Eine Bremer Legende feiert 70. Geburtstag

Höttges: „Ich liebe Werder wirklich“

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Lang, lang ist’s her: Horst-Dieter Höttges 1965 – in jenem Jahr, als er mit Werder Bremen sensationell Deutscher Meister wurde. Vom größten Erfolg mit seinem Verein schwärmt der Welt- und Europameister noch heute: „In diesem Jahr passte wirklich alles.“

Bremen - Es ist fast jeden Tag das gleiche Bild am Bremer Weserstadion. Ein silbergrauer Mercedes Kombi mit Verdener Kennzeichen schleicht über das Gelände. Hin und wieder, wenn ein Profi vorbeischlendert, geht auf der Fahrerseite das Fenster runter.

Eine kurze Begrüßung oder ein kleiner Plausch. Im Wagen sitzt eine Werder-Legende: Horst-Dieter Höttges. Der Welt- und Europameister kann eben nicht ohne „seinen“ Club, mit dem er 1965 völlig überraschend Deutscher Meister geworden war. Heute ist der Mercedes wieder da, aber nur auf dem Parkplatz. Höttges feiert drinnen im Bauch der Westkurve seinen 70. Geburtstag.

„Wenn das Training nicht-öffentlich ist, komme ich nicht. Ansonsten bin ich jeden Tag da“, sagt Höttges und erklärt seine regelmäßigen Stippvisititen im Gespräch mit dieser Zeitung, das gestern passenderweise in seinem Auto stattfand: „Ich bin eben neugierig, was hier passiert und was gemacht wird. Fußball war und ist mein Leben. Und ich liebe Werder wirklich.“

Natürlich geht es heute Mittag beim großen Empfang hauptsächlich um das runde Leder. 80 bis 100 Gäste erwartet Höttges – darunter viele Bremer Weggefährten, aber auch damalige Mitspieler aus der Nationalmannschaft wie Uwe Seeler.

Eisenfuß trifft Eisenfuß: Horst-Dieter Höttges mit der Skulptur eines Bremer Künstlers, die sein Bein darstellt und vor dem Werder-Fan-Shop steht.

Man wird sich viel zu erzählen haben und in Erinnerungen schwelgen. Große Momente mit Beteiligung des kompromisslosen Verteidigers gibt es genug. Etwa die drei Weltmeisterschaften 1966, 1970 und 1974. 1966 verlor Deutschland das Finale in London mit 2:4 nach Verlängerung gegen England. Höttges war angeschlagen, hätte wegen einer Sprungelenksverletzung eigentlich gar nicht auflaufen können – und dann trifft sein Gegenspieler Geoff Hurst auch noch drei Mal, darunter das legendäre Wembley-Tor. „Hurst war eben ein sehr guter Mann“, erinnert sich Höttges an den „bittersten Moment“ seiner Karriere, ergänzt aber mit einem Schmunzeln: „Ich habe danach noch zwei Mal gegen ihn gespielt. Ein Mal wurde er ausgewechselt.“

Die großen Erfolge für den Eisenfuß („Ich glaube, diesen Spitznamen hat mir Günter Netzer mal bei einem Lehrgang verpast“) kamen danach: Europameister 1972 in Brüssel, Weltmeister 1974 in München – auch, wenn Höttges nur im Gruppenspiel gegen die DDR in Hamburg mitmachen durfte und sein Gegenspieler Jürgen Sparwasser zum entscheidenden 1:0 traf. „Ich habe ihn vor ein paar Wochen in Berlin getroffen, da haben wir natürlich auch darüber geredet“, sagt Höttges, der 66 Länderspiele bestritt.

Sein größter Vereinstriumph war zweifellos die Deutsche Meisterschaft mit Werder – dem Club, mit dem er (wie einst versprochen) nie abstieg und den er während seiner kompletten Profikarriere (1964 bis 1978, 420 Bundesliga-Spiele, 55 Tore, 39 davon per Elfmeter) nie verlassen hat. Höttges, damals gerade von der Borussia aus seinem Geburtsort Mönchengladbach nach Bremen gewechselt, schwärmt noch immer: „In diesem Jahr passte wirklich alles.“

Im Gegensatz zu den vergangenen drei Spielzeiten, als Werder sogar in Abstiegsgefahr schwebte. Inzwischen hat sich viel verändert. Trainer Thomas Schaaf und Sportchef Klaus Allofs sind weg, Robin Dutt und Thomas Eichin dafür da. „Eichin hat seine Sache mit den Transfers sehr gut gemacht“, findet Ehrenspielführer Höttges: „Und Dutt ist ein vernünftiger Mensch, der, genau wie Schaaf, richtig gute Arbeit leistet. Ich habe schon ein paar Mal mit ihm gesprochen.“ Trotzdem glaubt der 70-Jährige, dass sein Verein erneut eine knifflige Saison erlebt. „Es wird wieder schwierig. Ich denke, ein Platz zwischen zehn und 14 ist realistisch. Hauptsache, es wird nicht wieder so wie letztes Jahr.“

Zum Geburtstag wünscht sich Höttges, der bis vor kurzem Co-Trainer der Bremer U 15 war („Aber jetzt sollen mal die Jüngeren ran“), neben einem sorgenfreien Werder-Jahr vor allem Gesundheit – für seine Familie (Frau Inga sowie die Söhne Andree und René) und sich selbst: „Ich habe ein paar Probleme mit dem Fuß, Verschleißerscheinungen von früher. Aber ansonsten ist alles in Ordnung.“ Die Feier zum 70. kann losgehen. mr

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