Der Werder-Check:

Hunt ist der „Offensiv-Kapitän“

+
Gute Bälle nach vorne, aber noch Mängel in der Defensive: Werders neuer Innenverteidiger Luca Caldirola.

Bremen - Die Vorbereitung nähert sich mit großen Schritten ihrem Ende. Nur noch acht Tage, dann beginnt für Werder Bremen mit dem Pokalspiel in Saarbrücken die neue Saison. Morgen (15 Uhr) gibt es den Testspiel-Höhepunkt gegen den FC Fulham. Wer hat beim neuen Trainer Robin Dutt seinen Stammplatz sicher, wer muss zittern, wer ist weit weg von der Startelf oder gar dem Kader? Der Spieler-Check:

Tor

Sebastian Mielitz: Die klare Nummer eins bestritt fast alle Testspiele und machte insgesamt einen guten Eindruck, vor allem gegen Leipzig. Fehler wie gegen Ajax Amsterdam muss er jedoch vermeiden.

Raphael Wolf: Gegen Erfurt überraschend im Tor und mit einer starken Vorstellung. Fand auch Dutt: „Er konnte sich ein paar Mal auszeichnen.“ Nach seiner schweren Knieverletzung (Außenbandriss, Kreuzband-anriss) ist Wolf schon wieder erstaunlich reaktionsschnell. Der Kampf um die Nummer zwei mit Strebinger beginnt.

Richard Strebinger: Sollte in Erfurt spielen, fiel aber wegen Rückenproblemen aus und verpasste die Chance, sich auch mal unter Wetkampfbedingungen zu zeigen. Die Trainingseindrücke sind ordentlich.

Kevin Otremba: Der U 23-Keeper durfte mit in die Trainingslager, allerdings war das nicht mehr als ein Reinschnuppern.

Abwehr

Clemens Fritz: Der Kapitän wollte eine feste Position – und er bekam sie. Allerdings nicht im von ihm favorisierten Mittelfeld, sondern wieder als Rechtsverteidiger. Spielt dort, genau wie sein Pendant auf links, wesentlich offensiver als in der Vorsaison und ist auffälliger. „Wir wollen Druck über die Außen erzeugen. Der Weg nach vorne ist kürzer, das tut mir ganz gut“, urteilt der 32-Jährige. Hin und wieder ist die Seite bei Bremer Ballverlusten aber zu offen – weil die Abstimmung nicht passt.

Luca Caldirola: Das Positive vorweg: Der neue Linksfuß aus Italien kann herrliche, punktgenaue lange Bälle schlagen und hat sein Talent im Aufbauspiel schon angedeutet. Im Zweikampfverhalten jedoch mit teilweise haarsträubenden Fehlern. Mal kommt er zu spät, mal unterschätzt er Bälle – gegen Leipzig gleich drei Mal in 20 Minuten Spielzeit. Mitunter noch ein Sicherheitsrisiko.

Sebastian Prödl: Dutt hat den Österreicher zum neuen Abwehrchef ausgerufen – doch er hat die oft wacklige Defensive bisher nicht in den Griff bekommen. Ex-Sportchef Klaus Allofs sagte es in der österreichischen Zeitung „Kurier“ treffend: „Basti muss noch mehr ein Leader werden.“ Und er muss seine Fehler reduzieren. Gegen Erfurt leistete er sich einen groben Patzer, musste foulen und sah Gelb.

Assani Lukimya: In Blankenhain kurz verletzt, das warf ihn noch weiter zurück. Derzeit nur erster Vertreter, wenn Prödl oder Caldirola ausfallen.

Mateo Pavlovic: Vor allem im taktischen Bereich mitten in der Lernphase – und das kann noch dauern. Momentan Innenverteidiger Nummer vier.

Theodor Gebre Selassie: Auf seiner angestammten Position hinten rechts nicht erste Wahl, deshalb als Linksverteidiger ausprobiert. Spielt solide – und wird dort, wie es aussieht, in die Saison starten. Dass sich der Tscheche den Ball (vor allem bei Flanken) häufig auf den stärkeren rechten Fuß legt, nimmt Dutt in Kauf: „Das ist doch bei Philipp Lahm, wenn er links spielt, nicht anders.“

Lukas Schmitz: War fest eingeplant als Linksverteidiger, dann kam im Zillertal der große Rückschlag: Fußwurzelbruch. Derzeit absolviert er seine Reha und sagt: „Anfang September möchte ich wieder auf dem Platz stehen.“

Florian Hartherz: Bekam einige Chancen als Schmitz-Ersatz, nutzte sie aber nicht. Kommt noch ein neuer Linksverteidiger, wird er ein Ausleih- oder sogar Verkaufs-Kandidat.

Cimo Röcker: Dutt nahm ihn nicht mit ins Trainingslager nach Blankenhain. Ein klares Zeichen: Der 19-jährige Linksverteidiger spielt derzeit keine Rolle, soll wohl ausgeliehen werden.

Mittelfeld

Mehmet Ekici: Wie in der Jugend auf der Sechser-Position – ein cleverer Schachzug von Dutt, denn dort kann der feine Techniker seine Kreativität ausspielen. Schönes Tor in Erfurt. Hat Spaß, wirkt teilweise wie ausgewechselt. So gelingt ihm im dritten Werder-Jahr endlich der Durchbruch.

