Werder-Sportchef Eichin erklärt, warum er das Wort Abstiegskampf nicht benutzen will

„Hier sind keine hängenden Köpfe“

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Werder-Sportchef Thomas Eichin schmeckt es nicht, dass nach der Mainz-Pleite vom Abstiegskampf die Rede ist: „Man darf doch nicht alles von einem Spiel abhängig machen.“ ·

Bremen - Achtung! Wer Thomas Eichin trifft, sollte sich das Wort Abstiegskampf verkneifen. Das mag der Sportchef des SV Werder Bremen gar nicht gerne hören.

Nach der 2:3-Heimniederlage gegen Mainz bezeichnete der 47-Jährige die Abstiegsfragen als „blöd“ und wollte sich zu dem Thema nicht weiter äußern. Dabei gehört Werder mit 15 Punkten nach 13 Spielen und als Tabellenzwölfter zu den gefährdeten Clubs. Wie es Eichin sieht, sagt der 47-Jährige im Interview.

Herr Eichin, warum reagieren Sie beim Begriff Abstiegskampf stets so gereizt?

Thomas Eichin:Wir wussten doch alle, dass es eine schwierige Saison wird, dass es rauf und runter gehen kann. Es sind vier Punkte auf Platz sieben und auch vier Punkte bis zum Relegationsplatz – also ist nach oben und nach unten alles offen. Ich weiß nicht, warum man dann nach einer knappen Niederlage das Wort Abstiegskampf benutzen soll.

Wollen Sie so auch die Mannschaft vor der Abstiegsangst bewahren?

Eichin:Das muss ich gar nicht, die Mannschaft geht mit der Situation gut um. Ich sehe hier keine hängenden Köpfe. Die Spieler sagen: Mist, wir haben verloren. Sie sagen aber auch: Wir machen es im nächsten Spiel besser.

Assani Lukimya hat allerdings nach dem Mainz-Spiel gestanden: „Wir sind doch schon die ganze Saison im Abstiegskampf.“

Eichin:Wir haben ja vor der Saison auch nichts anderes gesagt, als dass wir jeden einzelnen Punkt hart erkämpfen müssen. Der Spieler geht doch ganz realistisch mit der Situation um. Er hatte wahrscheinlich auch keine Lust mehr, das wieder zu thematisieren, und wollte sich nach den ganzen Fragen mit der Aussage einfach mal Ruhe verschaffen.

Die Fans machen sich trotzdem Sorgen um Werder. Können Sie ihnen die Abstiegsangst nehmen?

Eichin:Nein, denn ich bin kein Prophet, sondern Realist. Die Bundesliga ist ein knallhartes Geschäft. In der Bundesliga kannst du schnell nach oben, aber auch nach unten rutschen. Das wissen wir. Aber darüber müssen wir nicht jeden Tag sprechen. Apropos Fans: Die, die am Sonntag im Stadion waren, möchte ich hier ausdrücklich loben. Es gibt auch andere Stadien, in denen du bei einem 0:3-Rückstand gnadenlos niedergepfiffen wirst. Unsere Fans haben ein gutes Gefühl dafür, dass diese Mannschaft will, dass sie aber auch Zeit braucht.

Viele dachten allerdings, es gehe nach dem Trainerwechsel schneller nach oben.

Eichin:Wir hatten drei schlechte Jahre. Warum geht man jetzt davon aus, dass wir im Champions-League-Bereich herumspielen? Wir haben weder unser Budget erhöht, ganz im Gegenteil, noch haben wir einen Zauberkünstler als Trainer verpflichtet. Wir müssen realistisch bleiben. Das heißt: Wenn wir ein gutes Jahr haben, können wir in den einstelligen Bereich kommen. Aber wenn wir ein wenig Pech haben, dann rutschen wir auch mal unten rein.

Machen Sie sich Sorgen, dass es am Ende nicht zum Klassenerhalt reicht?

Eichin:Ich werde dafür bezahlt, dass ich mir Sorgen mache. Und die Sorgen sind genauso groß wie vor der Saison. Sie hätten sich auch nicht verändert, wenn wir am Sonntag gegen Mainz gewonnen hätten. Das ist schon außergewöhnlich in der Bundesliga. Schießt du in der letzten Minute das Siegtor, ist alles wunderbar, alle liegen sich in den Armen. Kriegst du aber einen rein und verlierst noch – dann ist die Rede vom Abstiegskampf und man steckt den Kopf in den Sand. Das ist doch Unsinn! Man darf doch mitten in der Saison nicht alles von einem Spiel abhängig machen. Man muss weiter arbeiten und punkten.

Das wird bis Weihnachten mit Heimspielgegnern wie dem FC Bayern München und Bayer Leverkusen sowie Auswärtsaufgaben bei der TSG 1899 Hoffenheim und Hertha BSC aber ziemlich schwierig.

Eichin:Ich gehe natürlich nicht davon aus, dass wir die Bayern aus dem Weserstadion schießen werden. Aber sorry – gegen Hoffenheim, Bayern, Hertha und Leverkusen sind schon noch zwölf Punkte zu vergeben. Klar, das sind schwierige Spiele. Wir können uns wieder auf einen einstelligen Tabellenplatz schießen, aber uns auch nach unten bewegen.

Nur Hoffenheim steht von den nächsten Gegnern in der Tabelle unter dem SV Werder. Wird die Mannschaft mit dem Druck, gerade dort punkten zu müssen, klarkommen?

Eichin: Druck hast du immer in der Bundesliga. Wer damit nicht klarkommt, hat in der Bundesliga nichts zu suchen. Aber da mache ich mir bei unserer Mannschaft keine Gedanken. Die ist intakt. Die Entwicklung ist gut. Das Trainerteam arbeitet auch hervorragend, wir haben eine sehr, sehr gute Chemie. Und die Fans gehen diesen Weg mit. · kni

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