Werder-Präsident setzt Expertenkommission ein

Hess-Grunewald muss um seinen Job fürchten

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Angespannte Stimmung bei Werder: Klaus-Dieter Fischer (links) hat seinen Nachfolger ein wenig in die Bredouille gebracht, doch Dr. Hubertus Hess-Grunewald (rechts) reagierte umgehend. 

Bremen - Von Björn Knips. Bei Werder rumort es – und ausnahmsweise geht es nur ganz nebenbei um Fußball. Ehrenpräsident Klaus-Dieter Fischer hat mit einem Antrag für die Mitgliederversammlung am 21. November für Unruhe gesorgt.

Der 75-Jährige wünscht sich eine andere Struktur, will die Geschäftsführung von drei auf zwei Personen verkleinern und stellt damit ausgerechnet die Zukunft seines Nachfolgers Dr. Hubertus Hess-Grunewald infrage. Der Vereinspräsident muss um seinen lukrativen Job als Geschäftsführer beim Bundesligisten fürchten und hat schon gehandelt: Die von Fischer geforderte Expertenkommission wird vorzeitig eingeführt, der brisante Antrag des Ehrenpräsidenten ist damit ausgebremst und wohl vom Tisch. Aber das Thema gärt natürlich weiter.

Wie heikel die ganze Angelegenheit ist, beweist folgender Hinweis von Hess-Grunewald: „Ich werde nicht in der Expertenkommission sein, damit gar nicht erst der Verdacht aufkommt, ich könnte etwas zu meinen Gunsten beeinflussen. Es kann schließlich auch um meine Position als Geschäftsführer gehen.“ Es kann nicht nur, es wird definitiv um die Position des dritten Geschäftsführers neben Klaus Filbry und Frank Baumann gehen. Sie sind in der vom Verein ausgegliederten Kommanditgesellschaft (KG) für den finanziellen beziehungsweise den sportlichen Bereich zuständig. Hess-Grunewald kümmert sich um den Nachwuchs- und Damen-Fußball sowie den anderen Leistungssport bei Werder wie Tischtennis, Handball und Schach. Außerdem steuert der Rechtsanwalt das soziale Engagement des Clubs. Das alles als Gesandter des Vereins, dem Alleingesellschafter der KG. Die aktuelle Satzung sieht vor, dass einem Präsidiumsmitglied ein Platz in der Geschäftsführung zusteht, zudem darf der Verein zwei Personen für den sechsköpfigen Aufsichtsrat benennen.

Fischer hält diese Regelung nicht mehr für „zeitgemäß“. Dabei hat er 2003 bei der letzten Umstrukturierung selbst davon profitiert, wurde als ehrenamtlicher Präsident gleichzeitig auch gut bezahlter Geschäftsführer. „Anders wäre es damals aber nicht gegangen“, sagt Fischer: „Der Verein wollte diesen direkten Einfluss und hätte sonst nicht zugestimmt.“ Den Wirtschaftsprüfern wäre eine klarere Trennung zwischen Verein und KG damals lieber gewesen, erinnert sich Fischer und gesteht: „Mein Fehler war es, und das kreide ich mir auch an: Warum habe ich diese Strukturfrage nicht eher angeschoben?“

Jetzt sieht es natürlich so aus, als wollte er seinen Nachfolger aus dem Amt drängen. „Dass er einen anderen Weg geht als ich, das ist normal. Und dass ich mit dem einen oder anderen Punkt nicht zufrieden bin, ist auch normal“, gibt der 75-Jährige zu. Aber es gehe ihm um die Sache. Er will, dass sich die KG mehr auf den Profi-Fußball konzentriert und die anderen Sportarten gleichzeitig unabhängiger von der KG werden. Sie sollen zum Verein zurückkehren. Denkbar wäre, dass sich dann Hess-Grunewald als hauptamtlicher Präsident darum kümmert. Es würde auch das Problem lösen, dass der Rechtsanwalt vor zwei Jahren seine Kanzlei für Werder aufgegeben hat. Doch der 55-Jährige lehnte es bislang ab, sein Gehalt durch Mitgliedsbeiträge finanzieren zu lassen. Nun will er gar nicht erst so weit in die Zukunft blicken und sagt dazu lediglich: „Ich bin bis 2018 als Präsident gewählt. Weiter darf ich gar nicht denken. Der Entsendungsbeschluss in die Geschäftsführung gilt bis 2018, und ich besitze bei der KG einen Anstellungsvertrag bis 2018.“ Bis dahin ist also alles klar, aber Hess-Grunewald sagt eben auch: „Wir gehen ergebnisoffen in die Diskussion. Deshalb ist es nicht ausgeschlossen, dass es den Geschäftsführer Hess-Grunewald nicht mehr gibt, wenn die Expertenkommission und letztendlich die Mitglieder unseres Vereins das für die beste Lösung halten.“

Werders Justiziar Tarek Bauer wird die Kommission leiten. Aufsichtsrat, Geschäftsführung, Präsidium und Ehrenrat benennen jeweils einen Vertreter. Dazu soll noch ein externer Experte kommen. Fischer wird nicht dabei sein: „Das will ich auch gar nicht.“

Ergebnisse sollen spätestens bis zum 30. Juni 2017 vorliegen, berichtet Hess-Grunewald. Ganz raus ist er dabei nicht, denn Zwischenergebnisse werden einem so genannten Steuerungsboard mit Aufsichtsratschef Marco Bode und Hess-Grunewald mitgeteilt. Wenn er schon nicht selbst mitgestalten darf, dann will der Präsident wenigstens informiert sein.

Es ist keine einfache Zeit für Hess-Grunewald – knapp zwei Jahre, nachdem er die Ämter (Präsident und Geschäftsführer) von Fischer übernommen hat. Der Antrag seines Vorgängers ist durchaus als Affront zu bewerten. Doch der Arbeitsrechtler will sich nicht öffentlich streiten. Er verweist darauf, dass sich der Verein schon länger mit der Strukturfrage beschäftige. Zudem habe Fischer der in seiner Abschlussrede 2014 aufgestellten Forderung nun noch einmal Nachdruck verliehen. „Wir haben uns mit ihm zusammengesetzt und nach Schnittmengen gesucht. Da gab es sehr viele“, verrät Hess-Grunewald: „Und dann haben wir einvernehmlich den Fahrplan aufgestellt, dass wir schon vor der Mitgliederversammlung eine Expertenkommission einsetzen werden.“

Fischer ist damit grundsätzlich zufrieden, wartet aber noch etwas ab: „Wenn die Dinge so umgesetzt werden, wie ich mir das vorstelle, dann ziehe ich meinen Antrag gerne zurück.“ Noch ist das nicht passiert, und auch danach wird sich Fischer nicht zurücklehnen: „Natürlich werde ich das beobachten, denn es ist sehr wichtig für die Zukunft unseres Vereins.“  

kni

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