Cedric Makiadi: In der Vorbereitung mit Licht und Schatten, doch dann folgte eine Gala des Neuzugangs vom SC Freiburg: Bester Mann auf dem Platz in Erfurt, leitete vier Tore ein. „Deswegen haben wir ihn ja auch geholt“, sagt Robin Dutt. Makiadi, der drei Millionen gekostet hat, ist „jeden Euro wert“, urteilt der Coach. Auch im Team kommt der 29-Jährige bestens an. „Cedric ist sehr ruhig am Ball, bringt seine Erfahrung rein, will die Mannschaft mit führen. Er tut uns gut“, meint Kapitän Clemens Fritz.

Rücken die Außenverteidiger bei Ballbesitz vor, lässt sich Makiadi oft zurückfallen, spielt eine Art Libero – und baut das Bremer Spiel auf. Er geht aber auch gerne mal mit nach vorne und kann dort tödliche Pässe spielen.

Zlatko Junuzovic: Von den drei defensiven Mittelfeldspielern bisher der Unauffälligste. Trotzdem scheint der Stammplatz erst mal sicher.

Aaron Hunt: Auf den Nationalspieler hält Dutt riesige Stücke. „Er ist der Kapitän der Offensive, hat alle Freiheiten und kann vorne machen, was er will. Er entscheidet alleine, welche Räume er besetzt. Da brauche ich ihm keine Tipps zu geben, die Verantwortung übertrage ich ihm“, sagt der Coach. Meistens spielt Hunt zentral – häufig etwas zurückgezogen, manchmal auch ganz vorne.

Felix Kroos: Mal „Sechser“, mal Innenverteidiger – aber beides nur als Ersatzmann. Weil beide Positionen üppig besetzt sind, ist eine Ausleihe wahrscheinlich.

Özkan Yildirim: Nach seiner Bänderdehnung im Knie seit Blankenhain wieder voll dabei. Bislang aber ohne große Akzente.

Levent Aycicek: Die Zeit für das große Offensivtalent scheint noch nicht gekommen zu sein. Zwei Möglichkeiten sind denkbar: Trainieren bei den Profis und spielen in der U 23 oder eine Ausleihe.

Aleksandar Ignjovski: Schwere Zeiten für den Defensiv-Allrounder. Offensichtlich weit weg von der ersten Elf. Als Linksverteidiger, wo der Serbe auch spielen kann, wurden zuletzt Hartherz und Gebre Selassie bevorzugt. Und im Mittelfeld ist ebenfalls kein Platz.

Tom Trybull: Verpasste das dritte Trainingslager wegen Problemen an seinem im April operierten rechten Sprunggelenk. Comebackzeitpunkt offen, Zukunft auch.

Aleksandar Stevanovic: Mehrfach im defensiven Mittelfeld (und nicht als Rechtsverteidiger) getestet. Hin und wieder blitzten gute Ansätze auf. Das ist aber zu wenig, um den Etablierten richtig Feuer zu machen. Sehr gut möglich, dass er verliehen wird. „Das ist nicht auszuschließen“, sagt er selbst: „Aber wenn es da eine klare Ansage gibt, weiß ich, wo ich stehe.“

Philipp Bargfrede: Die Zwangspause nach dem Meniskuseinriss im rechten Knie dauert noch etwa zwei Monate.

Predrag Stevanovic: Fehlt nach seinem Außenband-riss im linken Knie noch rund zwei Monate.

Angriff

Nils Petersen: Mit zehn Treffern bisher Werders bester Vorbereitungs-Schütze. Jedes Tor tut dem Stürmer, der in der Rückrunde so lange darben musste, sichtlich gut. Die Vollstrecker-Qualitäten kommen allmählich zurück.

Marko Arnautovic: Momentan nur Ersatz, noch nicht richtig fit. Doch Sportchef Eichin sieht den Österreicher auf einem guten Weg (siehe Artikel rechts).

Eljero Elia: Die neue, extreme Variabilität in der Offensive beflügelt den Niederländer. Er klebt nicht mehr starr an der Seitenlinie, sondern rochiert viel, kann dadurch seine Schnelligkeit besser ausspielen. Er ist fit, engagiert – und Dutt scheint seine Spielweise zu mögen. Der Coach plant fest mit dem 26-Jährigen.

Niclas Füllkrug: Acht Tore in den Testspielen sind gut, trotzdem reicht’s noch nicht für die A-Elf. Der 20-Jährige ist aber eine wichtige Offensiv-Alternative.

Joseph Akpala: Alles soll besser werden – hat der Nigerianer kürzlich gesagt. Bisher ist das nicht so. Ein Joker, mehr nicht.

Johannes Wurtz: War nicht mit in Blankenhain, spielte stattdessen in der U 23. Klarer Ausleihkandidat – wenn sich ein Interessent findet, der auch Werder gefällt.

Denni Avdic: Zurück aus Zwolle, aber bald wieder weg. Werder will den Schweden abgeben. · mr

Trump: Lösung im Nahost-Konflikt kann Region befrieden

Trump: Lösung im Nahost-Konflikt kann Region befrieden

Viele Tote bei Anschlag in Manchester - Täter ermittelt

Viele Tote bei Anschlag in Manchester - Täter ermittelt

Ajax gegen Man United: Ein "Giganten-Duell" im Schatten des Terrors

Ajax gegen Man United: Ein "Giganten-Duell" im Schatten des Terrors

Lkw-Unfall an Stauende in Oyten

Lkw-Unfall an Stauende in Oyten

Meistgelesene Artikel

Alles anders im Angriff?

Alles anders im Angriff?

Prödls „Meilenstein“ und viel Lob für Werder

Prödls „Meilenstein“ und viel Lob für Werder

Sambou Yatabare vor dem Abflug

Sambou Yatabare vor dem Abflug

Rene Adler kein Thema für Werder

Rene Adler kein Thema für Werder

Kommentare