Hilfsmittel mit Suchtpotenzial

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Wurde von Werder unter anderem per Wyscout überprüft: Luca Calirola. ·

Bremen - Nachtschichten sind nicht Teil seiner Job-Beschreibung. Thomas Eichin macht sie trotzdem. Bis in den frühen Morgen sitzt der Sportchef von Werder Bremen mitunter vor seinem Laptop oder iPad. Der Grund heißt Wyscout. Die italienische Firma bietet die derzeit größte und modernste Fußballer-Datenbank und ist bei vielen Clubs mittlerweile ein unverzichtbares Werkzeug bei der Suche und Vermittlung von Spielern.

Und es verfügt über ein gewisses Suchtpotenzial. „Bei Wyscout“, sagt Eichin, „kann man wirklich stundenlang hängenbleiben.“ Weil es das bietet, was Fußball-Manager, -Trainer und -Scouts früher oft mühsam zusammensuchen mussten: Alle erdenklichen Infos über Spieler aus allen Ecken der Welt. Und das bequem per Mausklick sowie für nur 750 Euro pro Monat.

220 000 Fußballer per Mausklick prüfen

Günstig ist das, fast schon ein Spottpreis. Zumal der Gegenwert unermesslich ist. Rund 220 000 Fußballer sind auf der Datenbank gespeichert. Nicht nur mit Alter, Position, Verein und Vertragslaufzeit, sondern mit allerhand Videomaterial. Wer also einen unbekannten Spieler aus Südamerika, Asien oder Afrika sichten möchte, klickt auf Wyscout und kann wählen: Ganze Spiele ansehen oder mundgerecht zusammengeschnittene Szenen über Stärken und Schwächen im Kopfballspiel, bei Flanken, im Zweikampfverhalten, beim Torabschluss, bei Ecken, Freistößen und so weiter – alles ist möglich, alles ist bestellbar. Und ganz wichtig: Wyscout ist dabei neutral. „Jeder Fußballer macht in seiner Karriere sicher 20 geile Spielzüge. Wir zeigen – im Gegensatz zum Berater – alle seine Aktionen“, sagt Mitbegründer Matteo Campodonico.

Thomas Eichin ist von dem Angebot begeistert, rühmt die Plattform als ein „super Hilfsmittel, wenn du dir ein noch genaueres Bild von einem Spieler machen möchtest“. Vor dem Kauf von Luca Caldirola hat er es genutzt, etliche Spiele des jungen Italieners via Wyscout analysiert. Dazu unzählige Einzelszenen studiert. Auch die Beobachtung der potenziellen Sturm-Kandidaten Alfred Finnbogason und Matej Vydra fand zum Teil auf der Internet-Datenbank statt. Eichin: „Wyscout ersetzt nicht das klassische Scouting durch die Vereine, ist mehr eine Ergänzung. Aber es erspart einem manch unnötige Reise.“

Vorbei also die Zeit, da vollmundige Versprechen geschäftstüchtiger Berater über einen jungen Spieler aus Südamerika mit aufwendigen Trips in entlegene Winkel überprüft werden mussten. Wenn heute der Geheimtipp aus Uruguay, Bolivien oder woher auch immer auf den Schreibtisch flattert, muss niemand DVD-Material auftreiben oder gleich in den Flieger steigen.

Knapp 300 Clubs sowie mehr als 200 Berater-Agenturen und 22 nationale Verbände bedienen sich längst bei den Video-Sammlern aus Italien. Internationale Spitzenvereine wie der FC Barcelona und Real Madrid, Inter und AC Mailand, Juventus Turin, Manchester City, die Boca Juniors Buenos Aires und Corinthians Sao Paulo gehören zum Kundenstamm. Aus der Bundesliga listet Wyscout neben Werder noch Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen, Eintracht Frankfurt, Hannover 96, Mainz 05 und den FC Augsburg als Benutzer auf. · csa

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