„Höllisch wichtige“ Vorlage beim 3:1 in Hoffenheim / Eichin: „Verrückter Fußball“

Was für ein Einstand! Der Pizarro-Plan geht sofort auf

+
Werder jubelt über den zweiten Saisonsieg.

Aus Sinsheim berichtet Carsten Sander - Es war, als hätte jemand ein kitschiges Fußball-Drehbuch geschrieben. Der Plot: Ein alternder Fußball-Star kehrt zurück zu seinem Ex-Club, der Trainer träumt vom „speziellen Kick“, den sein Team nun bekommen möge. Und dann? Dann passiert es im ersten Spiel tatsächlich so.

Mit Claudio Pizarro in der Hauptrolle, mit Viktor Skripnik als Coach mit dem glücklichen Händchen und mit dem SV Werder als Nutznießer. 3:1 (1:0) gewannen die Bremer gestern bei 1899 Hoffenheim. Entscheidend dabei: Das Tor von Anthony Ujah zum 2:1, gefallen in der Nachspielzeit, vorbereitet von Pizarro.

„Pizza-Tony“ liefert wieder, schoss es einem durch den Kopf, als ein Spiel, in dem ein Sieg für Werder laut Abwehrchef (und Ex-Hoffenheimer) Jannik Vestergaard „schon nicht mehr in den Karten lag“ ein spektakuläres, ein erfolgreiches Ende nahm. Es war ein langer Diagonalpass von Santiago Garcia, den Pizarro im Hoffenheimer Strafraum runterpflückte. Was dann geschah , war ganz typisch für den 36-Jährigen. „Ich wollte schießen, konnte aber nicht“, schilderte er die Aktion lachend. Pizarro stolperte sogar, band aber trotzdem zwei Gegenspieler und brachte den Ball irgendwie zum freistehenden Ujah. Annehmen, über die Linie drücken – ein Kinderspiel für Tony, der später überglücklich in die Arme seines Idols Pizarro fiel: „Ich kann noch so viel von ihm lernen. Wir alle können viel von ihm profitieren.“

Haben sie schon. Denn der Bremer Pizarro-Plan ist gleich im ersten Spiel aufgegangen. Als Spieler für die besonderen Momente wurde der Peruaner vor einer Woche unter Vertrag genommen. Als einer, der Impulse geben kann, wenn ein Spiel in die falsche Richtung läuft. Wie gestern. Nach kontrolliert geführter erster Halbzeit und der Führung durch den überragenden Zlatko Junuzovic (45.) verlor Werder nach der Pause den Faden. Vor allem wegen des schnellen Ausgleichs durch 1899-Neuzugang Eduardo Vargas (49.). „Das hat uns ein bisschen geschockt“, gab Junuzovic zu. Hoffenheim machte in der Folge viel Druck, kam aber zu keinen klaren Chancen. Nur bei Schüssen von Fabian Schär (55.) und Kevin Volland (58.) wurde es gefährlich. Werder hatte durch Ulisses Garcia noch eine gute Gelegenheit zur Führung (65.) – sonst lief nicht mehr viel nach vorne. Bis Skripnik Pizarro brachte.

Ein Junuzovic fegt über den Platz

Die Bremer Kurve in der mit 28312 Zuschauern gefüllten Rhein-Neckar-Arena begann schon zu brodeln, als Pizarro nach 80 Minuten zur Einwechslung an die Seitenlinie gewunken wurde. Und sie explodierte förmlich, als der heimgekehrte Liebling tatsächlich in der zweiten Minute der Nachspielzeit den Siegtreffer aufgelegt hatte. „Fußball“, fasste Geschäftsführer Thomas Eichin diese besondere Werder-Story zusammen, „ist manchmal ganz schön verrückt.“

Dass Junuzovic mit der letzten Aktion zu seinem zweiten Treffer und damit seinem ersten Bundesliga-Doppelpack kam, „war nur noch eine Zugabe“, wie er es selbst sagte. Trotz seiner Treffer trat der von der EM-Qualifikation immer noch euphorisierte Österreicher („Das hat mir viel Selbstvertrauen und Schwung gegeben“) die Rolle des Matchwinners gerne an Pizarro ab: „Das zweite Tor war höllisch wichtig, nicht das dritte.“

Dieses 2:1 hatte aber nicht nur Pizarro als Vater, sondern auch Viktor Skripnik. Mutig hatte der Coach gewechselt, hatte den Star-Stürmer für Mittelfeldmann Ulisses Garcia gebracht. Nicht selbstverständlich, wenn das Spiel eigentlich nur noch Richtung eigenes Tor läuft. „Aber wir wollen immer nach vorne spielen, wollen nicht zwei Busse in den Strafraum stellen“, erklärte der Coach. „Der Trainer“, meinte Junuzovic, „hat damit nochmal ein Zeichen gesetzt.“ Und Pizarro hat zurückgezahlt, was ihm von Werder und in ganz Bremen an Vertrauen entgegengebracht wird. Seine Präsenz, seine Cleverness, seine Ausstrahlung, sein Können haben Werder zum zweiten Saisonsieg verholfen.

„Schluss, bitte“, forderte Skripnik lachend, als er die Tabelle sah. Werder ist nach vier Spieltagen Sechster. Und Pizarro befeuerte die von ihm entfachte Zuversicht mit einer forsch formulierten Hoffnung. „Vielleicht reicht es für uns für den Uefa-Cup“, sagte er – meinte aber natürlich die Europa League. Doch um das zu schaffen, müsste er in den verbleibenden 30 Spielen noch viele weitere verrückte Fußball-Geschichten mit einem dramatischen Happy End für Werder schreiben.

Junuzovic und Ujah lassen Werder feiern

1899 Hoffenheim - Werder Bremen 1:3 (0:1) 
0:1 Junuzovic (45.)
1:1 Vargas (49.)
1:2 Ujah (90.+2)
1:3 Junuzovic (90.+3)
Hoffenheim: Baumann - Kaderabek, Schär, Süle, Kim - Schwegler - Zuber (46. Schmid), Polanski - Uth - Volland, Kuranyi (46. Vargas). - Trainer: Gisdol
Bremen: Wiedwald - Gebre Selassie, Lukimya, Vestergaard, Garcia - Felix Kroos (89. Galvez) - Fritz, Garcia (82. Pizarro) - Junuzovic - Johannsson (64. Bartels), Ujah. - Trainer: Skripnik
Schiedsrichter: Jochen Drees (Münster-Sarmsheim)
Zuschauer: 28.312
Gelbe Karten: Volland, Polanski (2) - Junuzovic, Lukimya, Fritz (2), Ujah

Die Meerjungfrauen in Floridas Weeki Wachee

Die Meerjungfrauen in Floridas Weeki Wachee

Dschungelcamp 2017: Tag sechs im Busch in Bildern

Dschungelcamp 2017: Tag sechs im Busch in Bildern

Deutschland besiegt Weißrussland - die Bilder

Deutschland besiegt Weißrussland - die Bilder

DHB-Auswahl wahrt weiße Weste - 31:25 gegen Weißrussland

DHB-Auswahl wahrt weiße Weste - 31:25 gegen Weißrussland

Meistgelesene Artikel

Bereit für Dortmund

Bereit für Dortmund

Test gegen Moskau verloren - Capin wechselt zu Davala

Test gegen Moskau verloren - Capin wechselt zu Davala

Sternberg rechnet mit Werder-Verbleib

Sternberg rechnet mit Werder-Verbleib

Premiere auf neuem Hybridrasen

Premiere auf neuem Hybridrasen

Kommentare