In der kränkelnden Boomtown will Werder das Fundament für eine glanzvolle Rückrunde legen

Himmelsstürmer in Dubai

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Werder-Bremen - DUBAI · Es war schon finster in Dubai, als Thomas Schaaf sein Team gestern direkt nach der Ankunft zur ersten Trainingseinheit des Jahres bat. Im Hintergrund funkelte der „Burj Dubai“, das höchste Gebäude der Welt, seiner Eröffnung entgegen, und mehr als 800 Meter tiefer und einige hundert Meter entfernt nahm Werder Bremen eine Mission auf, deren Titel auch zum Projekt des „Turms von Dubai“ gepasst hätte: „Himmelsstürmer“ könnte sie heißen.

Wieso? Weil in der Glitzerwelt der Boomtown Dubai das Fundament für eine glanzvolle Bundesliga-Rückserie gelegt werden soll. Eine Rückrunde, die nicht diesen Makel der ersten Saisonhälfte haben soll: Werder blieb zwar 14 Spiele in Folge ungeschlagen, ging aber doch nur als Sechster in die kurze Winterpause. Zwei Niederlagen am Ende und massenhaft viele Unentschieden in der Mitte waren schuld. „Wir müssen wieder hungriger auf Siege werden“, formuliert Kapitän Torsten Frings deshalb ein Ziel für die Woche in Dubai.

Werder Bremen in Dubai

Werder Bremen in Dubai

Hunger zu entwickeln in einem Umfeld, das Luxus satt bietet, könnte jedoch schwierig werden. In Dubai haben die Bremer das Park Hyatt Hotel bezogen – eine der feinsten Adressen des Emirates. Und diesen Ruf innezuhaben, soll ’was heißen in einem Winkel der Erde, in dem sich 79 (!) Fünf-Sterne-Hotels dicht an dicht drängen. Das Park Hyatt sticht die meisten davon aus. Hier hat schon der AC Mailand residiert, die deutsche Nationalmannschaft war im vergangenen Sommer da, als die Auswahl der Vereinigten Arabischen Emirate mit 7:2 weggeblasen wurde. Bremer Spieler hatten nicht mitgewirkt, auf ihrem Programm stand das Pokal-Finale.

Im Park Hyatt zahlen Besucher im Normalfall 600 Euro pro Nacht und Zimmer. Doch Werder wohnt gratis. Auf Einladung des „Dubai Sports Channel“, der als Inhaber der Bundesliga-TV-Rechte für die Emirate jedes Jahr ein deutsches Team als PR-Motor importiert, gastiert die Mannschaft am Persischen Golf.

Schon morgen erfüllen die Bremer mit einem Testspiel gegen den nationalen Spitzenclub Al Ain (der übrigens vor drei Wochen Trainer Winfried Schäfer rausgeschmissen hat) ihren Werbeauftrag. Für Donnerstag ist eine Begegnung mit der tunesischen Nationalmannschaft geplant. Der Rest ist Training. Auf dem Gelände des Erstligisten Al Wasl stehen Werder ein Platz und das zierliche Stadion zur Verfügung. Schaafs erster Eindruck: „Alles in Ordnung, nur der Rasen ist ein bisschen stumpf. Da muss mehr gewässert werden.“

Kein Problem, das kriegt Dubai hin. Auch wenn die Schaffenskraft insgesamt langsam nachlässt. Der „Burj Dubai“ wird mittelfristig wohl das letzte Wunder in der Wüste bleiben. Denn dass das Geld in der Stadt der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten knapp wird, ist keinesfalls ein Märchen aus 1001 einer Nacht. Mehrere Großprojekte – wie der Bau des mindestens einen Kilometer hohen Nakheel Towers – wurden bereits abgeblasen, andere stehen still. Die Wirtschaftskrise hat eben auch Dubai getroffen. Und das liegt nicht nur am Öl, denn Dubai hat im Gegensatz zum großen Bruder Abu Dhabi gar keines. Das Emirat hat sein Geld mit Handel verdient – und mit einem florierenden Tourismus vermehrt. Gerade im Winter, wenn die Temperaturen herrliche 25 Grad betragen, ist die Stadt nahezu ausgebucht. Thomas Schaafs Gruß ins verschneite Bremen: „Hier lässt es sich wirklich aushalten.“

Vielleicht zu gut. Denn Werder-Boss Klaus Allofs hegt eine gewisse Sorge. Die Reize der Stadt könnten die Spieler ablenken. Unsinn, meint Kapitän Frings: „Wir sind einfach froh, nach vielen Jahren in Belek mal etwas anderes zu sehen.“ Dem Trainer geht’s genauso. Der Türkei-Fan hat seiner alten Liebe offenbar abgeschworen: „Ein neuer Anreiz ist nicht schlecht. In Belek waren wir jetzt zehnmal – aber gefühlt waren’s 20 Jahre…“

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