Hunt ist hin- und hergerissen

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Wohin führt sein Weg? Werders Vizekapitän Aaron Hunt weiß es offensichtlich selbst noch nicht. ·

Bremen - Bleibt er oder geht er? Die Zukunft von Aaron Hunt ist in der Winterpause das heiß diskutierteste Personal-Thema bei Werder Bremen. Auch die Fans wollen lieber heute als morgen wissen, ob der Vizekapitän seinen im Sommer auslaufenden Vertrag verlängert oder sich im guten Fußballer-Alter von 27 Jahren noch mal anders orientiert.

Eine Antwort auf die brennende Frage gibt es von Hunt allerdings nicht. Auch Versuche, irgendetwas in diese Richtung in seinem Gesicht abzulesen, sind zwecklos. Während der Medienrunde kraulte er sich gestern zwar mehrfach den Bart, den er mittlerweile trägt – jedoch offensichtlich nicht vor Nervosität. Er wirkte total sachlich, ließ überhaupt keine Tendenz erkennen.

Fans und Verantwortliche werden noch ein Weilchen warten müssen, ob er den Daumen denn nun senkt oder hebt. „Ich bin nicht erst seit ein oder zwei Jahren bei Werder, dann würde es mir vielleicht etwas leichter fallen. Ich bin eine Ewigkeit hier – und dann ist das keine Entscheidung, die ich mal eben so in einer oder zwei Wochen treffen kann. Da werde ich mir die Zeit nehmen, alles gründlich zu überlegen“, erklärt Hunt, der hin- und hergerissen scheint. Der nächste Vertrag sei „natürlich ein wichtiger. Und da geht einem einiges durch den Kopf. Will man vielleicht noch mal ins Ausland? Vielleicht ist es die letzte Chance“, sagt Hunt. Ein Wechsel in der Bundesliga sei dagegen schwer vorstellbar: „Da würde mich schon eher das Ausland reizen.“

Bisher habe kein detailliertes Gespräch mit Sportchef Thomas Eichin über die Zukunft stattgefunden. Und im Trainingslager im spanischen Jerez de la Frontera, in das Werder heute Vormittag aufbricht, wird es auch noch keines geben. „Da haben wir andere Sachen zu tun“, meint Hunt. Nach der Rückkehr jedoch werden sich die beiden Parteien „Ende Januar oder im Februar“ (Hunt) an den Verhandlungstisch setzen. „Und dann“, verspricht Hunt, „wird es sich nicht mehr ewig hinziehen. Der Verein will planen und möglichst schnell eine Entscheidung von mir – das kann ich durchaus verstehen.“

Gespräche mit anderen Clubs (etwa aus England, wo Southampton und Newcastle interessiert sein sollen) habe er bisher nicht geführt, betont der Mittelfeldmann: „Werder bleibt mein erster Ansprechpartner. Aber ich weiß bisher nicht, wie Werders Plan aussieht, wie sie sich in der Zukunft aufstellen wollen, welche Ziele sie haben. Das will ich mir erst mal anhören.“

Dass Eichin und auch Coach Robin Dutt den spielstärksten Bremer gerne weiter in Grün-Weiß erleben möchten, ist inzwischen hinlänglich bekannt. Seit Wochen, eigentlich sogar schon Monaten umschmeicheln sie den 27-Jährigen und lassen keine Gelegenheit aus, ihn ausdrücklich als Führungsspieler und Eckpfeiler zu loben. Eine Vereins-Ikone könne er werden, wenn er bleibt – hieß es. Auch die Schimpftiraden vieler Fans, die lange Zeit extrem kritisch ihm gegenüber waren, sind inzwischen deutlich leiser geworden. „Das nehme ich natürlich alles zur Kenntnis, lasse es nicht einfach an mir abprallen. Und es freut mich natürlich, dass Trainer und Manager mich so schätzen. Ich weiß auch, woran ich bin und was ich hier habe“, betont Hunt.

Aber reicht das letztlich, um noch mal in Bremen zu unterschreiben? Das muss bezweifelt werden. Hoher Wohlfühlfaktor, deutlich gewachsene Akzeptanz, keine Abstriche beim fürstlichen Gehalt (2,6 Millionen Euro im Jahr): schön und gut. Aber es gibt da eben auch noch die sportlichen Reize. Und da hat Werder nicht so überzeugende Karten. Europa oder gar Champions League kann der Club aktuell und wohl auch in naher Zukunft nicht bieten. Ein klarer Nachteil. „Als Fußballer will man immer eine gewisse Perspektive haben und möglichst weit oben, am liebsten international spielen“, sagt Hunt.

Die Realität in Bremen ist derzeit allerdings eine andere. „In dieser Saison müssen wir eher ein Stück nach hinten gucken als nach vorne – da muss man ehrlich sein. Das hat die Hinrunde eindeutig gezeigt“, erinnert Hunt an die 19 Punkte aus 17 Spielen. Ob sich Werder in Zukunft wieder deutlich nach oben entwickelt, mag der Vizekapitän nicht einschätzen: „Was in den nächsten Jahren ist, weiß ich nicht.“ · mr

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