Zustand ist noch immer kritisch / Unfall im Gästeblock / 17 Polizisten verletzt

HSV-Fan wiederbelebt

Betretene Mienen: Bremens Polizeipräsident Holger Münch, Werder-Geschäftsführer Klaus Filbry und Einsatzabschnittsleiter Kai Ditzel (v.l.) während der Pressekonferenz gestern Nachmittag.

Werder-Bremen - Von Ralf Sussek und Arne Flügge (Eig. Ber.) · Sieben verletzte HSV-Fans, zwei davon schwer, und 17 verletzte Polizeibeamte – das ist die traurige Bilanz nach einem Zwischenfall im Gästeblock des Weserstadions.

Da geriet der 3:2-Sieg von Werder Bremen im Nordderby der Fußball-Bundesliga zur Nebensache. „Da relativiert sich einiges“, sagte gestern Werder-Geschäftsführer Klaus Filbry auf einer eilends einberufenen Pressekonferenz der Polizei: „Ich wünsche im Namen von Werder Bremen allen Verletzten gute Besserung.“

Gestern war Tag eins der Aufarbeitung der Vorkommnisse direkt nach dem Spiel. Schnell war in Fan-Foren im Internet und in der Berichterstattung von „Panik“ die Rede gewesen, die sich während einer so genannten Blocksperre ausgebreitet habe. Ein HSV-Anhänger sagte dem Radiosender NDR Info: „Die haben in zwei, drei Lagen unten auf der Treppe gelegen, und von oben kamen die Leute rüber. Es war wie in Duisburg bei der Loveparade.“

Polizeipräsident Holger Münch erklärte, man habe sich gemeinsam mit den Fanbeauftragten des HSV auf eine Blocksperre verständigt. Die HSV-Anhänger sollten also so lange in ihrem Block und auf den Versorgungsebenen bleiben, bis der Platz vor dem Weserstadion nicht mehr vor Werder-Fans wimmelt. Nur: Diesmal war der Abfluss der Grün-Weißen langsamer als sonst. Statt wie geplant 20 dauerte die Sperrung schließlich 27 Minuten, hieß es. „Die Zeitüberschreitung wurde von uns nicht als problematisch angesehen“, sagte der für den Einsatz zuständige Polizeiführer Heinz Pusch. Wohl aber von etwa 20 HSV-Anhängern, die befürchteten, ihre Züge in Bremen und Hamburg zu verpassen. Zudem wurde in Hamburger Kreisen kolportiert, dass die Sperrung rund 40 Minuten gedauert habe. Die Fans durchbrachen dann die Absperrung von etwa 24 Polizeibeamten an einem von drei Treppenabgängen.

Dabei stürzten einige der Gäste-Fans ebenso die Treppe hinunter wie einige Beamte. Die Bilanz: Zwei HSV-Anhänger landeten schwerverletzt im Krankenhaus; ein 44-Jähriger aus Neumünster (Schleswig-Holstein) musste noch an Ort und Stelle wiederbelebt werden. Er ist noch immer im Krankenhaus, „und sein Zustand ist kritisch“, sagte Münch.

Ein 43-jähriger Hamburger ist mittlerweile aus der Klinik entlassen worden. Von fünf leichtverletzten Fans wurden drei ambulant versorgt, zwei verweigerten den Transport ins Krankenhaus. Von den 17 Polizeibeamten erlitten elf einen schockähnlichen Zustand, die restlichen Quetschungen und Prellungen.

Die Polizei verwahrte sich gestern gegen die anderslautenden Darstellungen, die Situation sei beim Öffnen der Sperren eskaliert. Es habe keine Eskalation, keinen Druck durch nachrückende Fans gegeben, so die Polizei gestern. Allerdings wuchs gegen Ende der Blocksperre die Ungeduld der Fans: „Sie haben ,Macht auf‘ gesungen“, sagte Rainer Zottmann, der Leiter der Zentralen Einsatzsteuerung.

Direkt nach dem Unfall sei der Bereich auch abgesperrt und als „Tatort“ angesehen und die Sperren an den anderen Treppen geöffnet worden. Die Ermittlungen werden nun – weil sie sich auch gegen Polizeibeamten richten könnten – von der internen Ermittlungsgruppe der Polizei geführt.

HSV-Sportdirektor Bastian Reinhard war schockiert, als er von den Vorkommnissen erfuhr. „Man müsste doch denken, dass die Infrastruktur in der Liga überall gut ist. Ich bin erschüttert. Ich wünsche, dass alle schnell gesund werden.“ Und Werder-Geschäftsführer Klaus Filbry forderte: „Die Angelegenheit muss sauber und vernünftig analysiert werden, um solche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden.“

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