühlt. Obwohl es hier in Kroatien auch sehr schön und vor allem warm ist.

Wo leben Sie jetzt genau?

Vranjes: In Istrien, das ist an der Grenze zu Italien. Mein letzter Verein, HNK Rijeka, ist hier ganz in der Nähe. Das hat mir so gut gefallen, da sind wir geblieben.

Aber warum spielen Sie nicht mehr für Rijeka?

Vranjes: Es hat einfach keinen Spaß mehr gemacht. Wenn du so lange in Deutschland Profi warst, dann kannst du hier in Kroatien nicht länger als ein Jahr spielen. Hier wird nicht professionell gearbeitet, aber jeder denkt, er sei der Größte. Deshalb habe ich meine Karriere beendet.

Mit 34 Jahren ist das noch recht früh.

Vranjes: Mir gefällt es, ich kann mich jetzt um meine Familie kümmern – vor allem um meine beiden kleinen Kinder.

Wo werden Sie sich das Duell Ihrer Ex-Clubs anschauen?

Vranjes: Zuhause im Fernsehen. Ich gucke fast alle Werder-Spiele live.

Rechnen Sie nach dem Trainerwechsel mit einem neuen VfB unter Huub Stevens?

Vranjes: Nicht wirklich. Ich denke, der Trainerwechsel kommt zu spät. Für Stuttgart wird es ganz, ganz schwierig. Leider. Aber Werder darf sich nicht zu sicher fühlen. Gewinnt Stuttgart, wird es auch für Werder wieder eng. Gewinnt Werder, dann mache ich mir keine Sorgen mehr. · kni

England hebt nach Attentat Terrorwarnstufe

England hebt nach Attentat Terrorwarnstufe

Poledance sorgt für durchtrainierte Figur

Poledance sorgt für durchtrainierte Figur

Von scharf bis süß: Die Avocado ist ein Alleskönner

Von scharf bis süß: Die Avocado ist ein Alleskönner

Wandern im ursprünglichen Defereggental

Wandern im ursprünglichen Defereggental

Meistgelesene Artikel

Delaney vor Dortmund: „Wir sind die Underdogs“

Delaney vor Dortmund: „Wir sind die Underdogs“

Eine Niederlage, aber keine krachende

Eine Niederlage, aber keine krachende

Wollten Osnabrücker U23-Spieler von Werder beeinflussen?

Wollten Osnabrücker U23-Spieler von Werder beeinflussen?

Furioses Finale ohne Freudentaumel

Furioses Finale ohne Freudentaumel

Kommentare