Doppelpack beim 2:0 gegen Hertha

Hunt-Gala zum Doubiläum

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AARON HUNT HATTE gestern viele Hände zu schütteln. Für den scheidenden Bremer Spielmacher war es auch dank seiner zwei Tore gegen Hertha BSC ein wunderbarer Nachmittag.

Werder-Bremen - Aaron Hunt saß mit seiner Familie im Auto und hatte schon die ersten Meter vom Parkplatz zurückgelegt, als er plötzlich nach dem Wink eines Passanten stoppte. Der Werder-Profi stieg aus, ging zu einem Jungen, der in einem Rollstuhl saß, und gab ihm ein Autogramm.

Sekunden später war der 27-Jährige von Fans umringt, schüttelte Hände, ließ sich fotografieren. Minutenlang. Wie schon eine Stunde zuvor im Weserstadion. Da hatte er sich nach dem 2:0 (0:0)-Sieg gegen Hertha BSC „gefühlt von der ganzen Ostkurve verabschiedet“, wie er später berichtete. Es war einfach sein Nachmittag – und das beim Doubiläum mit den ganzen Helden von 2004. Aber wenn einer nach 13 Jahren mit zwei wunderschönen Toren sein Wohnzimmer wohl für immer verlässt, „dann ist das perfekt“, wie er selbst gestern Abend mit einem Strahlen im Gesicht urteilte.

Es hatte lange Zeit gar nicht nach einer Hunt-Gala ausgesehen. Irgendwie waren alle Beteiligten – ob Spieler oder Fans – in der ersten Halbzeit mit ihren Gedanken ganz woanders. Zum Beispiel bei Thomas Schaaf und Co., die von der Tribüne aus die Partie verfolgten und der Rasenparty zum Zehnjährigen in der Halbzeit entgegenfieberten. „Die Jungs sehen doch alle noch recht fit aus. Also, wenn es eng wird auf dem Platz, oben stehen einige bereit“, hatte Schaaf beim Zusammentreffen mit seiner Meister- und Pokal-Mannschaft von 2004 eine Stunde vor dem Spiel schmunzelnd angeboten.

Auch kurz vor dem Anpfiff gab es jede Menge Ablenkung. Aaron Hunt lief zu seinem letzten Werder-Heimspiel mit seinem siebenjährigen Sohn Fin-Ashley ein („Das war sein und mein Wunsch“) und wurde anschließend ebenso offiziell von der Geschäftsführung verabschiedet wie Sebastian Mielitz, Aleksandar Ignjovski, Cimo Röcker, Aleksandar Stevanovic und Predrag Stevanovic. „Das war emotional alles gar nicht so einfach“, gestand Hunt: „Und das hat man meinem und unserem Spiel auch angemerkt.“

Bilder vom Spiel

Werder gewinnt 2:0 gegen Hertha

Weil die Gäste aus Berlin ebenfalls nicht in Tritt kamen, entwickelte sich eine völlig zerfahrene Partie, die weitere Ablenkung über sich ergehen lassen musste. So herrschte im mit 42 100 Zuschauern ausverkauften Rund plötzlich eine Riesenstimmung, als die Führung der Bayern beim HSV auf der Anzeigetafel aufleuchtete. „Zweite Liga – Hamburg ist dabei“, johlte die Masse – und vergaß gerne die dürftige Darbietung auf dem eigenen Rasen.

Als Entschädigung gab es eine ganz besondere Pause – die vielleicht sogar schönste und ganz sicher lauteste Werder-Pause aller Zeiten. Denn das Stadion bebte vor Beifall, als die Double-Helden aufgerufen wurden – ganz speziell bei Thomas Schaaf, Ailton und Johan Micoud. Leider war der Zauber viel zu schnell vorbei.

Aber zum Glück gibt es auch im aktuellen Team noch einen mit magischem Touch: Aaron Hunt. Nach einem feinen Doppelpass mit Franco Di Santo vollstreckte der Spielmacher sehenswert zum 1:0 (48.). Diese schnelle Führung nach dem Wechsel tat Werder richtig gut. Jetzt lief es. Nur die Ostkurve spielte kurzzeitig nicht mit. Es gab Handgreiflichkeiten und „Nazis-raus-Sprechchöre“. Die Kurve schien kurzzeitig gespalten. Doch nach einigen Minuten legte sich die Aufregung.

Auf dem Platz ging es munter weiter. Di Santo vergab die Riesenchance zum 2:0 (58.), Herthas starker Ronny scheiterte an Keeper Raphael Wolf (59.). Viel mehr kam von den Berlinern nicht. Dafür aber von Hunt – wem auch sonst? Glänzend von Clemens Fritz in Szene gesetzt, drosch der 27-Jährige die Kugel kurz vor Schluss in die Maschen. Kein Drehbuchautor dieser Welt hätte es sich besser ausdenken können.

Bilder von der Verabschiedung

Verabschiedung bei Werder Bremen

Aaron Hunt: Bilder seiner Zeit bei Werder Bremen

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Mit dem Sieg kletterte Werder auf Rang zwölf und hat sogar noch Platz neun im Blick. „Diese Minimalchance müssen wir nutzen“, forderte Sportchef Thomas Eichin. Schließlich geht es um viel Geld. Und das benötigt Werder ganz dringend – vor allem für einen Hunt-Ersatz. Die Abhängigkeit von dessen Qualitäten war gestern einmal mehr zu sehen. Eine Lösung konnte Eichin noch nicht präsentieren – genauso wenig wie Hunt einen neuen Verein. Nur einen Wechsel zu Besiktas Istanbul schloss der 27-Jährige aus. Es ist also noch völlig offen, wo Hunt nächste Saison seine Autogramme schreibt.

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