Werder besiegt Hoffenheim dank Almeida mit 2:1 und darf weiter vom Finale in Berlin träumen

Hugos Schuss ins Halbfinale

Ein kräftiger Klopfer auf die Raute: Mit einer Liebeserklärung an Werder feierte Matchwinner Hugo Almeida sein tolles Tor zum 2:1 gegen Hoffenheim.

Werder-Bremen - Von Carsten Sander · Ein Freistoß-Knaller von Naldo und ein Hammer von Hugo Almeida haben Werder Bremen gestern Abend das Halbfinale im DFB-Pokal beschert. Mit einem 2:1 (1:0)-Sieg über die TSG Hoffenheim zog der Pokalverteidiger zum insgesamt 19. Mal in die Runde der letzten vier Teams ein. Das Finale in Berlin – es ist jetzt ganz nahe.

Bevor die Hauptdarsteller aber loslegen durften, mussten erstmal andere ran. Trotz der Rasenheizung hatte der Schnee die Spielfläche im Weserstadion kurz vor dem Anpfiff vollständig in Besitz genommen. Doch das Problem wurde einfach, effektiv und auf ziemlich bremische Weise gelöst: mit Fischernetzen zogen fleißige Helfer das Weiße vom Grünen.

Es konnte gespielt werden. Und Werder wurde in den ersten Minuten dem Ruf, ein Pokalteam zu sein, vollauf gerecht. Mesut Özil hatte in der sechsten Minute die erste Großchance, die zweite folgte wenig später. Bei einem Konter über Özil fehlten Claudio Pizarro nur Zentimeter, um das gelbe Spielgerät über die Linie zu drücken.

Hoffenheim wurde förmlich überrumpelt. Was erklärbar war. Denn neben den Offensivkräften Demba Ba und Chinedu Obasi musste 1899-Coach Ralf Rangnick auch dreiviertel seiner Viererkette ersetzen. Josip Simunic (Wadenzerrung), Marvin Compper (Sprunggelenksverletzung) und Andreas Beck (Innenbandriss) fehlten verletzt. Per Nilsson, Isaac Vorsah in der Mitte sowie Andreas Ibertsberger und Christian Eichner brauchten Zeit, die eigene Ordnung zu finden. Als das aber geglückt war, war’s für Werder nicht mehr so leicht.

Bilder vom Spiel

DFB-Pokal: Werder gegen Hoffenheim

Es musste ein Tor der rustikalen Art her, um aus der bisherigen Überlegenheit auch eine Bremer Führung zu machen. Es war Naldo, der nach gefühlt 50 missglückten Versuchen, endlich wieder einen Freistoß in des Gegners Tor wuchtete. Und wie! Von halblinker Position traf er mit rechts diagonal genau in den Winkel. Ein Augenschmaus, ein Muss für jede Zeitlupe. 27 Minuten waren gespielt.

Bis dahin hatte sich der Gast aus dem Kraichgau gemäß seiner Eigeneinschätzung (Rangnick: „Wir sind hier der krasse Außenseiter“) total auf Defensivarbeit beschränkt. Enttäuschend. Aber Hoffenheim bewies in der Folge, dass fünf Ausfälle nicht das Ende der Spielkultur sein müssen. Die TSG wachte auf, brachte Werder in Not. Oder besser: Werder brachte sich unter Druck selbst in Bedrängnis. Ein Fehler von Clemens Fritz, ein Fehlpass von Petri Pasanen – zweimal eröffnete sich den 1899ern die Chance zum Ausgleich. Sejad Salihovic und Vedad Ibisevic wussten sie nicht zu nutzen (37./39.)

Werder-Keeper Tim Wiese musste in beiden Szenen nicht eingreifen, an diesen beiden Möglichkeiten kann es folglich nicht gelegen haben, dass er nach der Pause wegen eines eingeklemmten Nerves im Rücken in der Kabine blieb. Ersatzmann Christian Vander nahm Wieses Platz ein. Und vor ihm entwickelte sich eine immer interessantere Partie. Hoffenheim drängte, Werder wehrte sich. Die Lethargie der Krisenwochen – man glaubte sie schon zurück in der Mottenkiste.

Bis Aaron Hunt das Gegenteil bewies und nichts gegen eine Hoffenheimer Kombination unternahm, an deren Ende der gerade eingewechselte Prince Tagoe zum 1:1 (73.) einköpfte.

Ein Joker-Tor für Hoffenheim, aber auch ein Tiefschlag für Werder? Die Antwort gab Hugo Almeida. Zeitgleich mit Prince Tagoe war er auf den Platz gekommen und zeigte nur drei Minuten nach dem Ausgleich: Joker-Tore sind keine Zauberei. Oder doch ein bisschen. Denn wie der Portugiese das 2:1 erzielte, war allererste Güteklasse. Perfekte Ballmitnahme, kurzer Sprint und ein knallharter Abschluss aus 16 Metern.

Die 25 753 Zuschauer im Weserstadion waren begeistert – die Männer mit den Fischernetzen auch? Auf sie wartet nun die nächste Herausforderung: Den arg ramponierten Rasen wieder herrichten…

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